PriMa Express 26/2020 erschienen

Themen sind u.a.:

  • Flixtrain eröffnet neue Runde im Konflikt um DB-Eigenkapitalerhöhung
  • Verkehrspolitik: Debatte über Bahnrefom II vertagt
  • Schienengüterverkehr: Holpriger Start für Verbot lauter Wagen
  • Regionalverkehr: Gemischte Bilanz für Transdev-Ticketverkauf
  • Bahntechnik: Sensoren sollen dichtere Zugfolge ermöglichen

Wir wünschen angenehme Lektüre und Frohe Festtage!

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Schienenhilfe: „Übernehmt keine lauten Güterwagen aus dem Ausland!“

Die Deutsche Schienenhilfe bittet die Privaten Güterbahnen und die DB Cargo, ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember keine lauten Güterwagen mehr zu übernehmen. Das erklärte ihr Sprecher Jochen Zenthöfer.

Hintergrund ist die Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums, das Fahren mit lauten Waggons erst ab Ende 2021 an zu sanktionieren – ein Jahr später als geplant. Damit werden die Sanktionen des Schienenlärmschutzgesetzes faktisch Makulatur. Nebenbei werden die deutschen Güterwagenhalter, die zu 99 Prozent auf leise Sohlen umgerüstet haben, für ihren Lärmschutz benachteiligt.

„Jetzt liegt es in der Hand der privaten Güterbahnen und der DB Cargo“, so Zenthöfer weiter: „Sie sind nicht verpflichtet, an den Landesgrenzen die ausländischen Güterwagen zu übernehmen. Wenn die Waggons noch mit lauten Graugussohlen unterwegs sind, sollten sie an der Grenze stehen bleiben. Die ausländischen Unternehmen hatten jahrelang Zeit, die Waggons umzurüsten. Jetzt darf nicht Corona als Ausrede benutzt werden!“ Eine Ausnahme sollte nur gemacht werden für Waggons, die medizinische
Materialien zur Pandemiebekämpfung transportieren. Diese sollten an den Grenzen übernommen werden, auch wenn sie noch laut sind.

„Jahrelang haben die Bürgerinnen im Rheintal, in Sachsen, im Inntal, an der Mosel, in Nordrhein- Westfalen und an vielen anderen Orten auf das Schienenlärmschutzgesetz gehofft. Jetzt liegt es in der Hand der Privaten Güterbahnen und der DB Cargo, ob diese Hoffnung wenige Tage vor Gesetzesbeginn stirbt“, so die Schienenhilfe. „Die deutschen Güterwagenunternehmen haben umgerüstet und an die lärmgeplagten Bürgerinnen gedacht. Bei aller Kritik, die wir gerne (und oft) äußern: Dafür danken wir!“

Quelle: Deutsche Schienenhilfe; Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

„Strategie Leise Schiene“: Eisenbahnverbände begrüßen gesetzliches Verbot lauter Güterwagen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt setzt eine weitere Maßnahme seiner „Strategie Leise Schiene“ um: Das Fahrverbot für laute Güterwagen. Der Deutsche Bundestag hat das von Dobrindt initiierte Gesetz gestern in 2./3. Lesung beschlossen. Fünf Eisenbahnverbände haben den Bundestagsbeschluss in einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßt.

 

Umrüstung eines Güterwagen auf leise Bremssohlen bei der Deutschen Bahn. (Foto: DB)
Umrüstung eines Güterwagen auf leise Bremssohlen bei der Deutschen Bahn. (Foto: DB)

 

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Pssst!

Über 70 Millionen Euro investieren Bund, Länder und Deutsche Bahn in den Lärmschutz im Mittelrheintal. Nach der Unterzeichnung von separaten Finanzierungsvereinbarungen zwischen den Beteiligten ist nun auch formal der Weg frei gemacht worden.

 

Güterzug im Mittelrheintal (Foto: DB AG)
Güterzug im Mittelrheintal (Foto: DB AG)

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Deutsche Bahn: Andreas Gehlhaar ist neuer Lärmschutzbeauftragter der DB

Seit 1. Februar 2017 ist Andreas Gehlhaar, Leiter des Umweltbereiches, zusätzlich Lärmschutzbeauftragter im Konzern. Umweltschutz und Lärmschutz liegen damit in einer Hand.

Gehlhaar: „Verkehrslärm ist eine große Belastung für viele Menschen. Deshalb investieren wir in einen deutlich besseren Lärmschutz an der Strecke ebenso wie in innovative Lösungen an den Güterwagen.“ (Foto: DB AG)
Gehlhaar: „Verkehrslärm ist eine große Belastung für viele Menschen. Deshalb investieren wir in einen deutlich besseren Lärmschutz an der Strecke ebenso wie in innovative Lösungen an den Güterwagen.“ (Foto: DB AG)

 

In der neuen Verantwortung soll Andreas Gehlhaar (45) ab sofort auch die Aktivitäten zur Lärmminderung bündeln und verbindliche Umsetzungsstrategien für die Geschäftsfelder entwickeln. Ziel der DB ist es, den Schienenlärm bis 2020 gegenüber 2000 zu halbieren. Andreas Gehlhaar leitet seit dem 1. Juni 2016 den Umweltbereich bei der DB. Zuvor war der Volkswirt von 2009 bis 2013 Büroleiter des Chefs des Bundeskanzleramts. Bis 2016 verantwortete er als Gruppenleiter im Kanzleramt die Bereiche Kabinett, Parlament, Bund-Länder-Beziehungen sowie auch Umwelt und Verkehr.

Schweiz: SBB baut Güterwagen der Zukunft

Der erste „Güterwagen der Zukunft“ von SBB Cargo wird zurzeit umgebaut. Er wird leiser, leichter und laufstärker sein als zuvor. Mitte 2017 soll die vierjährige Testphase mit 16 umgebauten Zügen starten. In gemeinschaftlicher Arbeit mit einer Vielzahl von Lieferanten und Industriepartnern ist der Zug in den letzten Monaten konfiguriert worden.

 

Grafik: SBB Cargo
Grafik: SBB Cargo

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„Leiseres Mittelrheintal“: 63 Mio. Euro für lärmmindernde Maßnahmen

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI), die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die Deutsche Bahn unterzeichneten bei der Sitzung des Beirates „Leiseres Mittelrheintal“ in Lahnstein eine gemeinsame Absichtserklärung zur Finanzierung von zusätzlichen lärmmindernden Maßnahmen im Mittelrheintal. Insgesamt rund 50 Maßnahmen sollen den Schienenverkehrslärm weiter reduzieren, darunter auch Schienenstegdämpfer und Lärmschutzwände. Die Planungs- und Baukosten belaufen sich auf knapp 63 Mio. Euro.

 

Güterzug im Mittelrheintal. (Foto: DB AG)
Güterzug im Mittelrheintal. (Foto: DB AG)

 

Verbände: VPI begrüßt gesetzliches Verbot lauter Güterwagen

Im Rahmen der Verbändeanhörung zum Entwurf eines Gesetzes zum Verbot des Betriebes lauter Güterwagen ab Ende 2020 hat der Verband der Güterwagenhalter in Deutschland (VPI) gestern dem Bundesverkehrsministerium seine Stellungnahme überreicht.

„Wir begrüßen das geplante Gesetz ausdrücklich und sehen es als klares Signal für leisen Schienengüterverkehr. Ein gesetzliches Verbot bringt uns die notwendige Rechtssicherheit und sorgt dafür, dass die intensiven Umrüstungs- und Neubeschaffungsaktivitäten der deutschen Wagenhalter zu einer tatsächlichen Lärmminderung führen“, erläutert Malte Lawrenz, Vorsitzender des VPI. Ohne wirksame Maßnahmen drohten diejenigen Halter belohnt zu werden, die sich einer teuren Umrüstung oder Neubeschaffung verweigern, so Lawrenz. Im Ergebnis würden sowohl der Wettbewerb verzerrt, als auch das deutsche Lärmminderungsziel verfehlt.

Österreich: Verkehrslärm ist das größte Lärmproblem

Zum „Internationalen Tag gegen den Lärm“ (29. April) hauen verschiedenste Organisationen kräftig auf die Medienpauke: auch die Grünen in Österreich, die ihre Bundesregierung daran erinnern möchten, dass Verkehrslärm das mit Abstand größte Lärmproblem und das verbreitetste Umweltproblem des Landes sei. Nicht weniger als ein Viertel der Bevölkerung ist im Wohnbereich davon betroffen. Mit der Zurückhaltung bei Gegenmaßnahmen müsse daher Schluss sein, denn die Rechnung über Gesundheitsschäden zahlten alle, so die Partei.

Grünen-Verkehrssprecher Georg Willi nimmt vor allem den „nervigen Schienenlärm“ ins Visier, der neu angegangen werden müsse. „Die meisten Güter-Waggons laufen noch mit gusseisernen Bremsen, deren Betätigung die Lauffläche der Räder verformt – je unrunder diese werden, desto mehr rumpelt es auf dem Gleis. Durch Umrüstung auf Flüsterbremsen könnte der Lärmpegel langfristig um zehn Dezibel gesenkt werden“, erklärt Georg Willi. Für Betroffene entspräche das einer Halbierung des Lärms.

(Grüne Österreich)

Nationales Fahrzeugregister: Immer mehr leise Güterwagen

Im Nationalen Fahrzeugregister waren zum 4. Dezember 2013 insgesamt 180.983 Güterwagen gelistet, von denen 17.131 Wagen mit „leisen“ Bremsen ausgestattet waren. Dies entsprach einem Anteil von 9,5 Prozent. Dies schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (18/4402) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (18/4244). Am 12. März 2015 seien von den 181.821 gelisteten Güterwagen bereits 25.845 Wagen mit Verbundstoffsohlen ausgerüstet. Damit sei der Anteil von leisen Güterwagen auf 14 Prozent gestiegen, heißt es weiter.

(hib/MIK)