Neue Fahrzeuge, mehr Strecken, dichtere Takte: Investitionen in Berlins ÖPNV

Der Senat Berlins hat auf Vorlage der Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther, dem neuen Verkehrsvertrag mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) für die Jahre 2020 bis 2035 zugestimmt. Mit diesem Vertrag wird das landeseigene Verkehrsunternehmen im Rahmen einer Direktvergabe ab dem 1. September 2020 beauftragt, die ausgehandelten, umfangreichen ÖPNV-Leistungen zu erbringen. Der Verkehrsvertrag, dem der BVG-Aufsichtsrat bereits zugestimmt hat, ist damit die vertragliche Umsetzung des 2019 vom Senat beschlossenen Nahverkehrsplans samt den geplanten Investitionen in neue Fahrzeuge, Erweiterung der Netze und Verdichtung der Takte.

Senatorin Günther: „Dieser Verkehrsvertrag markiert den Aufbruch in eine neue Ära der Investitionen. Die BVG wird ihren Fuhrpark und ihr Netz in den kommenden Jahren erneuern, erweitern, klimafreundlich umbauen und damit entscheidend verbessern. Zusammen mit zusätzlichen Milliarden-Investitionen etwa für die S-Bahn und für das Schienen-Pendlerprojekt i2030 werden wir den stadtverträglichen ÖPNV in Berlin auf ein nie dagewesenes Niveau bei Verlässlichkeit, Schnelligkeit, Erreichbarkeit und Barrierefreiheit bringen.“

Der BVG-Verkehrsvertrag hat ein Volumen von bis zu 12,7 Milliarden Euro für die Grundvergütung der BVG und Tarifersatzleistungen (für Schüler/Azubi-Ticket, für Ticket S und Schwerbehinderten-Freifahrten). Die Tarifersatzleistungen summieren sich auf rund 3,1 Milliarden Euro.

Darüber hinaus werden über die zukünftigen Haushalte finanziert:

  1. rund 4,3 Milliarden Euro ergänzende Zuschüsse (gut 2 Milliarden Euro für neue Straßenbahnstrecken, rund 1,7 Milliarden Euro für Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen, rund 600 Millionen Euro für laufende Projekte wie U5); und
  2. rund 2 Milliarden Euro für die Dekarbonisierung (voraussichtlich zwischen 1,3 und 2,4 Milliarden Euro insbesondere für Infrastruktur, noch ohne Zuschüsse des Bundes). Im Vertrag bereits abgedeckt sind 450 Millionen Euro für den Betrieb von insgesamt 227 E-Bussen.

Die Inanspruchnahme von Haushaltsmitteln bis 2035 beträgt rund 19 Milliarden Euro in den kommenden 15 Jahren. Zum Vergleich: In der vergangenen Dekade betrugen die Investitionen in Fahrzeuge und Infrastruktur bei der BVG im Durchschnitt knapp 300 Millionen Euro pro Jahr. Im kommenden Jahrzehnt mit dem neuen Verkehrsvertrag werden diese Summen um mehr als das Zweieinhalbfache auf durchschnittlich rund 800 Millionen Euro pro Jahr erhöht. Für das Jahr 2024 ist eine erste große Revision des Vertrags verabredet, um gegebenenfalls Anpassungen der Pläne ab 2031 vornehmen zu können.

Im neuen BVG-Verkehrsvertrag ist fixiert, dass bis 2030 die U-Bahn (für rund 2,4 Milliarden Euro) und die Straßenbahn (für rund 740 Millionen Euro) jeweils einen runderneuerten, vergrößerten Fahrzeugpark erhalten, der künftig für die Bedienung von Neubaustrecken ebenso genutzt wird wie für Leistungsverbesserungen im Bestandsnetz. Insbesondere das Straßenbahnnetz soll um knapp 40 Prozent erweitert werden, etwa um Neubaugebiete von Anfang an und stark verdichtete Viertel auch weiterhin komfortabel anzubinden. Vereinbart wurden Taktverdichtungen bei allen Verkehrsmitteln sowie der Einsatz größerer Fahrzeuge, wo es möglich ist.

Zudem wird ein deutlich erweitertes 10-Minuten-Netz im Tagesverkehr einen attraktiven Takt insbesondere für die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner bieten, die außerhalb des S-Bahnrings leben. Im Vertrag langfristig gesichert sind auch zusätzliche Ausbildungskapazitäten, um den erhöhten Bedarf an Fahrerinnen und Fahrern abbilden zu können.

Ein Alleinstellungsmerkmal dieses Verkehrsvertrags ist die mit der BVG vereinbarte Mobilitätsgarantie beim Thema Barrierefreiheit. Ab dem Jahr 2022 sind die Verkehrsbetriebe verpflichtet, die obligatorische Barrierefreiheit im Netz immer auch bei Störungen (etwa dem Ausfall von Aufzügen) sicherzustellen, indem sie konkrete Alternativen innerhalb des ÖPNV anbieten. Die technische Ausgestaltung dieser Mobilitätsgarantie wird derzeit erarbeitet.

Auf die Folgen der Corona-Pandemie für die Einnahmesituation der BVG wurde im Rahmen des vorliegenden Verkehrsvertrags – wie bei anderen Landesbetrieben – mit einer Finanzierungsgarantie reagiert: Pandemiebedingte Einnahmeausfälle werden durch das Land bis zur ersten Revision 2024 ersetzt. Der Senatsbeschluss beinhaltet insofern die Zustimmung zu einem Mantelvertrag mit allen Vorgaben zu Fahrplanangebot und Vergütung, auf dessen Grundlage die Liniengenehmigungsverfahren starten können. Noch nicht ausformulierte Passagen werden bis zum Herbst dieses Jahres finalisiert.

Quelle: Presse- und Informationsamt des Landes Berlin; Foto: Michael Kauer/Pixabay

Reorganisation der DB Netz AG

Die DB Netz AG wird sich voraussichtlich zum 1. Oktober 2021 neu aufstellen. Teil der Reorganisation ist unter anderem die Zusammenlegung der 28 Regionalnetze mit den 34 Produktionsdurchführungen zu 34 Netzen. Wie die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ausführt, ließen sich die Kosten in diesem und im kommenden Jahr für die Zusammenlegung noch nicht beziffern. Ziel sei, die „operativen Netze näher am Kunden“ zu positionieren. Als weitere Kernpunkte der Reorganisation nennt die Bundesregierung mit Verweis auf Angaben der DB AG die Einführung einer Segmentlogik, die Bündelung von Bauaktivitäten und „Kapazitätsmanagement, Fahrplan und Betrieb aus einer Hand“.

Quelle: Deutscher Bundestag; Foto: Deutsche Bahn AG/Claus Weber

Thema der Woche: Für’s Klima: Zug statt Flugzeug

In den Alpen einsteigen, bequem eine Nacht schlafen und auf Sylt aufwachen – das ist seit dem Wochenende mit dem neuen Alpen-Sylt-Express der RCDC möglich. Die Zugfahrt ist eine bequeme und teils günstigere Alternative zum Fliegen, die zudem die Umwelt schont. Auch Hochgeschwindigkeitszüge verbinden Metropolen, sodass manche Bahnfahrt schneller ist, als die Flugreise mit Check-In. Was es aber noch braucht, ist die richtige Weichenstellung.

Lesen Sie hier mehr zu unserem Thema der Woche.

Foto: Blauer AUTOZUG Sytl/RDC Deutschland

Wir bitten um Ihre Unterstützung!

Zum aktuellen Zeitpunkt führt das Forschungsinstitut BF/M-Bayreuth eine Studie zur Arbeitgeberattraktivität von privaten Eisenbahnverkehrsgesellschaften durch. Ziel der Datenerhebung ist eine Standortbestimmung der Branche hinsichtlich der maßgeblichen Faktoren, die das jeweilige Arbeitsumfeld von Beschäftigten positiv beeinflussen können.

Vor diesem Hintergrund laden wir Sie herzlich ein, an der Befragung teilzunehmen. Als Teilnehmender erhalten Sie dabei die Möglichkeit, Ihre E-Mail-Adresse zu hinterlassen und so die Ergebnisse der Erhebung zu erhalten.

Die Umfrage können Sie unter folgendem Link aufrufen: https://www.bfmbayreuth.de/limesurvey/index.php/833878?newtest=Y&lang=de

Das BF/M-Bayreuth ist ein An-Institut der Universität Bayreuth und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Mittelstandsforschung sowie dem Wissenstransfer in die Unternehmenspraxis. Im Rahmen dieser Aktivitäten führen wir empirische Studien und wissenschaftliche Kooperationsprojekte durch. Weitere Informationen zu unserem Institut finden Sie unter: https://www.bfm-bayreuth.de/.

Für eventuelle Rückfragen stehen wir Ihnen gerne unter info@bfm-bayreuth.de zur Verfügung!

Herzlichen Dank!

Siemens liefert weitere 22 U-Bahn-Züge für München

Nachdem im Mai 2020 der erste C2-Metro-Zug aus der ersten Option aus dem Jahr 2016 den Fahrgastbetrieb aufnahm, haben die Stadtwerke München (SWM) auch die zweite und letzte Option über 22 sechsteilige U-Bahn-Züge bei Siemens abgerufen. Damit kommen bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) künftig insgesamt 67 C2-Züge zum Einsatz.

Ingo Wortmann, MVG-Chef und SWM Geschäftsführer Mobilität: „Mit den neuen C2-Zügen setzen wir die Verjüngung unserer U-Bahn-Flotte konsequent fort. Für unsere Fahrgäste bedeutet das vor allem mehr Platz und mehr Komfort. Über die nächsten zehn Jahre wollen wir alle alten A- und B-Wagen ausmustern und unsere U-Bahn künftig ausnahmslos mit modernen Hochleistungszügen betreiben. Damit bringen wir bereits ohne weitere Taktverdichtungen rund 5.000 Plätze mehr auf die Schiene.“

„Wir sind stolz, dass die Stadtwerke München und die Münchner Verkehrsgesellschaft sich entschlossen haben die zweite und letzte Option, dieses Großauftrags abzurufen. Einschließlich dieser Züge haben wir dann insgesamt 67 Züge mit 402 Wagen an die Stadtwerke München geliefert. Die neuen C2-Züge tragen zu einer nachhaltigen Wertsteigerung über den gesamten Lebenszyklus und zu verbessertem Fahrgastkomfort bei. Damit sind wir an der Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in unserer Heimatstadt maßgeblich beteiligt“ sagt Sabrina Soussan, CEO Siemens Mobility.

Die neuen Züge basieren auf dem bewährten Design der vorhergehenden Fahrzeuggeneration („C-Wagen“), das vom international renommierten Münchner Fahrzeugdesigner Alexander Neumeister stammt und weiterentwickelt wurde. In den C2-Fahrzeugen haben sich unter anderem die Kopfform mit neuer LEDBeleuchtungstechnologie und die bessere Erkennbarkeit des Öffnungs- und Schließvorgangs der Türen durch farbige LED-Leuchtbänder in den Türkanten verändert. Mehr Komfort für die Fahrgäste bieten die Videokameras, das FahrgastTV und die neugestaltete Innenbeleuchtung mit LED-Leuchten. Weitere Vorteile sind die hohe Kapazität und die hohe Verfügbarkeit: Durch die Umgestaltung des Fahrgastraums und ein neues Sitzplatzkonzept mit breiteren Türen gegenüber den zu ersetzenden Altfahrzeugen können mehr Fahrgäste im Vergleich zu den Vorgängerfahrzeugen befördert werden. Insgesamt bietet der C2 jetzt Platz für 940 Fahrgäste. Da es keine Einzelwagen mehr gibt, ist der Zug komplett durchgängig.

Siemens liefert für München besonders umweltfreundliche und energiesparende Züge. Der Energiebedarf wird durch die Kombination von verschiedenen innovativen Konzepten reduziert. Bei der Auswahl der Materialien wurden keine schädlichen Stoffe verwendet, energiesparende LED-Leuchten verarbeitet und das Material ist zu 97 Prozent recyclebar. Somit verbessern die neuen Fahrzeuge die CO2-Bilanz in München weiter und tragen zu einer Verminderung des Energiebedarfs im Verkehr bei.

Die Züge werden von Siemens Mobility in Wien gefertigt, die Drehgestelle kommen von Siemens Mobility in Graz. Die Inbetriebnahme der neuen Züge wird 2022 beginnen. Die Züge werden die Linien U3 und U6 wie die heute bereits im Einsatz befindlichen C2-Fahrzeuge befahren. Der Betrieb auf weiteren Linien ist ebenfalls geplant.

Quelle/Foto: Siemens

Joint Venture von primeRail und DFDS

Um das intermodale Angebot zwischen Europa und der Türkei weiter auszubauen, wird DFDS zusätzlich zur bestehenden Transportstruktur ein neues DFDS Intermodal Competence Center im Raum Köln errichten. Die Umsetzung erfolgt in einem Joint Venture mit der primeRail GmbH.

Letztgenanntes Unternehmen ist seit 2019 erfolgreich als intermodaler Dienstleister am Markt und hat bereits effiziente digitale Lösungen zur Gewährleistung hoher Transportqualität entwickelt. Die primeRail GmbH beginnt ab sofort mit dem Aufbau des neuen DFDS Competence Center.

Im Frachtverkehr zwischen Europa und der Türkei wird heute ein erheblicher Teil der DFDS-Transporte durch das DFDS Hauptbüro Mittelmeer (Istanbul) mit Hilfe intermodaler Lösungen via Triest abgewickelt. Die Verantwortlichen sind davon überzeugt, gemeinsam mit primeRail eine starke Plattform für die Entwicklung noch effizienterer intermodaler Lösungen zum Nutzen der Kunden und Umwelt schaffen zu können.

DFDS mit Hauptsitz in Kopenhagen ist eines der größten integrierten Schiffs- und Logistikunternehmen Europas mit rund 8.000 Mitarbeitenden in 24 Ländern. Der jährliche Umsatz liegt bei rund 2 Milliarden Euro. DFDS Logistics steht für europaweite Frachtlösungen per Lkw, Container und Bahn, gestützt auf enge Routennetze in der Nordsee und Ostsee, im Ärmelkanal und im Mittelmeer.

Quelle: ÖVZ; Foto: DFDS

EU: Deutschland übernimmt Ratsvorsitz

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise hat Deutschland am 1. Juli die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Wir haben deutsche EU-Abgeordnete gefragt, welche Erwartungen sie haben.

Die Europäische Union steht mit der Corona-Krise vor einer immensen Herausforderung. Die unmittelbare Bewältigung der Pandemie und der Wiederaufbau stehen somit im Mittelpunkt des Programms der deutschen Ratspräsidentschaft.

Ziel ist, unter den Staats- und Regierungschefs eine rasche Einigung über den Aufbaufonds und den langfristigen EU-Haushalt 2021-2027 zu erzielen. Gleichzeitig will Deutschland wichtige Zukunftsthemen wie Klimaschutz (mithilfe der europäischen Green Deal-Strategie) und die wirtschaftliche und gesellschaftliche Digitalisierung voranbringen. Mit Fokus auf Afrika und dem Verhältnis zu China soll Europa mehr globale Verantwortung übernehmen und seine Rolle in der Welt stärken. Ein weiterer Schwerpunkt sind die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.

Leitgedanken der Ratspräsidentschaft Deutschlands
• Überwindung der Covid-19-Pandemie und wirtschaftliche und soziale Erholung;
• ein stärkeres und innovativeres Europa;
• ein gerechtes Europa;
• ein nachhaltiges Europa;
• ein Europa der Sicherheit und der gemeinsamen Werte;
• ein starkes Europa in der Welt.

Wir haben deutsche EU-Abgeordnete gefragt, welche Erwartungen sie an die Ratspräsidentschaft stellen.

Daniel Caspary (EVP), Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament, sagt über die deutsche Ratspräsidentschaft: „Der EU-Mehrjahreshaushalt 2021-2027 und die Jahrhundertaufgabe Wiederaufbaufonds entscheiden darüber, ob die EU gestärkt aus der Corona-Krise hervorgeht. Die deutsche Ratspräsidentschaft und Bundeskanzlerin Angela Merkel können ihre gesamte Erfahrung und Kompetenz in europäischen Fragen einbringen. Damit stehen die kontroversen und harten Beratungen unter positiven Vorzeichen.“ Auch zum Erfolg der Verhandlungen über das Abkommen zwischen der EU und Großbritannien könne Berlin „wichtige Impulse“ liefern, so Caspary.

Der Vorsitzende der SPD-Europaabgeordneten Jens Geier (S&D) sieht in der Covid-19-Krise auch Potenzial für Veränderungen: „Der starke Vorschlag der Bundesregierung für einen Wiederaufbaufonds ist auch eine Chance, Europa fairer, sozialer und nachhaltiger zu gestalten. Der Wiederaufbaufonds sollte im Sinne des europäischen Green Deal nachhaltige Investitionen in erneuerbare Energien und die Digitalisierung fördern. Dass hilfsbedürftigen Regionen auch Zuschüsse statt allein Kredite für den Wiederaufbau gezahlt werden sollen, ist ein großer Fortschritt für ein starkes Europa.“

Europa brauche jetzt den „Mut, sich neu aufzustellen“, sagt Parlamentsvizepräsidentin und FDP-Delegationsleiterin Nicola Beer (Renew Europe): „Deutschland wird unter anderem daran gemessen werden, ob es zügig gelingt, den Wirtschaftsaufschwung zu zünden und dabei auf Innovation und den Mittelstand zu setzen.“ Beim Brexit gelte es, „nicht in ein No-Deal Szenario zu schlittern“. Die EU solle auch „endlich ihrem geopolitischen Anspruch gerecht werden, extern mit einer starken gemeinsamen Stimme für Frieden, Abrüstung, Menschenrechte und Handel, intern durch das Lösen der Blockade in der Asyl- und Migrationspolitik“.

Für den Sprecher der deutschen Grünen im EU-Parlament, Sven Giegold (Grüne/EFA), bleibt der Klimaschutz eine Priorität: „Die Klimakrise macht keine Corona-Pause. Die deutsche Ratspräsidentschaft muss daher zu einer Klimapräsidentschaft in Corona-Zeiten werden. Während der deutschen Ratspräsidentschaft brauchen wir den Abschluss der Verhandlungen für ein EU-Klimagesetz mit verschärften Treibhausgasminderungszielen.“

Deutsche Interessen sollten nicht hintenangestellt werden, sagt der Delegationsleiter der AfD, Jörg Meuthen (ID). „Schon heute ist es die ‚Schulden-Präsidentschaft‘.“ Deutschland solle „die EU auf ihre Kernaufgaben und den Haushalt auf das notwendigste reduzieren, die EU-Besteuerungskompetenz verhindern und stattdessen als Zeichen echter Solidarität auch das Pro-Kopf-Vermögen der Mitgliedstaaten für die Berechnung der finanziellen Umverteilung einbeziehen“, so Meuthen.

Der deutsche EU-Abgeordnete Helmut Geuking (EKR) von der Familienpartei hofft, dass die deutsche Ratspräsidentschaft „die Child Guarantee endlich mit Leben füllt und ein europäisches Kinderkostengeld auf den Weg bringt“. „Nur mit starken Familien kann ein starkes und soziales Europa entstehen, das sich auch in Zukunft in der globalisierten Welt behaupten kann.“

Die Ratspräsidentschaft könne „die Weichen hin zu einer solidarischen EU stellen“, sagt Martin Schirdewan, Ko-Vorsitzender der GUE/NGL-Fraktion. „Für die soziale und wirtschaftliche Wiederbelebung der Gesellschaft sollen alle Beteiligten ihren gerechten Anteil beitragen. Das bedeutet endlich die Einführung einer Digitalsteuer, einer umfassenden Finanztransaktionssteuer und einer einmaligen Vermögensabgabe für Superreiche.“

Das Möbiusband

Im Zentrum des Ratspräsidentschaftslogos steht das Möbiusband. Die 1858 von zwei deutschen Wissenschaftlern entdeckte geometrische Figur besitzt nur eine Kante und Seite. Es symbolisiert ein solidarisches und innovatives Europa, das durch den Austausch und das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Interessen Gemeinsames schafft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird im Rahmen der kommenden Plenartagung am 8. Juli das Programm im Europäischen Parlament in Brüssel vorstellen und sich mit den Abgeordneten austauschen. Die Debatte wird auf unserer Website live übertragen.

Anfang Juli werden deutsche Bundesminister das Präsidentschaftsprogramm mit Parlamentsausschüssen debattieren.

Deutschland wird im Rahmen des Trio-Programms auch eng mit Portugal und Slowenien zusammenarbeiten, die ab 1.1. 2021 bzw. 1.7.2021 den Vorsitz im Rat übernehmen werden. Deutschland hat 2020 die Ratspräsidentschaft bereits zum 13. Mal inne, zuletzt war dies 2007 der Fall.

Quelle: EU-Parlament; Grafik: Pixabay/Dan Johnston

NEE zum Masterplan Schienenverkehr: Etwas fehlt

Der „Masterplan Schienenverkehr“ ist nach Auffassung der Wettbewerbsbahnen im Schienengüterverkehr das Navi, um die Schiene nach Überwindung der Corona-Krise zu neuer Präsenz im Verkehrsmarkt zu führen. Ludolf Kerkeling, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen, sagte bei der Vorstellung in Berlin: „Wir freuen uns besonders, dass sich der Verkehrsminister und die gesamte Branche das Ziel zu eigen gemacht haben, den Marktanteil der Schiene im Güterverkehr von derzeit 19 auf 25 Prozent bis 2030 zu steigern – und ihr gesamtes Handeln daran auszurichten.“ Der Masterplan mit seinen 96 Handlungsfeldern dürfe allerdings nicht nur Papier bleiben. Man erwarte noch in dieser Legislaturperiode die Umsetzung der wichtigsten Maßnahmen wie ein Ende des seit Jahren stagnierenden Infrastrukturausbaus, die faire Anlastung von Klimaabgaben zwischen den Verkehrsmitteln, eine Trassenpreisreform sowie eine Logistikstrategie mit der Schiene als Rückgrat.

Die wachstumsorientierten Wettbewerbsbahnen werden nach den Worten Kerkelings die Chancen aus dem Plan ergreifen, den Druck zu zügiger Umsetzung hochhalten und die ausgesparten Themenfelder in der politischen Diskussion weitertreiben. Es sei auch einer beachtlichen Gruppe von Teilnehmern des „Zukunftsbündnis Schiene“ leider nicht gelungen, das vorzeitige Ende der Diskussion über eine faire Finanzierungslogik zwischen Straße und Schiene sowie die künftige Ausrichtung des DB-Konzerns zu verhindern. Ludolf Kerkeling: „Diese heiße Eisen wird auch noch anfassen müssen, wer wirklich eine klimafreundliche Verkehrs- und Eisenbahnpolitik will.“ Bündig könne man den Masterplan derzeit auf die Formel bringen, dass acht der Zehn Gebote für eine erfolgreiche Schiene aus dem Dokument abgeleitet werden können – und zwei Gebote noch fehlen.“

  1. Gebot: All Dein Handeln soll auf Verkehrswachstum, Verkehrsverlagerung und Qualität ausgerichtet sein!
  2. Gebot: Du sollst die Eisenbahn im Takt betreiben!
  3. Gebot: Bau das Netz endlich schneller aus, setz es unter Strom, mach es flexibler und zuverlässig!
  4. Gebot: Konzentrier Dich darauf, Technik und Prozesse der Eisenbahn zügig zu modernisieren!
  5. Gebot: Schaffe ein Umfeld, in dem die Arbeit bei den Eisenbahnen Spaß macht und zukunftssicher ist!
  6. Gebot: Denk daran, die Eisenbahn leiser und noch energiesparender zu machen!
  7. Gebot: Klimaabgaben sollen vor allem die zahlen, die das Klima belasten und nicht die Eisenbahn!
  8. Gebot: Deine Rede für mehr Schienenverkehr soll in Brüssel nicht anders sein als zu Hause!

Der Verkehrsminister hat leider zwei Gebote vergessen:

  1. Gebot: Gestalte faire Wettbewerbsbedingungen, sodass die Eisenbahn ihren Marktanteil steigern kann!
  2. Gebot: Du sollst keine Bundesbahn allein, sondern viele andere gesunde Eisenbahnen neben ihr haben!

Quelle: NEE; Foto: Pixabay/S. Hermann & F. Richter

Thema der Woche: Impulse für die Schiene setzen

Deutschland wird zum 1. Juli 2020 den Vorsitz im Rat der Europäischen Union (EU) übernehmen. Damit leitet Deutschland von Juli bis Dezember 2020 die Sitzungen des EU-Rates und ist dafür verantwortlich, dass EU-Rechtsvorschriften vorangebracht werden. Die Kernaufgabe der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wird es sein, die Mobilität in Europa moderner, innovativer und nachhaltiger zu gestalten – und aus den Erfahrungen mit dem COVID-19-Virus zu lernen. Dabei muss sie auch Impulse für die Schiene der Zukunft setzen.

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Postbank kooperiert mit nextbike

Die Postbank hat eine umfangreiche Kooperation mit dem Bike-Sharing-Anbieter nextbike vereinbart. Von Anfang Juli bis Ende September tragen insgesamt 1.730 nextbike-Fahrräder in 19 deutschen Städten nicht nur das Postbank Logo, Kunden und Mitarbeiter der Postbank können alle nextbike-Räder deutschlandweit kostenlos nutzen.

Die Aktion erstreckt sich auf ganz Deutschland, die Postbank-Fahrräder sind in Bonn, Bottrop, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Essen, Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau, Gießen, Heidelberg, Herne, Kaiserslautern, Kassel, Köln, Ludwigshafen, Mannheim, Oberhausen und Potsdam zu finden. Innerhalb des Aktionszeitraums können Personen mit einem Postbank Girokonto die Fahrräder einen Monat lang für 30 Minuten pro Fahrt gratis nutzen. Als erster Partner aus der Bankenbranche reagiert die Postbank mit dieser Kooperation auf aktuelle Debatten zu nachhaltiger Mobilität und setzt auf die Unterstützung von umweltbewusster Fortbewegung. Mitmachen können alle Kunden der Postbank, sofern sie ein Postbank Girokonto haben und dieses nach Beginn des Aktionszeitraums zum Bezahlen hinterlegen.

Nachhaltigkeit ist bei der Postbank ein fester Bestandteil der Geschäftsstrategie und wird auch von den Mitarbeitern aktiv unterstützt. Regelmäßig nimmt die Postbank an Aktionen zur Förderung des Radverkehrs teil. Ihren Mitarbeitern bietet sie an zahlreichen Standorten eine fahrradfreundliche Infrastruktur, etwa Duschen und gesicherte, überdachte Stellplätze.

Quelle/Foto: Postbank