NEE: SGV-Stopp aufklären und verhindern

Heute Morgen wurde laut dem Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e.V. (NEE) pauschal der Schienengüterverkehr für mehrere Stunden in großen Teilen Deutschlands von der DB Netz AG festgesetzt. Auslöser war die Meldung des Bahnstromnetzbetreibers DB Energie, dass Wartungsarbeiten in verschiedenen Kraftwerken und ein anschließender Kraftwerksausfall zu einer Unterversorgung des Stromnetzes führten. Die Güterbahnen wurden vom Eingriff in den geplanten Verkehr begreiflicherweise überrascht und fordern eine unabhängige Prüfung dieser Angaben. Sollte zudem zutreffen, dass einseitig Güterverkehre angehalten wurden, will das NEE die Bundesnetzagentur einschalten. Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbandes:

„Sollte die DB pauschal den Güterverkehr angehalten haben, wäre das ein absolutes Novum. Wir werden die Bundesnetzagentur einschalten, um das aufzuarbeiten und eine Wiederholung definitiv zu verhindern. Der Güterverkehr ist nicht der Wurmfortsatz der Eisenbahnbranche, er ist systemrelevant für die Industrienation und die Versorgung der Bevölkerung. Große Teile unserer Verkehre haben heutzutage ähnliche Pünktlichkeitsanforderungen wie der Personenverkehr. Unsere industriellen Kunden haben keinerlei Verständnis für mehrstündige Verspätungen. Gerade im Kombinierten Verkehr zerstören schon länger Probleme mit Verfügbarkeit des Schienennetzes die mühsam geplanten Umläufe der Züge und Personalplanungen, teils mit wochenlangen Folgewirkungen. Das darf sich nicht auf die Stromversorgung ausweiten. Der Schienengüterverkehr muss verlässlich sein und verträgt keine weiteren Strapazen seitens der Infrastrukturbetreiber, sonst werden sich die Kunden abwenden und die Ladung  auf die Straße gehen. Die DB muss so oder so eine schnelle Regulierung der bei den Betroffenen entstandenen Schäden gewährleisten.“

Peter Westernberger

Hintergrund
Die Netzfrequenz im Bahnstromnetz (abweichend vom öffentlichen Netz 16 2/3 Hz) muss durch die Netzleitstelle der DB Energie in engen Toleranzen gesichert werden. Dafür müssen der Bedarf und die Einspeisung kontinuierlich ausgeregelt werden. In den bisher äußerst seltenen Fällen des Ausfalls eines Teils der Einspeisung (Kraftwerk, Umrichter) muss der Verbrauch entsprechend bei den drei Verkehrsarten Personenfern-, Personennah- und Güterverkehr abgesenkt werden. Selbstverständlich gibt es auch Transporte, die bei akutem Strommangel etwas verschoben werden können. Die Notfallplanung der DB Energie muss allerdings differenziert vorgehen. Mit der Steuerung der energieintensiven Anfahrts- und Beschleunigungsprozesse, der Höchstgeschwindigkeit gerade bei ICE-Zügen, Fahrempfehlungen, der Schwächung und dem Ausfall schwach ausgelasteter Zügen oder der Verschiebung von Leerfahrten stehen Instrumente bereit, die Auswirkungen eines solchen Zwischenfalls zu begrenzen.

Quelle: NEE; Fotos: Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben, NEE

NEE fordern agilen Netzausbau

Die Güterbahnen sehen sich täglich mit einem mangelhaft leistungsfähigen Schienennetz konfrontiert, das teilweise nicht mehr den derzeitigen Bedarf an Trassen zur Verfügung stellen kann – Chaos ist auch ohne Stürme häufig an der Tagesordnung. Um den Klimaschutz voranzubringen, sollen aber noch viel mehr Züge fahren. Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen hat nun darauf hingewiesen, dass es für mehr Kapazität nicht nur neue Strecken braucht, sondern auch das vorhandene Netz noch Potenzial hat.

 Zu viele Züge teilen sich in Deutschland das stagnierende Gleisnetz. Wird es nicht bald spürbar ausgebaut, wird es nichts mit Verkehrsverlagerung und Klimaschutz. Die Güterbahnen mahnen, dass der Ausbau des Schienennetzes deutlich beschleunigt und vor allem im vorhandenen Netz Möglichkeiten erschlossen werden müssen, um die Zugzahlen zu erhöhen. „Kleine und Mittlere Maßnahmen“ können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Ludolf Kerkeling, Vorstandsvorsitzender des Güterbahnen-Verbandes Netzwerk Europäischer Eisenbahnen, sagte in Berlin: „Verzweigt sich eine Autobahn, wird die Gegenfahrbahn natürlich mit einer Brücke überquert. Bei der Schiene schleicht der Zug viel zu oft über zwei Weichen – höhengleich sagen die Ingenieure – und ein anderer Zug aus der Gegenrichtung muss das abwarten. Güterzüge können nicht mit Strom fahren, weil ein kurzes Stück Oberleitung fehlt oder müssen verkürzt fahren, weil die Überholgleise nicht der europäischen Normlänge entsprechen. Die Abstände zwischen Signalen oder Weichen, die mit nur wenig mehr als Schritttempo befahren werden können, entscheiden maßgeblich, wie viele Züge pro Stunde auf einer Strecke unterwegs sein können.“

Die Güterbahnen fordern mit Nachdruck von der Bundesregierung und der DB Netz AG, mit „Kleinen und Mittleren Maßnahmen“ schnell mehr Kapazität zu schaffen. Das ist auch deswegen so wichtig, weil der Ausbau größerer Streckenneubauten nur sehr langsam vorankommt. Kerkeling: „Schnellere und überhaupt mehr Weichen einzubauen oder den Signalabstand zu verkürzen, ist vergleichsweise einfach, günstig und schnell umzusetzen. Ein paar Meter Gleis oder schon um Sekunden verkürzte Abläufe können mehr Gesamtkapazität auf einer Strecke erreichen. Das schafft die Entlastung, die wir so dringend benötigen.“

Vor allem der für die Schieneninfrastrukturfinanzierung zuständige Bund hat sich lange Zeit selbst im Weg gestanden. Bundesmittel erhielten nur größere Neubauprojekte – die DB Netz hat gleichzeitig aus Geldgründen das Netz verkürzt und Weichen, Abstellgleise und Signale zurückgebaut. In der Wachstumsphase von Güter- und Personenverkehr auf der Schiene haben dann beide die Kurve nicht mehr bekommen und zeigten zu lange mit dem Finger auf den jeweils anderen. Das Netz wächst seit Jahren nur minimal durch Neubauten und nur wenige größere Vorhaben werden in diesem Jahrzehnt wirklich fertiggestellt werden können.

Kerkeling: „Jetzt heißt es anpacken statt Schultern zucken. Die Lethargie der vergangenen zwei Jahrzehnte muss durchbrochen werden und Bund und Infrastrukturbetreiber ihrer Verantwortung nachkommen.“ Im September 2019 hat das Bundeskabinett zwar beschlossen, erstmals der DB Netz 1,4 Milliarden Euro binnen zehn Jahren für „Kleine und Mittlere Maßnahmen“ zur Verfügung zu stellen. Kerkeling: „Das war ein gutes Ergebnis des Masterplan Schiene, aber die Umsetzung geht viel zu langsam und der finanzielle Bedarf ist deutlich höher.“ Die Güterbahnen stellen in dieser Woche eine Animation zum Thema „Kleine und Mittlere Maßnahmen“ vor sowie einen Überblick über die verschiedenen Arten dieser Maßnahmen. Die Güterbahnen wollen informieren, welches Potenzial in den „KuMM“ steckt und einen Anstoß geben, beim großen Ziel Kapazitätsausbau die kleinen Helfer nicht zu vernachlässigen und damit aus der Schockstarre vor der Mammutaufgabe, mehr Netzkapazität zu schaffen, herauszukommen.

Quelle: NEE; Foto: pixabay.com/SeppH

Offener Brief: Störung europäischer Lieferketten durch deutsches Schienennetz

Einige Stakeholder des europäischen Schienengüterverkehrs klagen in einem Offenen Brief über die Probleme im deutschen Schienennetz. Der Brief richtet sich an EU-Kommissarin Adina Vălean, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, seinen designierten Nachfolger Volker Wessing und DB Netz-Chef Frank Sennhenn.

Disturbances to European Supply Chains due to unavailability of German Rail Network

Dear Commissioner Vălean,
Dear Minister Scheuer,
Dear Mr. Wissing,
Dear Mr. Sennhenn,

We, the below signed organizations, are writing to you to raise serious concern regarding the amount, gravity and length of disturbances we are facing since the last two weeks on the German rail network. These disturbances, joined with a lack of alternative capacity being made available, has led to a situation where rail freight in and travelling through Germany on main corridors is coming to a near standstill.

Seamless rail freight operations are crucial for the security of supply for European industry and customers, especially in the context of the ongoing COVID-19 pandemic, and taking into consideration the strain being placed on global supply chains. We as railway undertakings,
intermodal operators, shippers, freight forwarders, wagon keepers and industry associations are working hard on ensuring freight continuity. In addition to the role of rail freight in supply chains, rail freight has to become more attractive as set out in the EU Green Deal and
Sustainable and Smart Mobility Strategy and increase its market share.

Currently, very intensive construction works are ongoing on the German rail network of DB Netz as a result of a backlog of investments. However, we expect that these works are completed in a professional and perfectly planned manner, including a high level of coordination and contingency plans addressing disturbances. Over the last two weeks, we faced an unacceptable situation due to disturbances on switches, signaling boxes and non-availability of personal of DB Netz. Many parts of the system – particularly along Rail Freight Corridor Rhine Alpine – have been unable to function efficiently and dozens of international freight trains had to be either parked and/or were heavily delayed. The problem-solving capability of DB Netz has been extremely weak – to the point that the performance of DB Netz has resulted in unnecessary bottlenecks.

This creates a problem of a European dimension. The German rail infrastructure network of DB Netz is central to European rail freight transportation. With six of the nine rail freight corridors transiting through Germany, the current situation therefore has the potential to
cause significant reputational and economic damage to European rail freight. It worsens existing congestion problems in European Seaports and their hinterlands and contributes to further supply chain shortages.

The situation for EU rail freight is critical and immediate action of DB and DB Netz is needed. In order to ensure the good functioning of rail freight supply chains, the below associations request the following actions are taken as soon as possible:

  • Better coordination at international level between the various infrastructure managers for the planning of major works and construction site planning. The tendency to split construction works in smaller pieces leads to a less integrated view and less international coordination;
  • Equal rights for freight and passenger train in the planning phase regarding restrictions and capacity loss. Cost-benefit analysis including the possible loss of transport capacity;
  • A “freight reset procedure” should be adopted under which – using additional train paths provided during the weekends – operators of regular freight trains can remedy the delays caused during the weekday construction works and thereby catch-up to begin the new week with a clean slate;
  • More intensive monitoring of construction works with the primary goal to avoid timeouts;
  • Clear contingency plans (material, personnel, processes) to prepare for possible disturbances;
  • Establishment of a commission which involves Railway Undertakings for the approval of works that foresee disruptions of more than 50% of the rail capacity;
  • Proactive and comprehensive communication at management level in the event of serious disruptions;
  • Strong commitment and priority for providing alternative capacity for international rail freight services, particularly along rail freight corridors;

Again, we recognize the need for works to be carried out and are also aware of the challenging situation, but we cannot accept a situation whereby international freight transportation services are put in jeopardy.
We therefore strongly urge the relevant authorities to implement the above-mentioned measures to avoid permanent damage to European rail freight transport – making modal shift impossible.

We stay at your disposition for further exchange or participation at a possible round table.

>>Download des Offenen Briefes<<

Quelle: ERFA; Foto: Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe

Thema der Woche: Keine Zeit zu verlieren

Letzte Woche stellte die sogenannt Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP ihren Koalitionsvertrag vor. Grundsätzlich ist der Koalitionsvertrag positiv zu bewerten, das sehen auch die großen Player der Schiene so. Es gibt aber auch noch einige Punkte zu klären.

Alles in allem ist die Botschaft des Schienensektors an die neue Bundesregierung klar: Man steht in den Startlöchen und ist bereit, die Verkehrswende anzupacken. Allerdings besteht die große Sorge, dass großen Ankündigungen erneut keine Taten folgen.

Lesen Sie mehr in unserem Thema der Woche.

Das neue ZuBa ist da! Nächster Halt: Karriere!

Seit über zehn Jahren spricht das Handbuch „Zukunftsbranche Bahn“ junge Menschen an, die sich in ihrer Berufswahl noch nicht sicher sind, und stellt die Berufsbilder, die die Bahnbranche bietet, transparent und attraktiv vor. Über 60.000 Exemplare mit mehr 2000 redaktionellen Seiten sind seit dieser Zeit an Schulen und Hochschulen sowie auf Messen verteilt worden. Das Handbuch „Zukunftsbranche Bahn 2021/2022“ ist erschienen.

Es gibt dem Leser einen umfangreichen Einblick in die Branche in den Bereichen:
– Berufsbilder Bahn
– Unternehmen
– Schulen

Ein umfassender Bewerbungshelfer von Hesse/Schrader rundet das Paket für Einsteiger, Umsteiger und Quereinsteiger ab.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Berufsorientierung!

Das gesamte Handbuch ist hier einzusehen.


An dieser Stelle auch vielen Dank an die vielen Unterstützer:
AzubiMobil

Bundesagentur für Arbeit
InnoTrans Campus
NA | DAAD
NEE
Swissrail
VDB
VDV
VPI

PriMa Express 22/2021 erschienen

Themen sind u.a.:

  • Wettbewerber-Report: Mofair und NEE sehen noch Luft nach oben
  • Verkehrspolitik: Nur wenige Bahnpolitiker in Ampel-Teams
  • Nahverkehr: SWEG soll Abellio im „Ländle“ übernehmen
  • Regulierung: Netzagentur fordert zügigen Winterdienst von DB Netz
  • Magnetschwebebahn: Öffentliche Premiere für TSB Cargo

Wir wünschen angenehme Lektüre und ein schönes Wochenende!

>>Download Newsletter<<

Thema der Woche: Grünes Signal für die Schiene

mofair und NEE präsentieren den 7. Wettbewerber-Report Eisenbahnen 2021/22. Demnach haben die Privatbahnen einen guten Stand: Im Güterverkehr erreichte ihr Marktanteil im Jahr 2020 57 Prozent, Tendenz weiter steigend. Im SPNV stieg der Marktanteil auf knapp 41 Prozent. Die Wettbewerber fordern, jetzt der Schiene Priorität zu geben.

Lesen Sie mehr in unserem Thema der Woche.

PriMa Express 18/21 erschienen

Themen sind u.a.:

  • Fernverkehr: Snalltaget-Nachtzug bekommt subventionierte Konkurrenz
  • Personenverkehr: Renfe besitzt jetzt 50 Prozent von Leo Express
  • Infrastruktur: Regelwerk fit machen für Predictive Maintenance
  • Güterverkehr: NEE und Industrie streiten über GDL-Streik
  • Digitalisierung: Straßenbahn lernt autonomes Rangieren

Wir wünschen angenehme Lektüre und ein schönes Wochenende!

>>Download Newsletter<<

Fit for 55: Ein guter erster Schritt

Die Europäische Kommission hat das so genannte „Fit for 55“-Paket vorgestellt. Darin macht sie 13 Vorschläge, um das verschärfte EU-Klimaschutzziel bis 2030 zu erreichen. Auch der Verkehrssektor spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Betreiber von Bus und Bahn, denen eine wichtige Funktion bei der Erreichung der Ziele im Verkehrssektor zukommt, könnten an mehreren Stellen von den Vorschlägen profitieren. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) unterstützt die Initiativen im Rahmen des Pakets. Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) ist derweil der Meinung, das Paket geht nicht weit genug.

VDV-Präsident Ingo Wortmann: „Das nun vorliegende Gesetzespaket der EU-Kommission begrüßen wir, da es aus Sicht unserer Branche an den richtigen Stellschrauben ansetzt, um gemeinsam in der EU bis 2030 die verschärften Klimaschutzziele zu erreichen. Nur wenn Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam und mit der nötigen Konsequenz an der Umsetzung des Klimaschutzes mitwirken, können wir die notwendige Reduktion von Treibhausgasen in diesem kurzen Zeitraum noch schaffen. Das „Fit for 55“-Paket der EU-Kommission leistet dazu einen wichtigen Beitrag und die darin enthaltenen Gesetzgebungsinitiativen werden auch im Verkehrssektor zur Emissionsreduzierung beitragen.“

Positive Entwicklungen bei Energiebesteuerung und Ladeinfrastruktur
Bei den Änderungsvorschlägen zu zwei zentralen Richtlinien im Gesetzespaket der EU-Kommission sehen der VDV und seine Mitgliedsunternehmen positive Ergebnisse für die Branche. Zum einen werden ÖPNV und Schiene im Rahmen der „Energiebesteuerungsrichtlinie (2003/96/EG)“ als wichtige Dienste anerkannt. Damit können die Mitgliedstaaten auch weiterhin reduzierte Steuersätze bei der Energiebesteuerung anwenden. „Das ist mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene und mit Blick auf die künftigen Betriebskosten im ÖPNV ein entscheidender Punkt. Denn unsere Angebote werden nicht nur auf der Schiene, sondern auch beim Bus immer häufiger elektrisch betrieben. Eine reduzierte Besteuerung, etwa auf den Fahrstrom, ist daher unbedingt notwendig, um bei zunehmender Elektrifizierung der Branche weiterhin wirtschaftlich fahren zu können“, so VDV-Präsident Wortmann.

Eine zweite wichtige Entscheidung der Kommission findet sich aus Branchensicht in der „Richtlinie über den Aufbau der Infrastuktur für alternative Kraftstoffe (2014/94/EU)“: Die Mitgliedstaaten sollen künftig den öffentlichen und nicht-öffentlichen Aufbau von ÖPNV-Infrastruktur für alternative Kraftstoffe – also zum Beispiel Ladeinfrastruktur für E-Busse auf den Betriebshöfen – mit in ihre nationalen Strategien aufnehmen. Zudem bleibt die Definition von „alternativen Kraftstoffen“ im bisherigen Sinne nahezu erhalten. Dadurch wird Rechtssicherheit bei der Umsetzung der Clean Vehicles Richtlinie gewährleistet, die sich für ihre Definition eines „sauberen Busses“ auf die Liste der Technologien stützt. Bei bereits geplanten und getätigten Investitionen, etwa in entsprechende Fahrzeuge seitens der Verkehrsunternehmen, sind damit keine weiteren Anpassungen nötig. Aus dieser bisherigen Richtlinie soll außerdem künftig eine Verordnung werden, die damit unmittelbar in den EU-Mitgliedsstaaten gilt und nicht erst in nationales Recht umgesetzt werden muss.

„Insgesamt zeigt die EU-Kommission, dass sie mit diesen Vorschlägen und Verbesserungen erkannt hat, dass der Aufbau und die Investitionen in alternative Antriebe und in den Öffentlichen Verkehr insgesamt ein Schlüssel sind, um die europäischen Klimaschutzziele bis 2030 im Verkehrssektor zu erreichen. Nun müssen die einzelnen Initiativen schnellstmöglich von EU-Parlament und Ministerrat beschlossen werden, damit sie zeitnah umgesetzt werden können“, so Wortmann abschließend.

Kritik vom NEE
Vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) kommen derweil Laute anderer Tonart. Für die Schienen-EVU geht die EU-Kommission keinesfalls weit genug in Sachen Klimaschutz. Geschäftsführer Peter Westenberger, hält fest: „Wir bedauern, dass die EU-Kommission die Chance nicht nutzt, die Abschaffung von Dieselsteuerprivilegien und Tanktourismus vorzuschlagen. Die vorgeschlagene neue Mindeststeuer läge deutlich zu niedrig. Damit würde sich kurzfristig an den Wettbewerbsverzerrungen zwischen Lkw und Schiene und zwischen Mitgliedsstaaten nichts ändern. Ein funktionierender Emissionshandel im Verkehr ist ebenso Zukunftsmusik wie die von Verkehrskommissarin Valean beschworenen CO2-neutralen schweren Lkw.
Im gesamten Paket spielt die existierende Alternative der Schiene eine viel zu geringe Rolle. Dabei ist gerade sie die Grundlage im Verkehrsbereich, denn sie bietet momentan die einzige Aussicht, schnell den Verkehrssektor klimafreundlich zu machen. Für Subventionen in Abermilliarden-Euro-Höhe, die klimafreundlichere Antriebe gegenüber fossilen Kraftstoffen konkurrenzfähig machen sollen, wird absehbar staatliches Geld fehlen. Hier würde Unterstützung an die falsche Stelle gelenkt. Sie sollte doch in erster Linie dorthin gehen, wo auch künftig am energieeffizientesten und klimafreundlichsten transportiert werden kann.“

Quellen: VDV, NEE; Foto: Jeyaratnam Caniceus auf Pixabay

PriMa Express 12/2021 erschienen

Themen sind u.a.:

  • Güterverkehr: BMVI will verpflichtende Kranbarkeit von Sattelaufliegern untersuchen
  • Nahverkehr: Triebzüge sollen untereinander kuppelbar werden
  • Güterverkehr: VTG führt laufleistungsabhängige Instandhaltung ein
  • Infrastruktur: NEE und mofair hadern mit Baustellenmanagement
  • Nahverkehr: Abruf der GVFG-Mittel stockt

Wir wünschen angenehme Lektüre und ein schönes Wochenende!

>> Download Newsletter <<