PriMa Express 5/2021 erschienen

Themen sind u.a.:

  • Personennahverkehr: Alstom soll 34 Triebzüge für LNVG-Fahrzeugpool liefern
  • Regulierung: Länder wollen Rahmenverträge forcieren
  • Verkehrspolitik: Über DB-Kapitalspritze wird offiziell verhandelt
  • Corona-Krise: Beitrag des ÖPNV zum Infektionsgeschehen gering
  • Digitalisierung: Länder fordern EU-Geld für ETCS-Bordgeräte

Wir wünschen angenehme Lektüre und ein schönes Wochenende!

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mofair: DB drohen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe

Der Bundesgerichtshof (Az. XII ZR 29/20) hat in seinem aktuellen Urteil klargestellt, dass DB Netz AG Trassen für Nutzer des Schienennetzes nicht einfach irgendwann, sondern pünktlich zur Verfügung stellen muss. Gelingt dies dem Infrastrukturbetreiber nicht, haftet er für Folgeschäden der Verkehrsunternehmen. Das betrifft z. B. Pönalen für Verspätungen aus Verkehrsverträgen im Schienenpersonenverkehr (SPNV).

Für den Verband der Wettbewerbsbahnen mofair ist damit klar: Um Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe abzuwenden, muss die DB Netz AG ihre Prozesse viel stärker auf Qualität ausrichten. Nutznießer werden die Fahrgäste im Personenverkehr und die Verlader im Güterverkehr sein.

Jost Knebel, mofair-Vizepräsident und Chef von Netinera Deutschland, Gesellschafter der klagenden Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG): „Das ist eine gute Entscheidung für den Schienenverkehr in Deutschland. Wir Verkehrsunternehmen tun alles, um unsere Fahrgäste pünktlich ans Ziel zu bringen. Nun ist klar, dass DB Netz AG dazu verpflichtet ist, angemessene Voraussetzungen dafür zu schaffen.“

Christian Schreyer, mofair-Präsident, ergänzt: „Die DB Netz AG muss nun ihre Strategie anpassen und Qualitätsmängel konsequenter angehen. Von der Politik erwarten wir hier weitere Unterstützung, darunter eine weitere Klarstellung im Eisenbahnregulierungsgesetz.“

Für die SPNV-Unternehmen sind Strafzahlungen wegen Unpünktlichkeit eine massive finanzielle Belastung. Ein erheblicher Teil, im Einzelfall bis zu 80 %, entsteht aus mangelhafter Infrastruktur wie etwa defekten Weichen und Bahnübergängen, Langsamfahrstellen, aus schlecht gemanagten Baustellen und den sich daraus ergebenden Sekundäreffekten.

Die DB Netz AG vertrat bisher den Standpunkt, dass sie Trassen zwar zur Verfügung stellen muss, aber nicht notwendigerweise pünktlich. „Eine im Wirtschaftsleben einzigartige Haltung“, kommentiert Schreyer. Schließlich toleriere sie es ihrerseits nicht, wenn sich die Verkehrsunternehmen nicht an den Fahrplan hielten. Außerdem hatte DB Netz AG argumentiert, die entsprechenden Klauseln in den Verkehrsverträgen zwischen Aufgabenträgern und EVU seien rechtswidrig, und die EVU hätten die Verträge gar nicht eingehen dürfen.

Die DB Netz AG versuchte in den vergangenen Jahren immer wieder, ihre Verantwortung für eine gute Qualität des Netzes durch Änderungen in den Schienennetz-Benutzungsbedingungen (SNB, künftig NBN) noch weiter auf grobe Fahrlässigkeit zu reduzieren. Allerdings hatte das die Bundesnetzagentur nicht akzeptiert. Durch die Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird DB Netz AG die NBN künftig deutlich nutzerfreundlicher ausgestalten müssen. Indirekt betroffen sind durch das Urteilviele andere laufende Gerichtsverfahren von Personen- und Güterverkehrsunternehmen gegen die DB Netz AG. Über die konkreten Haftungssummen müssen jetzt die unteren Gerichte entscheiden.

mofair fordert seit Langem entsprechende Rechtsänderungen im Eisenbahnregulierungsgesetz. „Leider hat das Bundesverkehrsministerium diese Forderungen bisher nicht aufgenommen“, beklagt Christian Schreyer, „Das Urteil des BGH ist ein guter Anlass, dieses nun im laufenden parlamentarischen Verfahren nachzuholen. Sollte die DB Netz nun versuchen, Schadensersatzzahlungen als Aufwand in die künftige Entgeltregulierung einzurechnen, muss das wirksam unterbunden werden.

Quelle: mofair; Foto: Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben

SCI-Zugang für Start-Ups

Im immer stärker werdenden globalen Bewusstsein für die zwingende Notwendigkeit von nachhaltiger und klimafreundlicher Mobilität, spielt der Schienenverkehr eine zentrale Rolle.


Welche Geschäftsfelder lassen sich dabei von Start-Ups erschließen?
Welche Chancen und Potentiale bieten sich?

Kostenlose Expertise zum Thema bietet aktuell der Branchenspezialist SCI Verkehr für Newcomer mit einem Zugang zur SCI RAILDATA, einer Market Intelligence Plattform, die Branchennews aus dem Schienenverkehr sowie relevante Ausschreibungen in sich vereint.

SCI Verkehr unterstützt mit dieser Kampagne Start-Ups, die erfolgreich in die Schienenverkehrswelt einsteigen wollen. Start-Ups, die jünger als 5 Jahre sind und nicht mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen, können sich hier kostenlos registrieren und erhalten einen Zugang, der auf maximal 12 Monate befristet ist.

Quelle: SCI Verkehr GmbH; Foto: Unsplah.com/Mario Gogh

Deutscher Mobilitätspreis 2021 startet

Der Deutsche Mobilitätspreis geht in die neue Runde. Unter dem Motto „intelligent unterwegs: Daten machen mobil“ suchen die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ab sofort innovative Leuchtturmprojekte und kreative Ideen, die das Potenzial von Daten, Datentausch und Datenveredelung für die Mobilität von morgen nutzen.

Dabei stehen Güter- und Personenverkehr gleichermaßen im Fokus. Wie können geteilte Daten helfen, bedarfsgerechtere Mobilitätsangebote zu schaffen? Wie können wir Daten aus verschiedenen Quellen bündeln, um Lieferketten zu optimieren und die Kapazitäten noch effizienter zu nutzen? Wie können bessere Wettervorhersagen mit KI-Anwendungen zu passgenaueren Verkehrsangeboten beitragen? Welche Änderungen der Verkehrsströme werden aufgrund von Homeoffice dauerhaft bleiben und wie können wir diesen gerecht werden? Bis zum 29. März 2021 können sich Zukunftsmacher hier bewerben.

Bundesminister Andreas Scheuer: „Daten sind der Schlüssel zu einer modernen Mobilität. Intelligent genutzt und verknüpft bieten sie eine Riesenchance: Wir können künftig deutlich effizienter, klimafreundlicher und zugleich komfortabler unterwegs sein. Digitale Kommunikation und Prozesse werden ebenfalls zu einer neuen Form der Mobilität. Mithilfe von Daten entwickeln wir den Personenverkehr weiter – genauso wie die Gütertransporte. Wir können zum Beispiel Leihfahrrad, Straßenbahn und Carsharing perfekt aufeinander abstimmen. Wir können Lieferverkehre optimieren, freie Kapazitäten zusammenlegen, Leerfahrten vermeiden. Und natürlich macht die Digitalisierung vieles möglich, was bis vor kurzem noch undenkbar war. Deshalb suchen wir Euch, Eure Kreativität, Eure Phantasie, Euern Erfindergeist, Eure Tatkraft, Eure Geschicklichkeit – kurz: Eure Ideen und Konzepte. Reicht sie ein beim Deutschen Mobilitätspreis, damit wir gemeinsam Zukunft gestalten – und Mobilität, die begeistert!“

Gesucht werden sowohl Ideen von Profis als auch Ideen von weniger erfahrenen Zukunftmachern. Auf die Idee kommt es an! Für bereits erfolgreich umgesetzte Leuchtturmprojekte und erstellte Prototypen gibt es den Best-Practice-Wettbewerb. Teilnehmen können hierbei Unternehmen, Startups, Städte und Gemeinden, Universitäten oder Forschungsinstitutionen, die ihren Sitz in Deutschland haben.

Der Ideenwettbewerb wendet sich direkt an alle Bürger. Gesucht wer-den kreative Impulse und Visionen zum Wettbewerbsthema. Alle Ideen und Konzepte können eingereicht werden, die zeigen, wie durch den intelligenten Einsatz von Daten Mobilität noch effizienter, ökologischer oder bedarfsgerechter gestaltet werden kann. Die besten drei Ideen werden mit einem Gesamtpreis von insgesamt 6.000 Euro honoriert.

Eine Expertenjury wählt die zehn innovativsten Best-Practice-Leuchtturmprojekte und die drei kreativsten Ideen aus der Bevölkerung aus. Außerdem wird in diesem Jahr zum zweiten Mal ein Sonderpreis in der Kategorie „bürgerschaftliches Engagement im Mobilitätsbereich“ vergeben.

Prof. Dr. Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V. (BDI) und Präsident des Deutschland – Land der Ideen e. V.: „Die Digitalisierung der Mobilität nimmt rasant an Fahrt auf. Das wird besonders während der Corona-Pandemie deutlich. Die intelligente Nutzung von Daten bildet die Grundlage, um diesen Wandel gestaltend voranzutreiben und somit den Standort Deutschland auch weiterhin international wettbewerbsfähig zu halten. Der Deutsche Mobilitätspreis leistet dafür einen wichtigen Beitrag.“

Mit dem Deutschen Mobilitätspreis machen die Initiative „Deutsch-land – Land der Ideen“ und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur intelligente Mobilitätslösungen und digitale In-novationen öffentlich sichtbar. Folgende Partner unterstützen den Wettbewerb: Deutsche Bahn, VDV, Siemens Mobility.

Quelle/Foto: BMVI

Thema der Woche: Die neue Generation Nightjets

ÖBB und Siemens Mobility präsentieren Außendesign des Nightjets der neuen Generation. Die neuen Nightjet-Garnituren sind ab 2022 im Einsatz, mit ihnen setzen die ÖBB auf mehr Komfort und Privatsphäre für ihre Fahrgäste.

Lesen Sie hier mehr dazu.

Erste Schnellladestation für Batteriezüge getestet

Eine Gemeinschaftsentwicklung der Stadtwerke Tübingen (swt) mit dem Schweizer Unternehmen Furrer+Frey schließt im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) eine echte Lücke. Die weltweit erste Schnellladestation für Batteriezüge soll die Weichen für mehr E-Züge dieser Art stellen. Voltap könnte damit einen wichtigen Beitrag für die Dekarbonisierung im Eisenbahnverkehr leisten.

Im SPNV kommen aktuell weit verbreitet noch Dieseltriebwagen zum Einsatz, die auch auf Streckenabschnitten mit bestehender Oberleitung mit Diesel fahren – obwohl ein Großteil der Gleise mit Oberleitungen elektrifiziert sind. Das Problem sind Teilstrecken oder Stichstrecken ohne Oberleitung. In Deutschland sind rund 40 Prozent des Schienennetzes nicht elektrifiziert. Um diese Lücken zu überwinden, setzen Eisenbahnunternehmen nach wie vor auf Dieselzüge. Auf solchen Strecken bieten sich jedoch Batteriezüge (BEMU – Battery Electric Multiple Unit) als eine Lösung an – inklusive alternativem und klimaschonendem Antriebskonzept ohne Dieseleinsatz. BEMUs fahren auf Strecken mit Oberleitung rein elektrisch. Batterien ermöglichen eine Reichweitenverlängerung in der Größenordnung von 60 bis 80 Kilometern auf nicht elektrifizierten Abschnitten.

Doch auch diese Antriebsmaschinen haben ein Grundproblem: Ist die Batterie leer, endet die Fahrt, wenn nicht rechtzeitig ein elektrifizierter Abschnitt erreicht wurde. Das restliche Schienennetz nur mit Oberleitungen zu elektrifizieren, steht insbesondere im ländlichen Raum in einem ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Denn Oberleitungsbau ist nicht nur mit hohen Investitionskosten verbunden, sondern verschlingt auch vor allem durch Planfeststellungsverfahren lange Zeiträume von bis zu zehn Jahren.

Eine technische Lösung für dieses Dilemma liefert die neu entwickelte Schnellladestation namens Voltap. Sie ermöglicht es Batteriezügen, betrieblich notwendige Stand- und Haltezeiten zum Auf-laden zu nutzen, was Einsatzmöglichkeiten und Reichweiten erheblich vergrößert. Die Innovation aus Tübingen und Bern kann der Batteriezugtechnik als Element einer funktionalen und zuverlässigen Lade-Infrastruktur im Schienenverkehr auf die richtige Spur verhelfen. Eisenbahnunternehmen öffnen sich neue Horizonte. Die Investitionskosten liegen mit Voltap – beispielsweise im Vergleich zu herkömmlichen Umrichterwerken – um den Faktor fünf niedriger.

„Beim Umstieg der Eisenbahnbranche auf rein elektrische Antriebe offenbaren sich Zielkonflikte: Ohne elektrifizierte Infrastruktur bleiben Batteriezüge in der Nische – und erst wenn es die passende Infrastruktur gibt, wird es mehr reine E-Züge geben“, sagt Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen. „Die swt sind als Bahnstrom-Pionier der ersten Stunde sehr erfolgreich beim Bahnstromvertrieb für private Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland und haben ein umfangreiches Knowhow im technischen Strombereich. Mit unserem Anspruch, ein Wegbereiter der Energiewende zu sein, haben wir mit unserem Partner Furrer+Frey bei der Eigenentwicklung Voltap eine intelligente und für Bahnunternehmen finanziell attraktive Lösung. Unsere neue Schnellladestation soll damit der Dekarbonisierung im Eisenbahnverkehr einen Schub geben.“

Technisch anspruchsvolles Projekt
Zwei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in Voltap. Als Innovation stellt die Schnellladestation besondere elektrotechnische Ansprüche. Die Stadtwerke Tübingen bündeln hierfür ihre Kompetenzen mit der Expertise des Schweizer Unternehmens Furrer+Frey AG, einem Spezialisten für den Oberleitungsbau und mehrjähriger Erfahrung im Bereich Ladeinfrastruktur für E-Busse. Die um-fangreichen Testreihen in Tübingen verliefen erfolgreich und haben bewiesen: Voltap funktioniert. Um von vornherein die Voraussetzungen für eine spätere Zulassung zu schaffen, ließen die Projektpartner die Testreihen durch den TÜV Süd begleiten.

Es galt, besondere Anforderungen zu lösen. Während das allgemeine Stromnetz mit einer Frequenz von 50 Hertz arbeitet, kommt beim Bahnstrom bislang die Frequenz 16,7 Hertz zum Einsatz. Das Gleichrichten der Wechselspannung zur Aufladung der Batterien übernimmt dann die Leistungselektronik des Zuges. Allerdings, so der Ansatzpunkt von Voltap, kommen moderne Batteriezüge dank ihrer Grundauslegung auch mit 50 Hertz Frequenz zurecht. Eine Umwandlung der Frequenz für den Zug scheint nicht mehr notwendig zu sein – und damit direktes Laden möglich.

Das schnelle Aufladen leistungsstarker Batterien, wie sie in Batteriezügen zum Einsatz kommen, stellt dennoch hohe Ansprüche an das vorgelagerte Stromnetz und die elektronischen Komponenten im Umfeld des Zuges. Während des Ladeprozesses ist das Netz hohen Belastungen ausgesetzt, die ausgeglichen werden müssen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der sogenannten Unsymmetrie, die ein elektrisches Bahnfahrzeug in Form einer einphasigen Last erzeugt und die für ein Stromnetz problematisch sein kann. Unter dieser Konstellation Mittelspannungsnetz-Ladestation-Batteriezug eine Netzverträglichkeit herzustellen, ist der entwicklungstechnische Knoten, den die Entwickler mit Voltap gelöst haben: Batteriezüge lassen sich mit der neuen Technologie mit Leistungen von bis zu 1,2 MW je Zugeinheit netzverträglich aufladen.

Bald Premiere an der Schiene geplant
Als nächsten Schritt planen die Stadtwerke Tübingen und Furrer+Frey, Voltap an die Schiene zu bringen, um mit entsprechenden BEMU-Prototypen die Praxistauglichkeit nachzuweisen – ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Serienreife. In der Eisenbahnbranche selbst, so hoffen die Entwickler, könnte mit der Marktverfügbarkeit dieses neuen Elements in der E-Infrastruktur auch ins-gesamt die Attraktivität für Batteriezüge steigen – eine wichtige Grundlage für die Mobilitätswende im privaten Bahnverkehr in Deutschland und Europa.

Quelle/Visualisierung: Stadtwerke Tübingen / Furrer+Frey

Scheuer führt Offensive für attraktivere Bahnhöfe fort

Bundesverkehrsminister Scheuer führt seine Offensive für attraktivere Bahnhöfe fort:

Scheuer: „Saubere, barrierefreie Bahnhöfe, in denen sich die Fahrgäste sicher und wohl fühlen – das ist unser Ziel mit dem BahnhofskonzeptPlus. Wir geben der Konjunktur einen Investitionsschub, setzen das 1.000-Bahnhöfe-Programm des Koalitionsvertrags um und gehen sogar noch weit darüber hinaus. Jede Zugfahrt beginnt und endet am Bahnhof. Durch barrierefreien Umbau und Modernisieren erleichtern wir den Zugang zum Zug, verbessern die Informationen und machen die Stationen insgesamt attraktiver.“

Alle Maßnahmen zusammen ergeben eine Investition von mehr als 5 Milliarden Euro in mehr als 3.000 Bahnhöfe. Umgesetzt werden die Maßnahmen von der Deutschen Bahn AG. Das BahnhofskonzeptPlus besteht aus mehreren Investitionsschwerpunkten – je nach Größe des Bahnhofs bzw. Art oder Umfang der Modernisierung:

1. Das BMVI finanziert mit 330 Millionen Euro den barrierefreien Umbau 111 kleinerer Bahnhöfe in Deutschland (bis zu 1.000 Fahrgäste am Tag). Sie bekommen u.a. Rampen oder Aufzüge, bessere Wegeführungen, Markierungen und Informationen für die Reisenden.

2. Für den barrierefreien Umbau von rund 50 mittelgroßen Bahnhöfen investiert das BMVI 140 Millionen Euro bis 2026. Diese Maßnahmen erfolgen in Kooperation mit den Ländern. Sie ergänzen Landesmittel in gleicher Höhe. Dazu gehören u.a. barrierefreie Bahnsteigzugänge, Markierungen, Beschilderungen oder höhere Bahnsteige.

3. In die Modernisierung von 40 kleinen und mittleren Empfangsgebäuden (bis zu 50.000 Reisende / Tag) investiert das BMVI 142 Millionen Euro, um den Aufenthalt für die Kunden zu verbessern. Hinzu kommen Eigenmittel der DB AG in Höhe von 50 Millionen Euro. Die Stationen erhalten u.a. neugestaltete Wartebereiche, energetisch erneuerte Dächer und Fassaden inkl. Brandschutz oder weitreichende Barrierefreiheit.

4. Sofortprogramm für rund 1.000 attraktive Bahnhöfe zur Unterstützung mittlerer regionaler Handwerksbetriebe. Das BMVI hat das Programm 2020 mit 40 Millionen Euro gestartet. Viele Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. 2021 kommen weitere 120 Millionen hinzu. Allein mit diesen Mitteln können an 1.000 Stationen kleinere Maßnahmen durchgeführt werden. Die Standorte werden derzeit bedarfsgerecht festgelegt. Vorteil: Keine langen Planungsvorläufe – Maler, Gerüstbauer, Elektroinstallateure und weitere heimische Handwerksbetriebe können sofort loslegen. Die Arbeiten sind für alle schnell sichtbar: weniger Graffitis, Schäden werden repariert, komfortablere Wartebereiche, neugestaltete Wände, Böden, Treppen, bessere Informationssysteme oder neue Beleuchtungsanlagen.

5. Hinzu kommen zahlreiche Ersatz- und Instandhaltungsmaßnahmen der DB AG im Rahmen der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung III zwischen Bund und DB AG, auch mit dem Ziel, die Barrierefreiheit zu verbessern.

Quelle/Screenshot: BMVI

Trauer um Heinz Hermann Thiele

Heinz Hermann Thiele war eine der führenden Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. Durch seine unternehmerische Vision baute er in mehr als 35 Jahren den Knorr-Bremse Konzern von einem mittelständischen Unternehmen in wirtschaftlich schwieriger Situation zu einem profitablen, weltweit erfolgreichen Konzern mit fast 30.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 7 Mrd. EUR auf. Bis heute vertrauen Tag für Tag weltweit mehr als eine Milliarde Menschen auf die wegweisenden Technologien für mehr Sicherheit auf Schiene und Straße. Seinen unternehmerischen und persönlichen Erfolg verband er dabei immer auch mit gesellschaftlicher Verantwortung. Als Förderer gründete Thiele nicht nur im Jahr 2005 den gemeinnützigen Verein Knorr-Bremse Global Care e. V., sondern unterstützte auch zahlreiche weitere soziale und wissenschaftliche Projekte auf der ganzen Welt. In München förderte Thiele unter anderem die Bayerische Staatsoper, das Lenbachhaus, das Deutsche Museum und die TU München. Er wurde neben vielen anderen Ehrungen mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse, dem Bayerischen Verdienstorden sowie im Jahr 2015 mit dem Deutsch-Brasilianischen Persönlichkeitspreis ausgezeichnet.

Als weitsichtiger Unternehmer hatte Heinz Hermann Thiele die Führung des Unternehmens bereits vor knapp 15 Jahren in die Hände externer Manager gelegt. Ein weiterer Schritt zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit war der Börsengang im Jahr 2018, als er das Unternehmen dem Kapitalmarkt und weiteren Investoren öffnete. Heute liegt die Entwicklung der Firma in den Händen eines sehr erfahrenen Management Teams, welches den erfolgreichen Wachstumskurs der Knorr-Bremse AG gemeinsam mit Aufsichtsrat und allen Mitarbeitern im Sinne von Heinz Hermann Thiele weiterführen wird.

Disziplin, Fairness, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein bezeichnete der Vollblutunternehmer Thiele als seine wichtigsten Prinzipien. Auf dieser Grundlage und mit hohem persönlichem Einsatz entwickelte er den mittelständischen Münchener Zulieferbetrieb zu einem Technologiekonzern und Weltmarktführer. Dabei setzte der Pionier Thiele früh auf eine Internationalisierungsstrategie. Bereits in den 70er Jahren knüpfte er strategisch wichtige Kontakte nach Nordamerika und Japan, aber auch in die damals noch aufstrebenden Märkte Indien, Südamerika, Russland und insbesondere China, in denen das Unternehmen bis heute stark positioniert ist. Sukzessive baute er das weltweite Produktions- und Vertriebsnetzwerk des Konzerns mit umfassender regionaler Wertschöpfung und persönlicher Kundennähe auf. Heute ist Knorr-Bremse ein globaler Konzern mit mehr als 100 Standorten in über 30 Ländern.

Nachdem er das Unternehmen mehr als zwei Jahrzehnte als Vorstandsvorsitzender geführt hatte, gab Herr Thiele die operative Führung ab und wechselte im Jahr 2007 als Vorsitzender in den Aufsichtsrat. In diesem Gremium brachte er sein Wissen stets zum Wohle des Unternehmens ein. Gleichzeitig widmete er sich vermehrt auch seinen vielfältigen weiteren unternehmerischen und persönlichen Interessen.

Heinz Hermann Thiele wurde am 2. April 1941 in Mainz geboren. Nach kriegsbedingter Flucht aus Ostdeutschland wuchs er in Vlotho (Weser) und Minden (Westfalen) auf, wo er 1961 sein Abitur machte. Sein Vater, der 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, nahm 1951 seine Tätigkeit als Rechtsanwalt und Notar wieder auf, verstarb aber bereits 1963 im Alter von 61 Jahren. Heinz Hermann Thiele wuchs nach dem Verlust des Familienbesitzes im zerstörten Berlin in bescheidenen Verhältnissen auf. Trotzdem konnte Thiele im Wintersemester 1962/1963 ein Jurastudium an der Universität München aufnehmen. „In der Rückschau betrachtet habe ich die äußerst beschränkten finanziellen Verhältnisse und die mir sehr fehlende Vaterfigur genutzt, um aus eigener Kraft etwas zu schaffen“, sagte Thiele später.

Im Jahr 1969 startete er seine berufliche Laufbahn bei der Knorr-Bremse als juristischer Sachbearbeiter in der Patentabteilung. Ab 1975 wurde Thiele mit dem Aufbau und der Expansion des Nutzfahrzeugbereichs betraut, 1979 in den Vorstand des Unternehmens berufen, dem er 28 Jahre lang angehörte. 1987 wurde er Vorstandsvorsitzender der Unternehmensgruppe, deren Gesellschaftsanteile er ab 1985 sukzessive erwarb. Von 2007 bis 2016 war Thiele Aufsichtsratsvorsitzender der Knorr-Bremse AG, ab Juli 2020 stellvertretender Vorsitzender. Bereits im Jahr 2016 wurde Heinz Hermann Thiele zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats ernannt.

Heinz Hermann Thiele hat sein ganzes Leben in den Dienst der Knorr-Bremse und vielfältiger weiterer unternehmerischer Tätigkeiten gestellt. Er hinterlässt ein einzigartiges und außergewöhnliches Lebenswerk.

Das gesamte Unternehmen trauert mit der Familie.

Quelle/Foto: Knorr-Bremse AG

10. International Railway Summit gestartet

Zu Beginn des neuen Jahres bringt Covid-19 weiterhin Umbrüche mit sich. Alle haben sich bemüht, sich an neue Verhaltensweisen anzupassen, aber für die Schiene war die wachsende Distanz zwischen den Menschen besonders schädlich. Denn Schienen werden gelegt, um Menschen zusammenzubringen und den Handel zu erleichtern.

Noch vor einem Jahr war es die Schiene, die für Umbruch stand: Hochgeschwindigkeitsverbindungen und neue Nachtzüge beförderten Mensch und Fracht, holten sie von der Straße und aus dem Himmel. Alternative Antriebstechniken und Automatisierung haben gleichzeitig Emissionen reduziert und Effizienz gesteigert.

Noch am 4. März sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen: „Wir handeln heute, um die EU bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen.“ Das Jahr 2021 zum Europäischen Jahr der Schiene auszurufen war ein großer Schritt zur Anerkennung der entscheidenden Rolle, die das umweltfreundlichste Transportmittel spielen muss.

Möglicherweise musste man auf dem Weg einige unvorhergesehene Zwischenstopps einlegen, aber das Ziel bleibt das gleiche: Die Reise zur Netto-Null-Mobilität muss fortgesetzt werden. Im Dezember sagte Pete Buttigieg, der neue Verkehrsminister der Vereinigten Staaten, dass neue Arbeitsplätze möglicherweise die Schiene für die zweite große Eisenbahnrevolution legen und den Gütertransport schneller, günstiger und sauberer machen können.

Branche zusammenbringen
Die Zusammenarbeit mit Kollegen und Gegenübern ist dringender denn je, gerade jetzt aber auch schwieriger. Nächsten Monat wird das 10. International Railway Summit (IRS10 Online) die Plattform für die Bahnbranche bieten, um wieder zusammenzukommen.

Führungskräfte und Experten für Mobilität werden vom 23. bis 26. Februar an IRS10 Online teilnehmen, um die gewonnenen Erkenntnisse, bewährten Verfahren und Zukunftsvisionen zu ­diskutieren. Der Gipfel wird live mit erstklassigen Rednern und Ortsbesichtigungen aus der ganzen Welt verbinden ­sowie die neuesten Innovationen in maßgeschneiderten Einzelgesprächen und Showrooms präsentieren. Die Teilnehmer sind nur einen Klick von neuen Partnerschaften entfernt.

Schiene neu denken
Führungskräfte, die die Zukunft des Verkehrs gestalten, werden am Konferenzprogramm des Gipfels teilnehmen. Bei der Beantwortung der dringendsten Fragen des Tages lautet das Thema von IRS10 Online „Reimagining rail: Innovation, um die Gesellschaft wieder auf (nachhaltige) Gleise zu bringen“. Elisabeth Werner, die Direktorin der Europäischen Kommission für Landverkehr, wird an einer Debatte über multimodales Ticketing teilnehmen. François Davenne, Generaldirektor der Internationalen Eisenbahnunion (UIC), und Karen Vancluysen, Generalsekretärin von POLIS, werden die Hürden auf dem Weg zur Netto-Null-Mobilität besprechen, während der Vorsitzende der Covid-19-Taskforce der UIC, Marc Guigon, vorstellen wird, wie wir Strategien zum Verlassen des langen Covid-Tunnels vorhersagen und vorbereiten können. Der Exekutivdirektor der ERA, Josef Doppelbauer, wird sich mit dem 4. Eisenbahnpaket befassen. Und Monika Heiming, Exekutivdirektorin der EIM, wird die Sicherung einer umweltfreundlichen Finanzierung diskutieren.

Screenshot: IRITS Event

Neue SCI-Studie zur Elektrifizierung

Unser Thema der Woche: Marktvolumina, Entwicklungen und die Chancen für Unternehmen: Die neue Marktstudie „Railway Electrification – Global Market Trends 2021“ liefert aktuelle Fakten und Einschätzungen rund um die Elektrifizierung der Schiene. Herausgeber ist – die auf Bahntechnik und Logistik spezialisierte internationale Fachberatung – SCI Verkehr GmbH.

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