Ära der Integrale bei der BOB beendet

Integral-Zug im Jahr 2016

Bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) endete am 26. Juli eine Ära: Die letzten der 17 Integral-Triebzüge vom österreichischen Hersteller Jenbacher wurden durch neue LINT-54-Triebzüge von Alstom ersetzt.

Die Integrale waren wegen ihrer Fähigkeit zum schnellen Kuppeln und Flügeln binnen einer Minute prädestiniert für das verzweigte Netz zwischen München einerseits und den Endpunkten Lenggries, Tegernsee und Bayerischzell andererseits. Sie litten beim Betriebsstart 1998 aber unter massiven Kinderkrankheiten, so dass DB Regio über Monate einspringen musste, um den Verkehr während der Nachbesserungsarbeiten sicherzustellen. Als Folge des Desasters verschwand auch der Fahrzeughersteller Jenbacher vom Markt. (roe)

Foto: Matthias Roeser

Bombardier in Schwierigkeiten

Bild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

Der kanadische Hersteller Bombardier hat offenbar Schwierigkeiten bei der Auslieferung und der Qualität neuer Züge. Die Deutsche Bahn will nun 25 neue Intercity-Züge wegen technischer Mängel nicht von Bombardier abnehmen und forderte den Hersteller auf, diese Mängel zu beheben.

Von den technischen Mängeln betroffen ist die aktuelle zweite Bauserie der neuen Doppelstockwagen. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert interne Bahndokumente, die unter anderem beschreiben, dass das Betriebssystem des Zuges regelmäßig zusammenbricht. Lokführer müssten eine Stunde vor Abfahrt am Zug sein, um das System zu starten.

Auch die Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH hat Probleme mit Zügen von Bombardier. Hier wartet man noch immer auf die Nachlieferung von 22 Talent 2-Fahrzeugen. Ausgeliefert wurden bislang lediglich 19 Triebzüge. Laut Liefervertrag sollten es bis Dezember 2019 jedoch bereits 41 Züge sein. Noch ausstehend ist auch die Zulassung der Züge in Dreifach- und Mischtraktion, die ursprünglich ebenfalls zum Jahreswechsel hätte vorliegen müssen. Bombardier sagte eine vollständige Nachlieferung und Zulassung der fehlenden Triebzüge bis Juni 2020 zu. Auch sollen bis dahin weitere sieben Züge für die dritte Inbetriebnahmestufe im Stuttgarter Netz/Neckartal an Abellio übergeben werden. Abellio hegt jedoch große Zweifel an der Einhaltung dieses Liefertermins – zu gering sind die aktuellen Produktionsfortschritte bei Bombardier.

„Ausgehend von der Produktionsdokumentation sowie den Eindrücken, die wir vom Fortgang der Fertigung bei Bombardier gewonnen haben, halten wir eine vollständige Nachlieferung der noch ausstehenden 22 Talent 2- Fahrzeuge bis zum Juni für unrealistisch“, sagt Rolf Schafferath, Vorsitzender der Geschäftsführung der Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH. „Um den Betrieb auf unseren gegenwärtigen und zukünftigen Linien unabhängig vom tatsächlichen Lieferumfang stabil zu halten, arbeiten wir bereits an einem weiteren Ersatzkonzept. Unterstützt werden wir dabei durch das Landesverkehrsministerium“, ergänzt Schafferath. Basis für die weitere Planung muss nach seinen Worten ein verbindlicher und realisierbarer Lieferplan sein, den Bombardier nun bis Ende Januar zugesagt hat.

Die bis dato gelieferten Fahrzeuge entsprechen laut Abellio nicht den bestellten Anforderungen – vor allem, was die Fahrzeugsoftware anbelangt – und weisen zudem einige technische Mängel auf, was vor allem im Herbst vergangenen Jahres eine Reihe betrieblicher Störungen verursachte. Als Grund für den Lieferverzug nennt der Fahrzeughersteller die Einbindung neuer europäischer Normen und Standards in die Fahrzeug-Software. Laut Bombardier ist es nicht gelungen, alle Softwareanforderungen für die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt im Rahmen des Zeitplans zu integrieren. Daraus resultierten schließlich Verzögerungen im Produktionsablauf.

Die Schwierigkeiten von Bombardier treiben nach Angaben der kanadischen Zeitung „La Tribune“ und des kanadischen Fernsehsenders „TVA Nouvelles“ die weitere Konsolidierung im Bahnsektor voran. Fast ein Jahr nach der gescheiterten Fusion zwischen Alstom und Siemens sucht der kanadische Hersteller einen Partner für die Zusammenlegung seiner Bahnbetriebe. Auf Anraten von Citigroup und UBS wandte sich Bombardier an Alstom, aber auch an das japanische Unternehmen Hitachi.

Die Wahl von Bombardier zwischen diesen potentiellen Partnern könnte von den Chancen abhängen, die Wettbewerbsbehörden zu überzeugen, und von den Zugeständnissen, die Bombardier möglicherweise machen muss, um grünes Licht zu erhalten. Der kanadische Hersteller, der in den kommenden Jahren Anleihen im Wert von neun Milliarden US-Dollar (8,2 Milliarden Euro) rückzahlen muss, muss schnell Mittel über sein Eisenbahngeschäft beschaffen, so eine von den beiden kanadischen Medien zitierte Quelle. Der geschätzte Wert der Bahnsparte von Bombardier wird danach auf „rund fünf Milliarden US-Dollar“ geschätzt. Die Höhe der Transaktion wird von der „Verschuldung“ abhängen, die Bombardier einbringt.

Quelle: Der Spiegel, Süddeutsche Zeitung, La Tribune, TVA Nouvelles

Niedersachsen modernisiert rollendes Material

Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) will kräftig in die technische und optische Modernisierung ihrer Zugflotte investieren. Mit Bombardier Transportation hat sie jetzt einen Vertrag zur Modernisierung von insgesamt 88 Doppelstockwagen, Elektro-und Diesellokomotiven unterzeichnet. Der Auftragswert erreicht rund 80 Millionen Euro. Die LNVG läutet damit eine weitreichende Modernisierung ihres 383 Schienenfahrzeuge umfassenden Pools ein. Bis 2026 sollen weitere 169 Doppelstockwagen von Grund auf modernisiert werden, teilte die 100-prozentige Landestochter  in Hannover mit. Dazu will sie 2019 einen europaweiten Ausschreibungswettbewerb starten. Welcher Dienstleister den Zuschlag erhält, entscheidet sich im Frühjahr 2021.

Handschlag in Hannover: Carmen Schwabl, Sprecherin der LNVG -Geschäftsführung, und Michael Fohrer, Deutschland-Chef von Bombardier, nach der Vertragsunterzeichnung in Hannover.
Foto: LNVG/Kolmer

Bahnhöfe werden fit gemacht

Der Ausbau der Infrastruktur für den RRX geht weiter. 16 Baumaßnahmen an 14 Bahnhöfen, die für den Vorlaufbetrieb mit RRX-Fahrzeugen auf Stationen in NRW notwendig sind, starten jetzt oder wurden zum Teil bereits begonnen. Verkehrsminister Hendrik Wüst hat am Dienstag Zuwendungsbescheide in Höhe von insgesamt rund 34 Millionen Euro überreicht. Zuvor waren die Bescheide von den drei Aufgabenträgern unterzeichnet worden. Zuwendungsempfängerin ist die DB Station & Service AG. Die Gesamtkosten der jetzt bewilligten Maßnahmen belaufen sich auf über 44 Millionen Euro.

Zuständige Bewilligungsbehörden für die Maßnahmen sind die Aufgabenträger Nahverkehr Rheinland (NVR), Nahverkehr Westfalen Lippe (NWL) und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Diese haben für einige der Maßnahmen bereits vorzeitige Baubeginne genehmigt. Die Zuwendungsbescheide betreffen die Stationen und Bahnhöfe Friedrichsfeld im Kreis Wesel, Oberhausen Sterkrade, Dortmund Mengede, Ahlen, Hamm-Heessen, Hamm, Herford, Löhne, Porta Westfalica, Aachen, Bonn, Erkelenz, Herzogenrath und Aachen Rothe Erde.

Neben der Hauptachse des Rhein-Ruhr-Express zwischen Dortmund und Köln sind die sogenannten RRX-Außenäste zur Anbindung an die Metropolregion Rhein-Ruhr von großer Bedeutung. Da die neuen RRXFahrzeuge bereits im Rahmen des Vorlaufbetriebs ab Dezember 2018 an den Start gehen, ist der Ausbau der vorhandenen Infrastruktur auch an den Außenästen für die neuen Fahrzeuge erforderlich. Diese Anpassung an den RRX-Standard außerhalb der Hauptachse wird durch die drei SPNV-Aufgabenträger, die DB Station & Service AG und durch das Land Nordrhein-Westfalen finanziert. Die Maßnahmen sind Bestandteil der Rahmen- und Finanzierungsvereinbarung zum „Ausbau der Stationen auf den Außenästen des Rhein-Ruhr-Express“ (RRX-A), die im Juni 2017 vom Land NRW, von der DB Station & Service AG und von den drei SPNV-Aufgabenträgern (NVR, NWL und VRR) vereinbart wurde.

Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember gehen die RRX-Fahrzeuge zunächst auf der Linie RE 11 zwischen Düsseldorf und Kassel auf die Strecke. Bis Ende 2020 folgen vier weitere Linien. Betrieben werden die Züge von den Eisenbahnverkehrsunternehmen Abellio Rail NRW und National Express, die das europaweite Vergabeverfahren für sich entscheiden konnten. Das eigentliche Ziel, den Takt im Regionalverkehr deutlich zu verbessern, wird erst nach Ausbau der Strecken umsetzbar sein. Dann fährt der RRX zwischen Köln und Dortmund alle 15 Minuten.

Pressemeldung Ministerium für Verkehr, DB, NVR, NWL, FOTO: DB

DLR entwickelt Hochgeschwindigkeits-Güterzug

So sieht der NGT Cargo im DLR-Modell aus.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellt auf der InnoTrans unter anderem das Projekt eines NGT Cargo, ein Hochgeschwindigkeitszug für den zukünftigen Güterverkehr, vor. Neben dem Fahrzeug an sich, betrachtet das Konzept auch die Be- und Entladeeinrichtungen, Umschlageanlagen und ein Betriebskonzept mit urbaner Feinverteilung. Der dazu entwickelte Güterzug besteht aus Triebköpfen und Waggons, welche einzeln oder als Gruppe von einer Zentrale aus gesteuert automatisch fahren können. Der NGT Cargo soll ein Hochgeschwindigkeitsfahrzeugwerden. Doppelstockbauweise, Leichtbau und eine betriebliche Höchstgeschwindigkeit von 400 Stundenkilometern gehören zu deren Hauptmerkmalen. Diese erfordern jedoch auch besondere Maßnahmen, um die Fahrstabilität bei starkem Seitenwind sicherzustellen. Das DLR nutzt dazu Elektromagnete, die mit möglichst großen magnetischen Haltekräften den Zug bei starken Seitenwinden auf den Schienen halten und stabilisieren.

Die Be- und Entladung soll zweietagig erfolgen.

Das NGT-Cargo-Konzept erfordert neues Denken auch im Terminalbereich. Grafische Darstellungen: DLR

Alstoms Wasserstoff-Züge starten im öffentlichen Linienverkehr

Es war eine Weltpremiere, zu der Europas größter Schienenfahrzeugbauer Alstom, Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsministerium, das Bundesverkehrsministerium sowie die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (evb) am Sonntag nach Bremervörde eingeladen hatten. Ein sprichwörtlich „Großer Bahnhof“ und dichtes Gedränge herrschten am Gleis, als dort der weltweit erste Wasserstoff-Brennstoffzellenzug einfuhr.

Der von Alstom im niedersächsischen Salzgitter gebaute „Coradia iLint“ hat Brennstoffzellen an Bord, die Wasserstoff und Sauerstoff in Strom umwandeln und so den Schadstoffausstoß im täglichen Betrieb auf Null reduzieren. Schon ab dem 17. September werden zwei dieser Züge Fahrgäste befördern – dann zum ersten Mal regulär im öffentlichen Linienverkehr und nach festem Fahrplan.

Freuen auf diese Weltpremiere und eine Fahrt mit den geräuscharmen, bis zu 140 Stundenkilometern schnellen Zügen dürfen sich vorerst aber nur Reisende im Elbe-Weser-Netz der evb. Im Auftrag der LNVG werden die Coradia iLint auf einer knapp 100 Kilometer langen Strecke zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude unterwegs sein und die bisherigen Dieseltriebwagen der evb ersetzen. Betankt werden die neuen Züge mit Hilfe einer mobilen Tankstelle. Aus einem neben den Gleisen im Bahnhof Bremervörde stehenden, 40 Fuß großen Stahlcontainer wird der gasförmige Wasserstoff in die Züge gepumpt. Dank einer Reichweite von 1000 Kilometern können sie mit nur einer Tankfüllung einen ganzen Tag lang im Netz fahren. Pläne für eine ortsfeste Wasserstoff-Tankstelle auf dem Betriebsgelände der evb gibt es bereits. Sie soll 2021 in Betrieb gehen, wenn Alstom weitere 14 Wasserstoffzüge an die LNVG ausliefert.

Quelle: Pressemitteilung Alstom, Foto: Alstom

 

Weltpremiere: Bombardier Transportation präsentiert neuen Batteriezug

Emissionsfrei, energieeffizient und geräuscharm – mit diesen Merkmalen punktet der neue Batteriezug von Bombardier Transportation, der heute erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Eine gemeinsame Jungfernfahrt mit dem elektrohybriden Zug vom Typ TALENT 3 war das Highlight der Presseveranstaltung am Bombardier-Standort in Hennigsdorf. Unter den Gästen waren Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, sowie Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider.

Der neue Batteriezug ist der erste seiner Art, der in den vergangenen 60 Jahren für Deutschland entwickelt wurde. Er fährt abgasfrei und setzt mit Spitzenwerten von 90 Prozent in den Bereichen Wirkungsgrad und Recycelbarkeit die Standards für smarte Mobilität. Zudem ist er etwa um die Hälfte leiser als moderne Dieselzüge. Laut einer Vergleichsstudie der TU Dresden hat der Batterietriebzug auch bei der Gesamtkostenbetrachtung über die komplette Laufzeit von 30 Jahren deutlich die Nase vorn.  „Mit unserem neuen Batteriezug setzen wir eine echte Innovation auf die Schiene“, so Michael Fohrer, Deutschlandchef von Bombardier Transportation.

Generell ist die Perspektive für den Batteriezug positiv. Die Reichweite wächst proportional zur kontinuierlichen Leistungssteigerung neuer Batterieentwicklungen. Der aktuelle Prototyp ist mit vier BOMBARDIER MITRAC Traktionsbatterien ausgestattet und kann Strecken von rund 40 Kilometern zurücklegen – 2019 kann die nächste Fahrzeuggeneration des Batteriezuges schon nicht elektrifizierte Strecken bis zu 100 Kilometern befahren. Die DB startet 2019 in der Region Alb-Bodensee mit dem aktuellen Prototypen einen zwölfmonatigen Testbetrieb mit Fahrgästen.

Die Entwicklung des Batteriezuges wird im Rahmen eines Innovationsprogramms für Elektromobilität mit vier Millionen Euro von der Bundesregierung gefördert. Zu den Projektpartnern zählen die DB Regio-Tochtergesellschaft DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg sowie die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie und die TU Berlin.

Foto: Bombardier

EU-Kommissarin Bulc und Bundesminister Scheuer kommen zur Eröffnung

Die InnoTrans wirft ihre Schatten voraus. In wenigen Tagen wird die Leitmesse  der Schienenverkehrsindustrie auf dem Gelände in Berlin ihre Tore öffnen und dabei mehr Highlights aus der globalen Bahnindustrie als jemals zuvor präsentieren. Über 3.000 Aussteller aus 61 Ländern bedeuten schon vor dem offiziellen Startschuss einen neuen Rekord.

Glanzvoller Auftakt der InnoTrans 2018 wird bereits  die Eröffnungsveranstaltung am ersten Messetag, dem 18. September, von 10 bis 11.30 Uhr im Palais am Funkturm auf dem Berliner Messegelände sein. Mehr als 1.000 nationale und internationale Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind zur offiziellen InnoTrans-Eröffnung geladen. Es nehmen zahlreiche Verkehrsminister sowie Manager von Bahnherstellern und Bahnbetreibern aus der ganzen Welt teil. Begrüßt werden die Gäste von Dr. Christian Göke, CEO der Messe Berlin GmbH, Violeta Bulc, Kommissarin der Europäischen Kommission für Verkehr, Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. DieAuftaktveranstaltung der Weltleitmesse für Schienenverkehrstechnik steht unter dem Titel „Mobilität: Innovativ – Multimodal – Nachhaltig“. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer stellt hohe Ansprüche an den Verkehrsträger Schiene: „Wir wollen den Wow-Effekt beim Bahnfahren. Die Bahnbranche kann mit ihren zukunftsweisenden Innovationen dazu einen Riesenbeitrag leisten. Auf der InnoTrans werden diese faszinierenden Technologien hautnah erlebbar. Unser Ziel: Die Bahn zum umweltfreundlichsten Verkehrsmittel der digitalen Gesellschaft und das Bahnfahren für die Menschen zur Leidenschaft zu machen.“
Foto: InnoTrans

ÖBB und Siemens entwickeln Akkutriebzug

Der Prototyp des Cityjet eco vom Typ Desiro ML wurde am Montag in Wien vorgestellt.

Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) und Siemens Mobility investieren gemeinsam in die Zukunft des Personenverkehrs und entwickeln einen elektro-hybriden Batterieantrieb für Züge. Beide Unternehmen stellten am Montag in Wien das erste Ergebnis dieses innovativen Pilotprojekts, den Prototyp des Cityjet eco vom Typ Desiro ML, vor. Der Cityjet eco ist als Akkutriebzug eine Alternative für nicht-elektrifizierte Strecken, die heute größtenteils mit dieselbetriebenen Personenzügen befahren werden. Im Vergleich zum Dieselantrieb können die CO2-Emissionen um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Nach umfangreichen Tests des Zuges findet ein erster Einsatz im Fahrgastbetrieb voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 statt. Der Prototyp wird auf der Innotrans 2018, der internationalen Leitmesse für Verkehrstechnik, vom 18. bis 21. September auf Gleis 1/400 in Berlin präsentiert.

Siemens entwickelt einen elektro-hybriden Batterieantrieb, der es möglich macht, dass der Zug auf elektrifizierten Strecken Energie über seinen Stromabnehmer aufnimmt und gleichzeitig in den neu mitgeführten Batterien speichert. Diese Energie kann für den Betrieb auf nicht-elektrifizierten Strecken genutzt werden. Sobald der Zug die elektrifizierte Strecke verlässt, speisen die Batterien das Energieversorgungssystem des Zuges. Gemeinsam mit den ÖBB wird diese Technologie nun in einem Pilotprojekt in den kommenden Monaten in der Praxis auf Herz und Nieren geprüft und zur Serienreife weiterentwickelt.

Im gemeinsamen Pilotprojekt mit Siemens sichern sich die ÖBB als eine der ersten europäischen Bahnen wertvolle Erkenntnisse und können damit ihre Angebotsqualität für die Fahrgäste und die Nachhaltigkeit ihrer Flotte weiter ausbauen. Das Pilotprojekt wird mit einem Zug aus der aktuell für die ÖBB laufenden Serienproduktion des Siemens Desiro ML umgesetzt. Die Bauweise des Fahrzeuges ermöglicht es, zusätzliche Dachlasten aufzunehmen. Damit sinkt die ansonsten branchenweit übliche Liefer- und Fertigungszeit eines Neufahrzeugs von bis zu 36 Monaten auf weniger als die Hälfte.

Foto: Siemens

Siemens nimmt RRX-Instandhaltungswerk offiziell in Betrieb

Nach rund anderthalb Jahren Bauzeit hat Siemens Mobility das neu errichtete Instandhaltungswerk für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) offiziell in Betrieb genommen. Im Rail Service Center in Dortmund-Eving werden künftig 75 Mitarbeiter die 82 elektrischen Triebzüge des RRX vom Typ Desiro HC über einen Zeitraum von 32 Jahren warten und instandhalten. Das digitalisierte und papierlose Konzept sorgt dafür, dass die vertraglich vereinbarte Verfügbarkeit der Fahrzeuge von über 99 Prozent gesichert werden kann.

Siemens Mobility hat auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Dortmund-Eving rund 5,5 Kilometer Gleise verlegt sowie ein sechsgleisiges Werkstattgebäude, ein dreigeschossiges Lager- und Sozialgebäude, ein Pförtnergebäude, Außenlagerflächen und eine Außenreinigungsanlage errichtet. Sämtliche Instandhaltungsprozesse können komplett papierlos gesteuert werden. Die Mitarbeiter erhalten ihre Arbeitsaufträge sowie alle Informationen, die sie für Reparaturen und Wartungsmaßnahmen benötigen, auf Tablets zur Verfügung gestellt. Hierfür liefern die Züge über eine Reihe von Sensoren Zustandsdaten, die kontinuierlich an das Depot gesendet und dort verarbeitet werden.

Ein Zug generiert zwischen einer und vier Milliarden Datenpunkte pro Jahr. Mithilfe intelligenter Algorithmen analysieren die Datenexperten von Siemens Mobility die Daten für jedes kritische Bauteil des Zuges. Ziel ist es, Abweichungen von der Regel zu entdecken, um daraus Fehlerprognosen zu errechnen und den Technikern in der Werkstatt akute oder terminierte Instandhaltungsempfehlungen zu geben. Dies ermöglicht es, notwendige Maßnahmen bereits vor Eintreffen im Depot zu planen und vorzubereiten. So können Ersatzteile frühzeitig bereitgestellt und auch der Einsatz der Mitarbeiter kann koordiniert werden. Damit wird sichergestellt, dass die Zeit im Depot so kurz und effizient wie möglich ist, damit die Züge schnellstmöglich wieder für den Betrieb zur Verfügung stehen.

Das RRX-Depot verfügt zudem über eine hochmoderne Fahrzeug-Inspektions-Anlage (AVI), die erstmals in Deutschland zum Einsatz kommt. Während der Einfahrt der Züge in das Depotgelände passieren sie die Anlage und bei jedem Fahrzeug werden automatisch Räder, Achsen und Laufflächenprofile mit modernster Lasertechnologie überprüft. Die Daten werden unmittelbar in das Datenmanagementsystem übernommen, ausgewertet und weiterverarbeitet. Darüber hinaus verfügt das Depot über einen Hochleistungs-3D-Drucker, um schnell und direkt Kunststoffersatzteile anzufertigen, die sonst nicht kurzfristig bzw. kostengünstig verfügbar wären.

Foto: Siemens