PriMa Express 25/2021 erschienen!

Themen sind u.a.:

  • EVU: Die Tage von Abellio NRW sind gezählt
  • Umweltschutz: Licht und Schatten bei Bahnlärmschutz
  • Güterverkehr: BMVI prüft Güterverkehr im ÖPNV
  • Nahverkehr: 3G-Regel für Zugpersonal führt zu Ausfällen
  • Bahnpolitik: Rechnungshof geht mit BMVI und DB ins Gericht

Wir wünschen angenehme Lektüre und ein schönes Wochenende!

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Rolls-Royce: Power Systems erholt sich

Der Rolls-Royce-Geschäftsbereich Power Systems hat die Umsatz- und Ergebniserwartungen in der ersten Hälfte des Jahres 2021 erfüllt. „Wir liegen mit unserem wirtschaftlichen Ergebnis im Rahmen unserer Erwartungen“, sagt Louise Öfverström, CFO Rolls-Royce Power Systems. Mit 1,18 Mrd. £ (1,36 Mrd. EUR*) befindet sich der bereinigte Umsatz in etwa auf Vorjahresniveau (1. Halbjahr 2020: 1,21 Mrd. £, 1,366 Mrd. EUR), der bereinigte Gewinn stieg um 8 Millionen £ (9,3 Mio. EUR) auf 41 Millionen £ (47 Mio. EUR). Die bereinigte Umsatzrendite liegt bei 3,5 Prozent (Vorjahreszeitraum: 2,7 Prozent) und ist Ausdruck der aktuellen wirtschaftlichen Erholung. Der um 19 Prozent gestiegene Auftragseingang im ersten Halbjahr verspricht eine weitere positive Entwicklung.

Erholung in allen Märkten
„Wir haben in der Covid-19-Pandemie schnell und entschieden gehandelt, unsere Mitarbeiter bestmöglich vor Ansteckung geschützt und unser Geschäft trotz widriger Rahmenbedingungen erfolgreich fortgeführt. Auch die Transformation zum Lösungsanbieter haben wir konsequent vorangetrieben, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen“, sagt Andreas Schell, CEO von Rolls-Royce Power Systems. In allen Endmärkten profitiert Power Systems von der Erholung der Weltwirtschaft. „Dass die 13 Marktsegmente, in denen wir tätig sind, unterschiedlich stark und schnell reagieren, erweist sich erneut als ein stabilisierender Faktor in unserem Geschäftsmodell“, ergänzt Louise Öfverström.

Service-Umsatz steigt
Der wirtschaftliche Aufschwung in der abklingenden Covid-19-Pandemie treibt bereits den Service-Umsatz an. Er stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 um 13 Prozent, weil die Kunden ihre mtu-Produkte wieder verstärkt einsetzen können und folglich mehr Serviceaufträge erteilen.

Kundennachfrage wächst
Steigende Investitionsbereitschaft spürt Rolls-Royce Power Systems beim Neugeschäft mit mtu-Produkten und Lösungen. Der schon frühzeitig wiedererstarkte chinesische Markt trug wieder signifikant zu Umsatz und Ertrag bei. Der Markt für Luxusyachten boomt, die Investitionen der Behördenkunden ziehen an, Industriekunden platzieren verstärkt Aufträge. Die kommerzielle Schifffahrt braucht offenbar noch etwas Zeit, da die pandemiebedingten Reisebeschränkungen das Transportgeschäft noch hemmen. Umsatzstärkstes Segment mit 32 Prozent Anteil am Power-Systems-Umsatz ist erneut das Geschäft mit Lösungen zur dezentralen Stromversorgung, vor allem mit Notstromanlagen für sensible Anlagen wie Rechenzentren oder Krankenhäuser.

„Wir sehen am Auftragseingang: Das Geschäft kehrt auf ein normaleres Niveau zurück“, sagt Öfverström. Der Auftragseingang stieg im Vergleichszeitraum um 19 Prozent auf 1,4 Mrd. £ (1,6 Mrd. EUR) (H1 2020: 1,2 Mrd. £, 1,5 Mrd. EUR). „Das wird sich positiv auf die Ergebnisse des zweiten Halbjahres auswirken, das bei Power Systems grundsätzlich stärker ist als die erste Jahreshälfte“, betont die Finanzvorständin. Den größten Auftragseingang verbuchten das Segment Power Generation sowie das Marine- und Behördengeschäft, das vor allem bei mtu- Antriebssystemen für Yachten zulegte.

Klimaschutz treibt Transformation
Insbesondere Kunden für dezentrale Energieanlagen signalisieren Bedarf an klimaschonenderen Lösungen, die in naher Zukunft wesentliche Umsatzanteile erwirtschaften werden. Diese werden seit einer umfangreichen Neuorganisation im Frühjahr 2021 in der neu gegründeten Geschäftseinheit Sustainable Power Solutions entwickelt. „Sustainable Power Solutions befindet sich im Vergleich zu unseren etablierten Geschäften noch im Aufbau. Dabei stellen wir ein erfreulich großes und beeindruckendes Interesse unserer Kunden an solchen Lösungen fest, auch hier verbunden mit einem zunehmenden Auftragseingang“, erklärt Andreas Schell.

Schon heute klimaschonende Produkte im Portfolio
Klimaschonende Produkte hat der Rolls-Royce-Geschäftsbereich schon seit einiger Zeit im Portfolio: So ging das erste in Serie gebaute mtu Bahn-Hybrid-PowerPack im Juli 2021 auf einer Bahnlinie im Vereinigten Königreich in Betrieb, und Aufträge für klimaschonende Batteriespeichersysteme kommen aus der ganzen Welt. Power Systems hatte erst im Juli seine ambitionierten Ziele auf dem Weg zur Klimaneutralität vorgestellt: Bis 2030 sollen im Vergleich zum Jahr 2019 die verkauften Produkte über neue Technologien 35 Prozent Treibhausgas-Emissionen reduzieren, basierend auf wissenschaftlich anerkannten Standards. Die vollständige Klimaneutralität soll im Einklang mit der Gesamtstrategie von Rolls-Royce bis zum Jahr 2050 erreicht werden. Möglich machen sollen dies Energielösungen auf Basis von Brennstoffzellen mit nachhaltig hergestelltem Wasserstoff und für nachhaltige Kraftstoffe zertifizierte Motoren. „Mit ‚Net Zero at Power Systems tun wir nicht nur aktiv etwas für den Klimaschutz. Wir haben unsere Strategie, gemäß der Nachfrage unserer Kunden, auf umweltfreundliche Lösungen für Energie und Antrieb ausgerichtet. Diese sehen wir bereits in den kommenden Jahren ausdrücklich als Wachstumschance“, sagt Andreas Schell.

Im Jahr 2022 wieder auf dem Niveau von 2019
Für das zweite Halbjahr 2021 erwartet Rolls-Royce Power Systems dank des gestiegenen Auftragseingangs eine weitere Erholung des Geschäfts. Die Auftragslage für Neuware erholt sich etwas langsamer als erwartet, dennoch geht Louise Öfverström davon aus, dass der Geschäftsbereich Power Systems im Jahr 2022 die Zahlen des Vor-Pandemiejahres 2019 erreichen wird. Auch das tägliche Arbeitsleben bewegt sich zunehmend in Richtung Normalität: Die Mitarbeiter kehren unter strengen Regeln und in Schichten aufgeteilt in die Büros zurück. „Wir betrachten die Pandemie noch nicht als überwunden, kümmern uns weiter um die Gesundheit unserer Mitarbeiter und betrachten aufmerksam, wie sich Pandemie und Geschäft entwickeln“, erklärt Andreas Schell.

Bundesnetzagentur: Starker Rückgang der Verkehrsleistung

Die Bundesnetzagentur hat einen Sonderbericht über die Entwicklung des Eisenbahnmarktes 2020 in Deutschland unter den Bedingungen der Covid-19-Pandemie veröffentlicht.

Die Verkehrsleistung sank im Jahr 2020 um 38 Prozent im Schienenpersonennahverkehr und um 47 Prozent im Schienenpersonenfernverkehr. Die Verkehre der nicht-bundeseigenen Fernverkehrsanbieter wurden aus wirtschaftlichen Gründen in einigen Monaten komplett eingestellt. Die Nahverkehrsunternehmen sowie die DB Fernverkehr bedienten ihre Verbindungen mit Ausnahme der Monate April und Mai ohne nennenswerte Einschränkungen weiter.

Die Leistungen des Schienengüterverkehrs gingen um 5 Prozent zurück. Vor allem im zweiten Quartal wurde weniger transportiert; im zweiten Halbjahr 2020 blieb der Güterverkehr stabil. Im Schienengüterverkehr haben nicht-bundeseigene Bahnen – ebenso wie im Schienenpersonennahverkehr – Marktanteile gewonnen.

Die Pünktlichkeit im Schienenverkehr hat sich deutlich verbessert. Hierbei half die geringere Auslastung der Züge und des Schienennetzes.

Erhebliche Verluste
Sonderkosten von rund 100 Millionen Euro entstanden den Eisenbahnunternehmen für pandemiebedingte Gesundheits- oder Reinigungsmaßnahmen zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden. Mit Fokus auf den ÖPNV wurde ein staatlicher Rettungsschirm aufgespannt, der u.a. den Eisenbahnverkehrsunternehmen des Nahverkehrs entgangene Umsätze ausglich.

Dennoch verbleiben bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen erhebliche Verluste, welche durch die Pandemie verursacht sind. Die Bundesnetzagentur schätzt diese in 2020 auf 2,55 Milliarden Euro; wobei auf den Schienenpersonenfernverkehr mit knapp 2 Milliarden Euro der Hauptanteil entfällt. Für den Schienenpersonenfernverkehr und den Schienengüterverkehr ist eine nachträgliche Förderung von Trassenentgelten in Planung, welche die Verluste bei den Unternehmen um ca. 1,1 Milliarden Euro verringern würde.

Quelle: Bundesnetzagentur; Foto: Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay

ÖBB: Hohe Luftwechselraten sorgen für sicheres Bahnfahren

Mit 19. Mai 2021 steht die lange herbeigesehnte Öffnung fast aller Bereiche des öffentlichen Lebens an. Damit werden nicht nur die sozialen Kontakte wieder zunehmen, sondern auch die Mobilität insgesamt. Trotz Corona-Virus lassen sich aber Klimaschutz und gesundes Reisen weiterhin vereinen. Das haben zuletzt der Innenraumanalytiker Peter Tappler und der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, im Zuge einer umfangreichen Messreihe in ÖBB-Railjets bestätigt. Denn dank besonders leistungsstarker Lüftungsanlagen ist im ÖBB-Railjet ein Luftwechsel von mindestens 11 x pro Stunde gewährleistet. Das ist deutlich mehr, als in den allermeisten anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, wie Restaurants und Fitnesscenter, aber auch Schulklassen oder Büroräume.

Die umfangreichen Messungen haben einmal mehr bestätigt, dass der öffentliche Verkehr im allgemeinen Infektionsgeschehen eine untergeordnete Rolle spielt. Das bedeutet, dass Reisen mit dem Zug auch bei hoher Belegung nicht mit einem höheren Ansteckungsrisiko durch Aerosole einhergeht, als es in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens der Fall ist. Das liegt auch daran, dass durch die Lüftungsanlage ein rascher Abtransport der Aerosole gegeben ist. Eine Superspreading-Situation ist demnach laut Experten nicht zu erwarten.

ÖBB-Railjet: 1.700 m³ Frischluft pro Stunde
Auch wenn die Corona-Schutzimpfungen in ganz Österreich Fahrt aufgenommen haben, so gilt es auch weiterhin: gründlich Hände desinfizieren, Abstand halten wo es geht und auf den sicheren Sitz der FFP2-Maske achten. Zusätzlich sorgen im ÖBB-Railjet 1.700 m³ Frischluft pro Stunde für eine umgehende Verdünnung der Atemluft und die Lüftungsanlage für deren effizienten Abtransport. Entscheidend in der Pandemiebekämpfung bleibt weiterhin Summe der Präventionsmaßnahmen: Die Kombination aus rücksichtsvollem Miteinander, der Händedesinfektion, der Maskentragepflicht und dem enorm hohen Luftwechselraten im ÖBB Railjet stellen ein gesundes Reisen mit der Bahn sicher.

„Auch in Pandemiezeiten sichern wir für unsere Fahrgäste eine gesunde Umgebung. Es freut mich sehr, dass das einmal mehr durch externe Experten bestätigt wird. Der laufende Luftwechsel mit Frischluft bedeutet für die Fahrgäste Sicherheit für ihre Gesundheit und eine angenehme Atmosphäre. Wichtig bleibt aber weiterhin, die FFP2-Maske zu tragen und wo es geht, ausreichend Abstand zu halten. Dann steht auch einer längeren klimafreundlichen Reise mit der Bahn nichts im Wege,“ sagt ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä.

Aerosoltest im ÖBB Railjet

Quelle/Foto/Video: ÖBB/Eisenberger

VDB-Bilanz: Resilienz und Umsatzrekord, aber starker Export-Einbruch

Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V. zieht eine ambivalente Bilanz für das Geschäftsjahr 2020. Mit 12,5 Milliarden Euro Umsatz erzielt die Bahnindustrie 2020 einen Höchstwert. „Das Plus von knapp 7 Prozent reflektiert die hohen Auftragseingänge der letzten beiden Jahre und die Resilienz der Bahnindustrie in Deutschland”, sagte VDB-Präsident Andre Rodenbeck. Das Inlandsgeschäft steigt um über 5 Prozent. Der Exportumsatz wächst um knapp 10 Prozent. Am stärksten bleibt das Fahrzeuggeschäft mit 9,2 Milliarden Euro Umsatz und einem Plus von 21 Prozent. Die Beschäftigungszahl bleibt stabil bei 53.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Dem gegenüber stehe aber ein starker, zu großen Teilen Pandemie-bedingter Einbruch der Auftragseingänge aus dem Ausland. Der Gesamtauftragseingang liegt 2020 bei 14 Milliarden Euro. Während die Auftragslage auf dem Heimatmarkt um 23,5 Prozent steigt, bricht sie im Export mit 3,5 Milliarden Euro massiv um 37,5 Prozent ein. Die Aufträge aus dem Ausland im Fahrzeugbereich schrumpfen sogar um 42 Prozent. „Nicht jedes Mitgliedsunternehmen ist gleich betroffen. Aber insbesondere dem exportorientierten Mittelstand drohen in den kommenden Jahren spürbare negative Nachwirkung der Krise. Diese Warnsignale dürfen Wirtschaft und Politik nicht ignorieren“, so Rodenbeck. Die Klimaziele seien im Verkehrssektor nur mit der klimaschonenden Schiene erreichbar. Das setze jedoch leistungsstarke Industriestrukturen voraus.

„Die Unternehmen der Bahnindustrie in Deutschland wissen um ihre Verantwortung und leisten seit über einem Jahr einen wertvollen Beitrag zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie, durch betriebliche Hygienekonzepte, strikte Testangebote und, wo immer möglich, mobiles Arbeiten,“ sagte Rodenbeck. „Wir stehen für betriebsärztliches Impfen in den Startlöchern. Das ist aus Sicht der Wirtschaft ein wichtiger ergänzender Beitrag zur Beschleunigung der Impfkampagne. Je zügiger wir durchimpfen, desto rascher verlassen wir diese Krise“, so Rodenbeck. Die Bahnindustrie optimiere zudem durch technologische Innovationen wie kontaktlose Türenöffnung und moderne Fahrgastlenkung den Gesundheitsschutz in Zügen.

Dynamisierung der Investitionen für Clean Mobility
Investitionen müssten jetzt dynamisch Schub geben für die Mobilitätsrevolution 4.0. Das 70-Prozent-Elektrifizierungsziel bis 2025 könne und müsse Deutschland erreichen. Elektrifizierung durch Oberleitung brauche hinreichende Finanzmittel, weniger komplexe Planungsverfahren und optimierte Prozesse. Technologieoffene Förderanreize müssten darüber hinaus den Markthochlauf für neue Antriebe auf der Schiene aktivieren und bisher nicht geförderte Dual-Mode Lokomotiven einschließen, um eine maximale Klimawirkung zu erzielen. Verstetigte Investitionen in die digitale Schiene müssten mehr Planungssicherheit für die Industrie schaffen. „Um das deutsche Schienennetz wie beabsichtigt bis 2035 lückenlos mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik auszustatten, muss sich das bisherige jährliche Ausrüstungsvolumen vervier- bis verfünffachen,“ sagte Rodenbeck.

Klare Perspektive für Fahrzeugumrüstung
Für einen Flächenrollout von ETCS sind Schienenfahrzeuge digital nachzurüsten mit sogenannten On-Board-Units (OBUs). ETCS mache streckenseitige Signalmasten künftig überflüssig, weil ein Teil der Infrastruktur digital in das Fahrzeug wandere. „OBUs sind digitale Infrastruktur, für die der Bund die Finanzierungsverantwortung trägt“, so Rodenbeck. Trotz Unterstützung der EU und der Bundesländer fehle in Deutschland bislang eine klare Perspektive zur Förderung der digitalen Fahrzeugumrüstung. Neufahrzeuge sollten ab 2021 nur mit ETCS-Fahrzeugeinrichtungen ausgeschrieben werden. Rund 12.750 Bestandsfahrzeuge seien bis 2030 digital nachzurüsten. Erfolgskritisch seien die richtigen Weichenstellungen für Koordination, Organisation und Investitionen.

Vergabereform für den Green Re-Start
Innovationen „Made in Germany“ würden bei heutigen Ausschreibungsmodellen noch zu oft durch den Rost fallen. Wo Vergaben starr auf den Anschaffungspreis fixiert seien, verlören oft Bestangebote für Kunden und Klimaschutz. Bestehende Ansätze im europäischen und deutschen Recht müssten konsequent angewendet werden, um innovative Technologien und europäische Wertschöpfung in disruptiv neue Mobilität zu übersetzen. Klimaindustrien wie die Bahnindustrie brauchten jetzt international faire Wettbewerbsbedingungen und national dynamische Investitionen für Clean Mobility.

Quelle/Grafik: VDB

10. International Railway Summit gestartet

Zu Beginn des neuen Jahres bringt Covid-19 weiterhin Umbrüche mit sich. Alle haben sich bemüht, sich an neue Verhaltensweisen anzupassen, aber für die Schiene war die wachsende Distanz zwischen den Menschen besonders schädlich. Denn Schienen werden gelegt, um Menschen zusammenzubringen und den Handel zu erleichtern.

Noch vor einem Jahr war es die Schiene, die für Umbruch stand: Hochgeschwindigkeitsverbindungen und neue Nachtzüge beförderten Mensch und Fracht, holten sie von der Straße und aus dem Himmel. Alternative Antriebstechniken und Automatisierung haben gleichzeitig Emissionen reduziert und Effizienz gesteigert.

Noch am 4. März sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen: „Wir handeln heute, um die EU bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen.“ Das Jahr 2021 zum Europäischen Jahr der Schiene auszurufen war ein großer Schritt zur Anerkennung der entscheidenden Rolle, die das umweltfreundlichste Transportmittel spielen muss.

Möglicherweise musste man auf dem Weg einige unvorhergesehene Zwischenstopps einlegen, aber das Ziel bleibt das gleiche: Die Reise zur Netto-Null-Mobilität muss fortgesetzt werden. Im Dezember sagte Pete Buttigieg, der neue Verkehrsminister der Vereinigten Staaten, dass neue Arbeitsplätze möglicherweise die Schiene für die zweite große Eisenbahnrevolution legen und den Gütertransport schneller, günstiger und sauberer machen können.

Branche zusammenbringen
Die Zusammenarbeit mit Kollegen und Gegenübern ist dringender denn je, gerade jetzt aber auch schwieriger. Nächsten Monat wird das 10. International Railway Summit (IRS10 Online) die Plattform für die Bahnbranche bieten, um wieder zusammenzukommen.

Führungskräfte und Experten für Mobilität werden vom 23. bis 26. Februar an IRS10 Online teilnehmen, um die gewonnenen Erkenntnisse, bewährten Verfahren und Zukunftsvisionen zu ­diskutieren. Der Gipfel wird live mit erstklassigen Rednern und Ortsbesichtigungen aus der ganzen Welt verbinden ­sowie die neuesten Innovationen in maßgeschneiderten Einzelgesprächen und Showrooms präsentieren. Die Teilnehmer sind nur einen Klick von neuen Partnerschaften entfernt.

Schiene neu denken
Führungskräfte, die die Zukunft des Verkehrs gestalten, werden am Konferenzprogramm des Gipfels teilnehmen. Bei der Beantwortung der dringendsten Fragen des Tages lautet das Thema von IRS10 Online „Reimagining rail: Innovation, um die Gesellschaft wieder auf (nachhaltige) Gleise zu bringen“. Elisabeth Werner, die Direktorin der Europäischen Kommission für Landverkehr, wird an einer Debatte über multimodales Ticketing teilnehmen. François Davenne, Generaldirektor der Internationalen Eisenbahnunion (UIC), und Karen Vancluysen, Generalsekretärin von POLIS, werden die Hürden auf dem Weg zur Netto-Null-Mobilität besprechen, während der Vorsitzende der Covid-19-Taskforce der UIC, Marc Guigon, vorstellen wird, wie wir Strategien zum Verlassen des langen Covid-Tunnels vorhersagen und vorbereiten können. Der Exekutivdirektor der ERA, Josef Doppelbauer, wird sich mit dem 4. Eisenbahnpaket befassen. Und Monika Heiming, Exekutivdirektorin der EIM, wird die Sicherung einer umweltfreundlichen Finanzierung diskutieren.

Screenshot: IRITS Event

Privatbahn Magazin 1/2021 erschienen

Das erste Privatbahn Magazin im Jahr 2021 ist nun erschienen!

Im Interview zum Titelthema „Mobilitätswende: Vernetzte Ideen für den ÖPNV“ spricht BVG-Chefin Eva Kreienkamp über ihren Kurs.

Außerdem: Spezial zur Predictive Maintenance und „Der ÖPNV nach Covid“: Lesen Sie hier mehr.

Seehafen Kiel: Güterumschlag mit 6,92 Millionen Tonnen nahezu behauptet

Im Kieler Seehafen gingen im Jahr 2020 insgesamt 6,92 Millionen Tonnen Fracht über die Kaikanten. Das entspricht einem nur leichten Minus von 1,2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rückgängen im Scheerhafen und am Norwegenkai stehen Zuwächse im Ostuferhafen und am Schwedenkai gegenüber. Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer der SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG: „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-Pandemie haben die maritime Wirtschaft vor große Herausforderungen gestellt. In dieser Situation ist es dem Kieler Hafen gelungen, das Umschlagsergebnis nahezu zu behaupten und zur Sicherung von Lieferketten beizutragen.“ Als besonders stabil haben sich die Fährverkehre nach Schweden und Litauen erwiesen, die bei der beförderten Gütermenge sogar leicht zulegten. Einen Einbruch verzeichnet Kiel dagegen im Bereich des Seetourismus. In 2020 gingen Corona-bedingt nur gut 517.500 Passagiere und damit 78 % weniger Reisende über die verschiedenen Terminals an oder von Bord. Dirk Claus: „In diesem Jahr rechnen wir insbesondere ab dem späten Frühjahr bzw. Sommer mit einer Normalisierung der Situation.“ 

Investitionsprojekte abgeschlossen und Landstromanlagen installiert
Der PORT OF KIEL hat im vergangenen Jahr rund 17 Mio. Euro in die Hafenanlagen investiert und konnte damit wichtige Projekte abschließen. So wurde im Spätsommer das neue Vorfeld des Ostuferhafens eröffnet sowie das neue Terminal am Ostseekai, Liegeplatz 28, in Betrieb genommen. Dirk Claus: „Wir befinden uns jetzt in der vorteilhaften Situation, dass die großen mittelfristigen Investitionen abgeschlossen sind.“ Größte Einzelmaßnahme war mit einem Investitionsvolumen von 15 Mio. Euro der Bau der Landstromanlage am Ostseekai, mit der auch die Fährschiffe der Stena Line am Schwedenkai mit 100 % emissionsfrei produziertem Ökostrom versorgt werden können. Dirk Claus: „Alle innerstädtischen Terminals verfügen nunmehr über einen Landstromanschluss. Wir können damit bereits 50 % des Energiebedarfs der Kiel anlaufenden Schiffe emissionsfrei decken und dies – dank der Absenkung der EEG-Umlage – zu wettbewerbsfähigen Preisen.“ Der Blick des PORT OF KIEL richtet sich nun wieder verstärkt auf den Ostuferhafen, wo ebenfalls ein Landstromanschluss sowie eine weitere RoRo-Rampe geplant werden.

Rekordergebnis im Kombiverkehr und Digitalisierungsschub
Im Fährverkehr, der 85 % zur Umschlagsleistung des Kieler Hafens beträgt, wurden im vergangenen Jahr insgesamt fast 240.000 Ladungseinheiten ver- bzw. entladen. Dies entspricht einem Plus von 2,3 %, wobei der Anstieg bei den unbegleiteten Trailern überproportional ausfiel. Hierdurch konnte  gleichzeitig ein Rekordergebnis im umweltfreundlichen Hinterlandverkehr auf der Schiene erzielt werden. Erstmals wurden in Kiel 32.957 Ladungseinheiten (plus 38,2 %) auf Waggon verladen. Maßgeblich zu diesem Ergebnis hat die Etablierung einer Ganzzugverbindung von und nach Bettembourg (Luxemburg) beigetragen, die dreimal wöchentlich bedient wird. Einen großen Schub hat in 2020 auch die Digitalisierung im PORT OF KIEL erfahren. Im Ostuferhafen wurde etwa das automatische Gate Information & Operation System (Agios) in Betrieb genommen, das kundenübergreifend für die Fährdienste und das Forstproduktterminal arbeitet. Agios optimiert und beschleunigt Gate-Prozesse, indem elektronische Buchungen mit den Kennzeichen einfahrender Lkw automatisch abgeglichen werden. Sind die Daten vollständig, entfällt der bisherige Counter-Check-in für Lkw-Fahrer.

Erholung des Seetourismus wird zum späten Frühjahr bzw. Sommer erwartet
Im Passagierverkehr hat der PORT OF KIEL in 2020 einen beispiellosen Einbruch sowohl im Fährverkehr als auch im Bereich Kreuzfahrt zu verzeichnen. Im Zuge der Corona-Pandemie mit Reisewarnungen, Quarantäneregelungen und sogar Grenzschließungen wurden im Fährverkehr 69,6 % weniger Passagiere befördert. Die Color Line musste die „Color Magic“ und „Color Fantasy“ sogar zeitweise ganz aus dem Liniendienst nehmen. Im Kreuzfahrtbereich lagen 198 Anmeldungen von Kreuzfahrtschiffen für die Saison 2020 vor. Durchgeführt wurden nur 29 Reisen, die ohne jeden Zwischenfall verliefen. Hierfür wurden gemeinsam mit den Reedereien umfassende Abfertigungs- und Hygienekonzepte entwickelt, die zusammen mit den – auch in den Terminals durchgeführten –  Tests sichere Prozesse gewährleisteten. Für die diesjährige Saison, die im Mai starten soll, rechnet der PORT OF KIEL mit einer Normalisierung der Situation. Dirk Claus: „Ich gehe davon aus, dass wir – unter Beibehaltung der strengen Hygienekonzepte und sobald die laufenden Impfkampagnen stärker Fuß fassen – wieder starten können. Ich bin zuversichtlich, dass die Saison wie geplant stattfinden kann.“ 

Quelle/Foto: Seehafen Kiel

BAG-SPNV tritt Berichten zu Einschränkungen im Nahverkehr auf der Schiene während des Lockdowns entgegen

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (BAG-SPNV) tritt Medienberichten entgegen, in denen mit Bezugnahme auf den VDV dargestellt wird, dass die „regionalen Verkehrsunternehmen“ das Verkehrsangebot während des verlängerten Lockdowns einschränken und das volle Bahn- und Busangebot nur noch „zumindest in den Stoßzeiten aufrechterhalten“ wollen.

Frank Zerban, Hauptgeschäftsführer der BAG-SPNV, stellt für die Aufgabenträger, die den Nahverkehr auf der Schiene bei den Verkehrsunternehmen bestellen, klar: „Die Pressemeldungen zum Verkehrsangebot im regionalen Nahverkehr könnten leicht missverstanden werden. Richtig ist, dass unsere Mitglieder derzeit alle von ihnen beauftragten Verkehrsunternehmen anhalten, auch während des verlängerten Lockdowns das vollständige reguläre Fahrplanangebot im Nahverkehr auf der Schiene zu fahren. Dadurch wird all denjenigen Fahrgästen, die beruflich wirklich darauf angewiesen sind, ein verlässliches Fahrtenangebot zur Verfügung gestellt. Zudem verhelfen die bereitgestellten Kapazitäten zu möglichst großen Abständen.“

Davon regional abweichend können einzelne reine Schülerverkehre während der Schließ-zeiten der Schulen beziehungsweise reine Freizeitverkehre wie beispielsweise Nacht-S-Bahnen an Wochenenden aufgrund der Ausgangsbeschränkungen entfallen.

Quelle: BAG-SPNV; Foto: Pixabay.com

PriMa Express 22/2020 erschienen

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Themen sind u.a.:
– InnoTrans findet erst 2022 statt
– Regionalisierungsmittel: Auch 2017 viel Geld nicht verwendet
– Lärmschutz: Förderrichtline IaTPS bis Mitte 2021 verlänger
– Kombinierter Verkehr: Neuer Gliedertaschenwagen
– Bahindustrie: Sorge wegen Auftragseinbruch im Ausland
– VDV: Trassenpreise auch auf NE-Strecken fördern

Wir wünschen angenehme Lektüre und ein schönes Wochenende!

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