RailWatch: 99% der LNG-Transporte sicher

Der Krieg in Europa verlangt Zusammenhalt und Solidarität. RailWatch trägt einen Teil dazu bei. Ab sofort gibt das Unternehmen technische Zustandsdaten von Güterwagen weiter, die mit Flüssiggas (LNG) unterwegs sind. Ziel ist es, den Transport auf der Schiene sicherer zu gestalten und so die Abhängigkeit von traditionellen Energiequellen zu reduzieren. Alle, die am Transport von Flüssiggas (LNG) auf der Schiene beteiligt sind, können die Sicherheitsdaten bei RailWatch kostenfrei anfragen. Das Angebot gilt zunächst bis 30. Juni 2023.

Flüssiggas Transporte auf Rail Freight Korridor eins steigen
Die Schiene ist der Verkehrsträger für einen sicheren Transport. Um die Sicherheit auf der Schiene zu unterstützen, hat RailWatch eine Messstation entwickelt, auch Pulsar genannt, die den technischen Zustand von Güterzügen in Vorbeifahrt erfasst.  Mit den Informationen zu defekten Bremssohlen oder Radschäden, wie etwa Flachstellen, können verschiedenste Prozesse in der Instandhaltung oder im Be- und Endladeprozess sicherer oder vorausschauender geplant und bearbeitet werden. Nur so kann die Schiene zukünftig die Sicherheit und die Verfügbarkeit auf der Schiene gewährleisten. Mit der Gefahrgut-Erkennung ermittelt RailWatch darüber hinaus, welches Gefahrgut in welchem Güterwagen transportiert wird und weiß so, in welchem Güterwagen Flüssiggas transportiert wird.

Flüssiggase (LNG) wird bereits heute in kleinen Mengen über die Schiene transportiert. 0,5 % der Gefahrguttransporte, die die RailWatch Stationen passieren, waren im Monat Februar 2022 Flüssiggas (LNG) Transporte. Aufgrund der kriegerischen Situation wird bis 2030 ein Viertel der Flüssiggastransporte auf der Schiene sein. Schon im März 2022 war ein deutlicher Anstieg von 43 % gegenüber dem März 2021 nachweisbar. Der April 2022 zeigt einen weiteren Anstieg. Besonders im linken Rheintal und auf der Strecke Kaldenkirchen – Viersen – Venlo hat der Flüssiggas Transport über die Schiene weiter zugenommen. Die 14 Pulsar-Messstationen in Deutschland, die an den wichtigsten Rail Freight Korridoren stehen zeigen, dass die Flüssiggastransporte hauptsächlich über den Rhine-Alpine Korridore geführt werden. 

Die gute Nachricht: 99 % aller im Mai 2022 gemessenen Wagen, welche mit Flüssiggas unterwegs waren, hatten keinerlei Schäden. Der Transport von Flüssiggas ist also bislang sicher. 

Für die Gewährleistung eines sicheren Flüssiggastransportes stellt RailWatch ihre Daten allen am Flüssiggastransport beteiligten Unternehmen zur Verfügung. 

Quelle/Grafik: RailWatch

DIE GÜTERBAHNEN nehmen weiter Fahrt auf

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen hat heute in Berlin das Bündnis DIE GÜTERBAHNEN vorgestellt. Gut 20 Jahre nach Gründung des Verbands und einer beispiellosen Erfolgsgeschichte der privaten Güterbahnen wollen die fast 100 Mitglieder mit einem starken Signal das 25 %-Ziel der Bundesregierung als ihre Mission vorantreiben und die dafür notwendigen Maßnahmen stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen. Unterstützung signalisieren Bund und Länder.

DIE GÜTERBAHNEN starteten heute selbstbewusst: Ein Marktanteil der Schiene im Güterverkehr von 25 % im Jahr 2030 oder umgerechnet etwa 210 Milliarden Tonnenkilometer Verkehrsleistung sind für DIE GÜTERBAHNEN leistbar. „Wir wollen das und noch wichtiger: Wir können das. DIE GÜTERBAHNEN brennen darauf, für dieses Ziel und noch mehr ihre geballte Zugkraft aufzubringen und mit klimafreundlichem Güterverkehr auf der Schiene die Verkehrswende zu meistern. Wir hoffen, mit unserem neuen Bündnis die Politik als unseren Partner, der mit den richtigen Rahmenbedingungen seine Ziele verfolgt, zu gewinnen. Denn wer schwimmen will, muss auch nass werden wollen“, sagte Ludolf Kerkeling, Vorstandsvorsitzender des NEE, heute auf der ersten Veranstaltung der GÜTERBAHNEN in Berlin.

Der Schienengüterverkehrs-Markt war in den vergangenen Jahren sehr dynamisch und schon heute werden annähernd 60 % der Leistung von den privaten Güterbahnen erbracht. Dies spricht für einen selbstbewussten neuen Auftritt der Branche in der Öffentlichkeit. Zu diesem Zweck hat das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen heute in Berlin sein neues Bündnis DIE GÜTERBAHNEN vorgestellt. Der Clou: Das Bündnis sieht sich als Marktführer und will mit einem starken neuen Auftritt mit Politik und Öffentlichkeit stärker ins Gespräch kommen. „Wer mit umweltfreundlichem Transport das Klima schützen will, kommt an uns nicht vorbei. Innovativ und flexibel haben DIE GÜTERBAHNEN in den letzten Jahren den Schienengüterverkehr getragen. Unsere Botschaft an die Politik: Lasst uns gemeinsam erfolgreich sein“, so Kerkeling.

Es geht um neue Dimensionen. Eine Leistung im Schienengüterverkehr von 210 Milliarden Tonnenkilometern muss 2030 mindestens erbracht werden, wenn das politische Ziel erreicht werden soll, 2030 ein Viertel des gesamten Güterverkehrs klimafreundlich auf der Schiene zu transportieren. Das sind fast 60 % mehr als zuletzt. Kerkeling ergänzte: „Eine ambitionierte und europäisch angelegte Verkehrsverlagerungspolitik kann Straßen und Umwelt über 2030 hinaus sogar noch stärker entlasten. Die Güterbahnen halten bis 2035 eine Verkehrsleistung von mehr als 260 Milliarden Tonnenkilometer für erreichbar.“

Unterstützung signalisierten den GÜTERBAHNEN heute in Berlin die Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Susanne Henckel, und die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz und Bremer Verkehrssenatorin Dr. Maike Schaefer. „DIE GÜTERBAHNEN beweisen mit ihrem neuen Bündnis, wie wir gemeinsam mehr Güter auf die Schiene bringen. Zusammen werden wir die Verkehrswende meistern und den Klimaschutz in unserem Land weiter vorantreiben“, begrüßte Henckel die Initiative. „Es ist unbedingt notwendig, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Das ist ein ganz wichtiger Baustein innerhalb der Verkehrswende und damit unserer Anstrengungen, der Klimakrise etwas entgegenzusetzen. Wir brauchen DIE GÜTERBAHNEN – auch zur Anbindung unserer wichtigen Seehäfen“, fügte Verkehrssenatorin Dr. Schaefer hinzu.

Mit einer frisch mit dem GÜTERBAHNEN-Logo folierten Lok wurden die beiden Politikerinnen zum Veranstaltungsort gebracht und konnten für eine dreiviertel Stunde die Welt aus der Perspektive der Praktiker:innen systemrelevanter Verkehre auf dem Lokführerstand betrachten. Auf der Veranstaltung signalisierten DIE GÜTERBAHNEN und die zahlreich anwesenden Mitglieder ihre Leistungsfähigkeit, die politischen Ziele als Bündnis gemeinsam umzusetzen. „Es ist leicht: Wer das Klima schützen will, braucht schnell mehr Eisenbahn für den Gütertransport. Wer Gütertransport will, braucht DIE GÜTERBAHNEN. Von der deutschen und europäischen Politik erwarten wir nun, den Ball aufzugreifen und die Rahmenbedingungen und die Schieneninfrastruktur zielgerichtet neu zu gestalten, so dass die Unternehmen ihre Versprechen einlösen können. Packen wir es an“, so der leidenschaftliche Appell von Kerkeling und den vier Botschafter:innen der Mitglieder der GÜTERBAHNEN, die auf der Veranstaltung stellvertretend für alle Unternehmen des Schienengüterverkehrs gesprochen haben.

DIE GÜTERBAHNEN haben ein neues, moderneres Corporate Design. Die Farben verbinden DIE GÜTERBAHNEN und das NEE als Träger miteinander. Zum Logo, das einen fahrenden Güterzug zeigt, gehört der bereits seit 2019 eingesetzte Claim „Weil Gut auf der Schiene besser ist“. Eine Animation [Link] veranschaulicht die Idee des Logos, zu dem ein auditives Signal gehört, das den GÜTERBAHNEN auch akustisch einen neuen Wiedererkennungswert verleiht. Auf Social Media (Twitter, Instagram und LinkedIn) sind DIE GÜTERBAHNEN ebenfalls vertreten (@DIEGÜTERBAHNEN). Die Domain www.die-gueterbahnen.com führt auf den gleichen, modernisierten Auftritt wie netzwerk-bahnen.de.

PriMa 3/22 erschienen!

Das neue PriMa ist da! Im Titel geht es um die dringend nötige Verkehrwende und die Frage, wie diese angesichts der aktuellen Zeitenwende gelingen kann.

Lesen Sie mehr in unserem Thema der Woche.

PriMa Express 8/2022

Themen sind u.a.:

  • Personenverkehr: Kartellamt mahnt DB ab
  • Ukraine-Krieg: Russische RZD vertkauft Gefco-Anteile
  • Güterverkehr: RheinCargo holt nur Teil der Corona-Delle auf
  • Bahnpolitik: Verbände lauten Sturm gegen EBA-Gebühren
  • Alternative Antriebe: VBB will bis 2027 aus Diesel aussteigen

Wir wünschen angenehme Lektüre!

» Download Newsletter

NEE: SGV-Stopp aufklären und verhindern

Heute Morgen wurde laut dem Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e.V. (NEE) pauschal der Schienengüterverkehr für mehrere Stunden in großen Teilen Deutschlands von der DB Netz AG festgesetzt. Auslöser war die Meldung des Bahnstromnetzbetreibers DB Energie, dass Wartungsarbeiten in verschiedenen Kraftwerken und ein anschließender Kraftwerksausfall zu einer Unterversorgung des Stromnetzes führten. Die Güterbahnen wurden vom Eingriff in den geplanten Verkehr begreiflicherweise überrascht und fordern eine unabhängige Prüfung dieser Angaben. Sollte zudem zutreffen, dass einseitig Güterverkehre angehalten wurden, will das NEE die Bundesnetzagentur einschalten. Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbandes:

„Sollte die DB pauschal den Güterverkehr angehalten haben, wäre das ein absolutes Novum. Wir werden die Bundesnetzagentur einschalten, um das aufzuarbeiten und eine Wiederholung definitiv zu verhindern. Der Güterverkehr ist nicht der Wurmfortsatz der Eisenbahnbranche, er ist systemrelevant für die Industrienation und die Versorgung der Bevölkerung. Große Teile unserer Verkehre haben heutzutage ähnliche Pünktlichkeitsanforderungen wie der Personenverkehr. Unsere industriellen Kunden haben keinerlei Verständnis für mehrstündige Verspätungen. Gerade im Kombinierten Verkehr zerstören schon länger Probleme mit Verfügbarkeit des Schienennetzes die mühsam geplanten Umläufe der Züge und Personalplanungen, teils mit wochenlangen Folgewirkungen. Das darf sich nicht auf die Stromversorgung ausweiten. Der Schienengüterverkehr muss verlässlich sein und verträgt keine weiteren Strapazen seitens der Infrastrukturbetreiber, sonst werden sich die Kunden abwenden und die Ladung  auf die Straße gehen. Die DB muss so oder so eine schnelle Regulierung der bei den Betroffenen entstandenen Schäden gewährleisten.“

Peter Westernberger

Hintergrund
Die Netzfrequenz im Bahnstromnetz (abweichend vom öffentlichen Netz 16 2/3 Hz) muss durch die Netzleitstelle der DB Energie in engen Toleranzen gesichert werden. Dafür müssen der Bedarf und die Einspeisung kontinuierlich ausgeregelt werden. In den bisher äußerst seltenen Fällen des Ausfalls eines Teils der Einspeisung (Kraftwerk, Umrichter) muss der Verbrauch entsprechend bei den drei Verkehrsarten Personenfern-, Personennah- und Güterverkehr abgesenkt werden. Selbstverständlich gibt es auch Transporte, die bei akutem Strommangel etwas verschoben werden können. Die Notfallplanung der DB Energie muss allerdings differenziert vorgehen. Mit der Steuerung der energieintensiven Anfahrts- und Beschleunigungsprozesse, der Höchstgeschwindigkeit gerade bei ICE-Zügen, Fahrempfehlungen, der Schwächung und dem Ausfall schwach ausgelasteter Zügen oder der Verschiebung von Leerfahrten stehen Instrumente bereit, die Auswirkungen eines solchen Zwischenfalls zu begrenzen.

Quelle: NEE; Fotos: Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben, NEE

Luksic: Logisitkbranche leidet unter Krieg

Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland haben massive Auswirkungen auf die Transport- und Logistikbranche in Deutschland. Darauf wies der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr, Oliver Luksic (FDP), am Mittwoch vor dem Verkehrsausschuss hin. Die Lage für die Branche sei gefährlich, sagte Luksic. Die Bundesregierung stehe in einem engen Dialog mit der Branche, um kurzfristige und mittelfristige Lösungen zu finden. Luksic informierte den Ausschuss über die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf den Verkehrssektor insgesamt und stellte sich den Fragen der Abgeordneten.

Die Transport- und Logistikbranche sei zum einen stark durch die gestiegenen Kraftstoffpreise betroffen, führte Luksic aus. Derzeit seien viele Fahrten ein Minusgeschäft, da die gestiegenen Preise noch nicht in den laufenden Verträgen abgebildet seien. Zum anderen sei bereits jetzt ein Mangel an Lkw-Fahrern zu beobachten, da viele der in Deutschland beschäftigten Fahrer aus der Ukraine, Weißrussland und Russland stammten. Die Situation könne sich weiter verschärfen, wenn Polen verstärkt Reservisten einberufen sollte. Dann könne weiteres Personal ausfallen, sagte Luksic. Insgesamt sei Warenverkehr zwischen der Europäischen Union und den Ländern Asiens durch die Sperrung des russischen Luftraums und die Unterbrechung des Schienenverkehrs belastet. Die Versorgung von Supermärkten mit Lebensmitteln sei derzeit aber gesichert.

Die Sanktionen gegen Russland treffen den Verkehrssektor in Deutschland nach den Ausführungen Luksic aber auch in anderen Bereichen. So sei die Automobilindustrie beispielsweise durch die längeren Lieferwege für Chips von den asiatischen Märkten betroffen. Zudem sei die Ukraine ein wichtiger Zulieferer von Kabelbäumen. Russland sei wiederum ein wichtiger Zulieferer von Stahl und Bitumen. Dies habe Auswirkungen auf die dringende Sanierung von Brücken in Deutschland.

Übereinstimmend lobten und dankten die Abgeordneten aller Fraktionen sowie Luksic der Arbeit der Deutschen Bahn und der zivilen Hilfsorganisationen beim Transport von Flüchtlingen und von Hilfsgütern. Die Bahn setze Sonderzüge zur Beförderung von Flüchtlingen von der polnisch-ukrainischen Grenze nach Deutschland ein, führte Luksic aus. Zudem sei die Beförderung von ukrainischen Flüchtlingen in den Zügen der Deutschen Bahn kostenfrei.

Quelle: Deutscher Bundestag; Foto: Pixabay.com/Joa70

Rekord für Hamburger Hafenbahn

Der Seegüterumschlag im Hamburger Hafen entwickelte sich nach dem vorjährigen Einbruch durch die Corona-Pandemie im Jahr 2021 positiver als erwartet. So fiel der Seegüterumschlag mit einem Ergebnis von 128,7 Millionen Tonnen und somit einem Plus von rund zwei Prozent besser aus als im ersten Jahr der Corona-Pandemie. Der Containerumschlag erreichte mit 8,7 Millionen TEU ein Plus von 2,2 Prozent.

Für ein Rekordergebnis im Jahr 2021 sorgte der Güterverkehr auf der Schiene. Die Hamburger Hafenbahn konnte im vergangenen Jahr ein Transportvolumen von 48,5 Millionen Tonnen (+4,0 Prozent) abfertigen. Beim Containertransport wurde mit 2,79 Millionen TEU sogar ein Plus von acht Prozent erreicht. „Hamburg baut eindrucksvoll seine führende Position als weltweit größter Eisenbahnhafen aus. Trotz anhaltender Herausforderungen durch die Pandemie und aus dem Takt gekommener Transportketten wurde für den umweltfreundlichen Gütertransport auf der Schiene ein neues Rekordergebnis erzielt“, sagt Ingo Egloff, Vorstand Hafen Hamburg Marketing e.V. (HHM).

Zusätzliche Containerzugverbindungen und zunehmende Transporte im mittleren Distanzbereich bis 300 Kilometer förderten das Wachstum auf der Schiene. Der Modal-Split-Anteil der Eisenbahn liegt in Hamburg beim Containertransport inzwischen bei 51,5 Prozent. Die Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene erfolgt in Hamburg beispielhaft und entlastet die Straßen und schont die Umwelt. Der LKW-Anteil geht in Hamburg zurück und beträgt 46,1 Prozent. Das Binnenschiff erreicht beim Containertransport von und nach dem Hamburger Hafen einen Anteil von 2,4 Prozent.

Starkes Wachstum bei Containertransporten auf der Neuen Seidenstraße
In Ergänzung zum Seetransport werden immer zahlreicher auch Container auf der Schiene zwischen China und Hamburg transportiert. Hamburg ist in Deutschland der führende Start- und Endpunkt für Containertransporte per Seeschiff und für Containerzugverbindungen auf der Neuen Seidenstraße. „Auch wenn für die mehr als 12.000 Kilometer lange Strecke zwischen China und Hamburg derzeit rund 20 Tage für den Transport per Eisenbahn benötigt werden, ist der Landweg über die Neue Seidenstraße schneller als mit dem Seeschiff. Für zeitkritische Güter bieten die Containerzug-verbindungen zwischen Hamburg und China somit eine attraktive Transport-Alternative. Rund 160.000 TEU wurden im vergangenen Jahr per Eisenbahn zwischen Hamburg und mehr als 25 Zielorten in China befördert. Das ist ein starkes Plus von 51 Prozent. Von verschiedenen Anbietern werden insgesamt mehr als 290 Chinazugverbindungen von und nach Hamburg vermarktet“, erläutert Axel Mattern, Vorstand von HHM.

Der Seegüterumschlag im Hamburger Hafen im Jahr 2021
Die weltweit spürbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflussten auch im Jahr 2021 die Umschlag- und Verkehrsentwicklung in Deutschlands größtem Universalhafen. Im gesamten Jahr 2021 wurden im Hamburger Hafen 128,7 Millionen Tonnen Seegüter an den Terminals geladen oder gelöscht. Das ist im Vergleich zum Vorjahresergebnis ein Plus von 1,9 Prozent. Sowohl der Stückgutumschlag, der mit 88,9 Millionen Tonnen ein Plus von 1,3 Prozent aufweist, als auch der Massengutumschlag mit 39,8 Millionen Tonnen (+3,3 Prozent), trugen dazu bei. Im Segment Containerumschlag wurden im Jahr 2021 in Hamburg insgesamt 8,7 Millionen TEU umgeschlagen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 2,2 Prozent.

Innerhalb des Segments Massengut entwickelte sich der Umschlag von Greifergut mit insgesamt 21,6 Millionen Tonnen positiv und erreichte ein Plus von 11,2 Prozent. Zu diesem Wachstum trug vor allem der Import von Kohle mit 5,5 Millionen Tonnen (+15,9 Prozent) und Erz mit 10,5 Millionen Tonnen (+10,6 Prozent) bei. Im Agribulk-Bereich wurden im Jahr 2021 insgesamt 6,4 Millionen Tonnen Sauggut umgeschlagen. Der Rückgang von insgesamt 14,7 Prozent ist auf weniger Umschlag von Getreide zurückzuführen. Im Segment Flüssigladung lag der Umschlag im Jahr 2021 insgesamt bei 11,8 Millionen Tonnen (+1,7 Prozent). Mehr Exporte bei Mineralölprodukten sind vor allem für das leichte Plus in diesem sich insgesamt sehr stabil entwickelnden Segment zu nennen. „Zusätzlich zur Betrachtung der im Hafen umgeschlagenen Gütermengen sollte man auch berücksichtigen, dass über den Hamburger Hafen allein aus deutscher Produktion jährlich Waren im Wert von rund 116 Milliarden Euro in alle Welt exportiert werden. Der Hamburger Hafen sichert in Deutschland rund 607.000 Arbeitsplätze“, sagt Egloff.

China, die USA und Singapur führen in der Rankingliste der Top 10 Partnerländer Hamburgs im Containerumschlag
Beim Containerumschlag der zehn wichtigsten Partnerländer des Hamburger Hafens blieben die Länder auf den Positionen von Platz eins bis sechs unverändert. Der noch im Vorjahr zu verzeichnende Mengenrückgang im seeseitigen Containerumschlag mit China wurde gestoppt. Im Jahr 2021 wurde mit 2,6 Millionen TEU ein Plus von 5,5 Prozent erreicht. Damit festigt China die Position als Hamburgs mit Abstand wichtigster Handelspartner. „Wir freuen uns sehr, dass Hapag-Lloyd mit dem neuen China Germany Express (CGX) ab April den Hamburger Hafen wöchentlich mit dem südchinesischen Terminal Dachan Bay, welches zum Hafen Shenzhen gehört, verbinden wird. Mit diesem neuen Containerliniendienst wird das Angebot von insgesamt dann 18 Liniendiensten, die Hamburg mit chinesischen Häfen verbinden, weiter ausgebaut und Hamburgs Position als führender China-Hafen gefestigt“, sagt Mattern.

Unter den weiteren Handelspartnern im Containerverkehr folgen im Ranking nach China:

  • USA (+4,5 Prozent)
  • Singapur (+0,9 Prozent)
  • Russland (-3,0 Prozent)
  • Schweden (+7,5 Prozent)
  • Vereinigtes Königreich (-9,9 Prozent)
  • Polen (+20,7 Prozent)
  • Südkorea (-0,4 Prozent)
  • Dänemark (+4,6 Prozent)
  • Brasilien (+3,2 Prozent).

Die abgeschlossene Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe bringt Vorteile
Die ein- und auslaufende Schifffahrt profitiert jetzt im Vergleich zum Zustand vor der Fahrrinnenvertiefung – je nach Schiffsabmessung – von einer Tiefgangerhöhung zwischen 1,00 Meter und 1,90 Meter. So können zum Beispiel Megamax-Schiffe mit einer Breite bis zu 62,50 Meter oder einer Länge von 400 Meter tideunabhängig mit einem Tiefgang von bis zu 13,10 Meter den Hafen befahren. Vor der Anpassung waren es lediglich 11,40 Meter. Tideabhängig ausgehend sind es jetzt 14,10 Meter. Einkommend ist sogar ein Tiefgang von 15,40 Meter möglich. Hier waren es zuvor lediglich 13,60 Meter.

„Wir bedanken uns bei unseren Kunden und Partnern für ihr Vertrauen in uns und den Hamburger Hafen während des langjährigen Projekts Fahrrinnenanpassung. Seit Ende Januar dieses Jahres können wir nun – je nach Schiffsgröße – Verbesserungen bei den Höchsttiefgängen im tideunabhängigen und tideabhängigen Verkehr zwischen 1,00 und 1,90 m ermöglichen. Dies trägt dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens zu stärken“, sagt Jens Meier, CEO der Hamburg Port Authority.

Ein weiterer Vorteil ist die jetzt geschaffene Möglichkeit für eine bessere Begegnung großer Schiffe. So wurde bei Wedel auf einer Länge von acht Kilometern eine Begegnungsbox gebaut. Sie macht es möglich, dass Schiffe mit einer addierten Breite von weniger als 104 Meter aneinander vorbeifahren können. Zudem wurde die Fahrrinne zwischen Wedel und der Störmündung von 300 Meter auf 320 Meter erweitert. Hier können Schiffe mit einer addierten Breite von weniger als 92 Meter jetzt sicher aneinander vorbeifahren.

Die beiden Vorstände von Hafen Hamburg Marketing, Axel Mattern und Ingo Egloff, begrüßen die jetzt erfolgreich abgeschlossene Fahrrinnenanpassung der Elbe. „Für die Schifffahrt und unsere Hafenkunden aus der Wirtschaft bringen die Erleichterungen bei der Erreichbarkeit von Deutschlands größtem Universalhafen auch den Vorteil, mehr Ladung via Hamburg zu routen. Allein im vergangenen Jahr liefen 221 Großcontainerschiffe der Klasse 18.000 bis 24.000 TEU-Stellplatzkapazität den Hamburger Hafen an. Das ist ein Plus von 16,9 Prozent und verdeutlicht, dass die jetzt abgeschlossene Fahrrinnenanpassung von enormer Wichtigkeit für die sichere und schnelle Verkehrssteuerung auf der Elbe ist. Mit leistungsfähigen Verkehrswegen, smarten Logistiklösungen und zunehmenden Einsatz emissionsarmer Energieträger und Technik sind wir in Richtung nachhaltiges Wachstum auf dem richtigen Kurs“, sagt Mattern. Auf der Landseite übernimmt die umweltfreundliche Eisenbahn den Hauptanteil beim Transport von Gütern und verbindet die Marktregionen im Binnenland schnell und zuverlässig mit dem Hafen.

Ausblick 2022
„Der Krieg in der Ukraine wird sich auch auf die Umschlagentwicklung des Hamburger Hafens auswirken. Aktuell lässt sich jedoch noch nicht sagen, inwieweit die Sanktionen gegenüber Russland die Umschlagentwicklung beeinflussen werden. Eine realistische Prognose für das laufende Jahr lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht geben, denn auch die Corona-Pandemie könnte weiterhin Einfluss auf den seeseitigen Außenhandel nehmen“, sagt Mattern. Für das Jahr 2022 hofft die Marketingorganisation des Hamburger Hafens auf einen insgesamt stabilen Verlauf beim Seegüterumschlag.

Quelle: Hafen Hamburg; Foto: HHM / Hasenpusch production

NEE fordern agilen Netzausbau

Die Güterbahnen sehen sich täglich mit einem mangelhaft leistungsfähigen Schienennetz konfrontiert, das teilweise nicht mehr den derzeitigen Bedarf an Trassen zur Verfügung stellen kann – Chaos ist auch ohne Stürme häufig an der Tagesordnung. Um den Klimaschutz voranzubringen, sollen aber noch viel mehr Züge fahren. Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen hat nun darauf hingewiesen, dass es für mehr Kapazität nicht nur neue Strecken braucht, sondern auch das vorhandene Netz noch Potenzial hat.

 Zu viele Züge teilen sich in Deutschland das stagnierende Gleisnetz. Wird es nicht bald spürbar ausgebaut, wird es nichts mit Verkehrsverlagerung und Klimaschutz. Die Güterbahnen mahnen, dass der Ausbau des Schienennetzes deutlich beschleunigt und vor allem im vorhandenen Netz Möglichkeiten erschlossen werden müssen, um die Zugzahlen zu erhöhen. „Kleine und Mittlere Maßnahmen“ können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Ludolf Kerkeling, Vorstandsvorsitzender des Güterbahnen-Verbandes Netzwerk Europäischer Eisenbahnen, sagte in Berlin: „Verzweigt sich eine Autobahn, wird die Gegenfahrbahn natürlich mit einer Brücke überquert. Bei der Schiene schleicht der Zug viel zu oft über zwei Weichen – höhengleich sagen die Ingenieure – und ein anderer Zug aus der Gegenrichtung muss das abwarten. Güterzüge können nicht mit Strom fahren, weil ein kurzes Stück Oberleitung fehlt oder müssen verkürzt fahren, weil die Überholgleise nicht der europäischen Normlänge entsprechen. Die Abstände zwischen Signalen oder Weichen, die mit nur wenig mehr als Schritttempo befahren werden können, entscheiden maßgeblich, wie viele Züge pro Stunde auf einer Strecke unterwegs sein können.“

Die Güterbahnen fordern mit Nachdruck von der Bundesregierung und der DB Netz AG, mit „Kleinen und Mittleren Maßnahmen“ schnell mehr Kapazität zu schaffen. Das ist auch deswegen so wichtig, weil der Ausbau größerer Streckenneubauten nur sehr langsam vorankommt. Kerkeling: „Schnellere und überhaupt mehr Weichen einzubauen oder den Signalabstand zu verkürzen, ist vergleichsweise einfach, günstig und schnell umzusetzen. Ein paar Meter Gleis oder schon um Sekunden verkürzte Abläufe können mehr Gesamtkapazität auf einer Strecke erreichen. Das schafft die Entlastung, die wir so dringend benötigen.“

Vor allem der für die Schieneninfrastrukturfinanzierung zuständige Bund hat sich lange Zeit selbst im Weg gestanden. Bundesmittel erhielten nur größere Neubauprojekte – die DB Netz hat gleichzeitig aus Geldgründen das Netz verkürzt und Weichen, Abstellgleise und Signale zurückgebaut. In der Wachstumsphase von Güter- und Personenverkehr auf der Schiene haben dann beide die Kurve nicht mehr bekommen und zeigten zu lange mit dem Finger auf den jeweils anderen. Das Netz wächst seit Jahren nur minimal durch Neubauten und nur wenige größere Vorhaben werden in diesem Jahrzehnt wirklich fertiggestellt werden können.

Kerkeling: „Jetzt heißt es anpacken statt Schultern zucken. Die Lethargie der vergangenen zwei Jahrzehnte muss durchbrochen werden und Bund und Infrastrukturbetreiber ihrer Verantwortung nachkommen.“ Im September 2019 hat das Bundeskabinett zwar beschlossen, erstmals der DB Netz 1,4 Milliarden Euro binnen zehn Jahren für „Kleine und Mittlere Maßnahmen“ zur Verfügung zu stellen. Kerkeling: „Das war ein gutes Ergebnis des Masterplan Schiene, aber die Umsetzung geht viel zu langsam und der finanzielle Bedarf ist deutlich höher.“ Die Güterbahnen stellen in dieser Woche eine Animation zum Thema „Kleine und Mittlere Maßnahmen“ vor sowie einen Überblick über die verschiedenen Arten dieser Maßnahmen. Die Güterbahnen wollen informieren, welches Potenzial in den „KuMM“ steckt und einen Anstoß geben, beim großen Ziel Kapazitätsausbau die kleinen Helfer nicht zu vernachlässigen und damit aus der Schockstarre vor der Mammutaufgabe, mehr Netzkapazität zu schaffen, herauszukommen.

Quelle: NEE; Foto: pixabay.com/SeppH

PriMa Express 3/2022

Themen sind u.a.:

  • Kombinierter Verkehr: Nikrasa-Technik in 3. Generation
  • Nahverkehr: Ottobahn darf Teststrecke bauen
  • Verkehrspolitik: Rechnungshof will ÖPNV-Finanzierung umstrukturieren
  • Güterverkehr: Neues Geld und neuer CEO für Cargobeamer
  • Digitalisierung: Hitachi Rail darf für DB Stellwerke bauen

Wir wünschen angenehme Lektüre!

» Download Newsletter

PriMa Express 2/2022 erschienen

Themen sind u.a.:

  • Güterverkehr: DAK-Demonstrationszug geht auf Europatournee
  • KV: Neuverkehre für Terminal Osnabrück
  • Alternative Antriebe: Batterie-Talent im Fahrgastbetrieb
  • Nahverkehr: VRR übernimmt Abellio-Werkstätten
  • Infrastruktur: OHE-Strecken jetzt in Landeshand

Wir wünschen angenehme Lektüre und ein schönes Wochenende!

» Download Newsletter