Bahngeschäft leidet unter Corona-Krise

Die Furcht vor der Corona-Epidemie hat auch der Deutschen Bahn einen massiven Geschäftseinbruch beschert. Darauf wies der Vorstandsvorsitzende der Fernverkehrssparte, Michael Peterson, am Mittwoch vor dem Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages hin. Habe im Januar und Februar das Fahrgastaufkommen noch um jeweils zehn Prozent über den Zahlen der Vergleichsmonate des Vorjahres gelegen, so sei es in der ersten Märzwoche um 25 Prozent eingebrochen. Für die laufende Woche erwarte die Bahn einen weiteren Rückgang um 40 Prozent. Die Menschen seien offenbar weit vorsichtiger und zurückhaltender als sonst, wenn es um Reisen gehe: „Wir beobachten die Situation weiter sorgfältig.“

Bisher sei es noch nicht vorgekommen, dass ein ICE wegen einer Infektion eine Fahrt habe abbrechen müssen, hob Peterson hervor. Bei Verdachtsfällen sei gewährleistet, dass ein Testergebnis innerhalb von einer bis zwei Stunden vorliege. Auch im transeuropäischen Verkehr sei noch kein Zug an einer Grenze gestoppt worden. Die Bahn sei auf Notfälle eingestellt, auch darauf, Züge auf offener Strecke evakuieren zu müssen. Insgesamt sei das Unternehmen auf die Corona-Krise „sehr umfassend vorbereitet“, betonte Peterson. Für das Personal würden die üblichen Vorsorgemaßnahmen gelten, für Fahrgäste seien Merkblätter mit Verhaltensempfehlungen verfügbar.

Für die Zukunft seines Unternehmens nannte Peterson das Ziel, das Fahrgastaufkommen, gemessen am Stand von vor fünf Jahren, auf jährlich 260 Millionen zu verdoppeln. Es sei bereits zwischen 2015 und 2019 um 18 Prozent auf 150 Millionen gewachsen, und dies bei unveränderter Ausstattung mit Schienen-Infrastruktur, Wartungskapazitäten und rollendem Material. Die Bahn habe sich vorgenommen, nicht mehr wie in der Vergangenheit vorrangig die Metropolregionen zu bedienen, sondern die Präsenz in der Fläche erheblich zu verbessern.

So sollten in fünf Jahren wieder 80 Prozent der Bevölkerung direkt an den Fernverkehr angebunden sein, sieben Millionen Menschen mehr als heute. Peterson betonte auch, dass die Preisgestaltung seines Unternehmens entgegen anderslautenden Vermutungen durchaus kundenfreundlich sei. Im statistischen Durchschnitt lege ein Bahnkunde im Jahr 300 Kilometer mit dem Zug zurück, und dies für nur knapp 30 Euro.

Um die ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen, werde die Bahn in den nächsten fünf Jahren acht Milliarden Euro in den Ausbau des Schienennetzes investieren und eine weitere Milliarde in die Vergrößerung der Wartungskapazitäten. „Sehr weit unterwegs“, meinte Peterson, sei das Unternehmen auch, wenn es darum gehe, barrierefreie Angebote zu schaffen. In den neuen ICE-Zügen seien mehr Plätze als bisher für Rollstuhlfahrer verfügbar, und dieser Personengruppe werde der Einstieg durch Hebevorrichtungen erleichtert. Bei zukünftigen Fahrzeugausschreibungen sei ein wesentliches Kriterium, dass der bahnsteiggleiche, also ungehinderte Einstieg mit dem Rollstuhl grundsätzlich möglich sein müsse.

Quelle: Deutscher Bundestag; Foto: DB AG