PriMa Express 6/2022 erschienen

Themen sind u.a.:

  • Ukraine-Krieg: Eisenbahn gerät zunehmen ins Visier Russland
  • Bahnpolitik: Ambivalente Bilanz für Ampel-Haushaltsentwurf
  • Digitalisierung: System für automatisierte Bremsprobe erhält Segen vom TÜV Süd
  • Infrastruktur: VDV-Regelwerk für Oberleitung steht kurz vor der Freigabe
  • Güterverkehr: Zu wenig Strom – DB Netz stoppt Güterzüge

Wir wünschen angenehme Lektüre und ein schönes Wochenende!

» Download Newsletter

rnv führt INIT Lademanagement ein

Mit der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) setzt der führende ÖPNV-Anbieter der Metropolregion Rhein-Neckar künftig auf INITs Lademanagement für Elektrobusse, MOBILEcharge. Angebunden wird es nahtlos an das vor Kurzem von der rnv eingeführte Depotmanagementsystem zur Disposition und Einsatzplanung der Busse.

Ladeinfrastruktur für Busse und PKW
Mit dem System von INITs Tochterunternehmen CarMedialab kann die rnv perspektivisch ihre im Aufbau befindliche Elektrobusflotte sowie auch batterie-elektrische PKW auf dann vier Betriebshöfen mit zunächst über 100 Ladepunkten effizient und kostensparend laden. Wesentlich ist für die rnv dabei die Interoperabilität, also das reibungslose Zusammenspiel von Lösungen verschiedener Anbieter: Für die Vernetzung von Depot- und Lademanagement sorgt die neue Schnittstelle VDV 463 zum Datenaustausch zwischen Lademanagement, Depotmanagement und Leitsystem – sie ist unter Mitarbeit von CarMedialab entstanden. VDV 261 unterstützt dann bei der Vorkonditionierung der Elektrobusse.

Ladeprozesse immer im Blick
Das Lademanagement steuert sämtliche Ladevorgänge und berechnet Ladepläne aufgrund der vom Depotmanagement zur Verfügung gestellten Informationen. Daneben unterstützt MOBILEcharge die rnv beim Echtzeit-Monitoring der gesamten Ladeinfrastruktur und behält damit die Ladeprozesse und die Funktionstüchtigkeit der Ladepunkte jederzeit im Blick. Die Vernetzung mit dem Depotmanagement ermöglicht es, langsamer mit weniger Stromstärke zu laden und damit die Lebensdauer der Batterie zu verlängern, da die Informationen über die Standzeiten vorliegen und somit der gesamte Zeitraum für den Ladevorgang genutzt werden kann. Dadurch verringert MOBILEcharge zudem den Gesamtenergiebedarf.

Für CarMedialab-Geschäftsführer Heiko Bauer ist der rnv-Auftrag ein Musterbeispiel für Systemflexibilität: „Bei INIT und CarMedialab wollen wir es den Verkehrsunternehmen so einfach wie möglich machen. Deswegen unterstützen wir alle Formen von Interoperabilität und haben zur Entwicklung der neuen VDV-Schnittstelle 463 intensiv beigetragen. Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit der rnv.“

Quelle: INIT; Foto: Rhein-Neckar-Verkehr GmbH

Neuordnung der Eisenbahner-Ausbildung

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Branchenverband für derzeit 639 Unternehmen des öffentlichen Personen- und des Schienengüterverkehrs, begrüßt den auf seine Initiative und unter seiner Mitarbeit erzielten Abschluss der Arbeiten bei der Neuordnung der dualen Berufsausbildung im Eisenbahnbereich.

„Der Branchenverband hat mit seinen Partnern in nur zwölf Monaten erfolgreich bewiesen, dass die Branche den Wandel aktiv begleitet und innovative, zukunftsgerichtete Berufsformate in kürzester Zeit weiterentwickeln kann. Die neugeschaffenen Ausbildungsberufe bei der Eisenbahn bieten Nachwuchskräften abwechslungsreiche Jobperspektiven in der klimafreundlichen Mobilität. Mit der reformierten Berufsausbildung, die zum August 2022 beginnt, können die Auszubildenden ihr Berufsleben mit den Schwerpunkten Lokführer und Transport oder in der Zugverkehrssteuerung starten“, so VDV-Vizepräsident Joachim Berends.

Neben der inhaltlichen Neuausrichtung werden künftig die Digitalisierung und der Einsatz neuer Techniken von größerer Bedeutung sein. Für die Neuordnung wurde die Prüfung durch die Ministerien heute beendet. Der formale Abschluss des Verfahrens wird mit dem Erlass der Verordnung Anfang 2022 erwartet.

Mit der Neuordnung Zahl der Auszubildenden steigern
„Ziel ist es, mit dieser Neuordnung die aktuelle Zahl von 1.557 Auszubildenden branchenweit zu steigern, um dem drängenden Personalbedarf bei den Eisenbahnverkehrs- und -infrastrukturunternehmen erfolgreich zu begegnen. Denn diese Zahl ist nicht ausreichend, gerade mit Blick auf die Zielstellungen, wie sie im Koalitionsvertrag auf Bundesebene für die Schiene formuliert sind“, so Berends. „Die Branche steht hier in der Verantwortung.“ Zu Beginn der dreijährigen Ausbildung erlernen die Auszubildenden zunächst berufsübergreifende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die allgemein für die Tätigkeit im Eisenbahnbereich benötigt werden. Im Anschluss erfolgt die Spezialisierung.

Spezialisierungen für die Lok oder im Stellwerk
„Wir fahren da jetzt zweigleisig: Die Tätigkeitsprofile für Triebfahrzeugführer und im Bereich Fahrweg haben sich auseinanderentwickelt und lassen sich nicht mehr in einem einzigen Ausbildungsberuf darstellen. Mit zwei gesonderten Ausbildungen können die Kenntnisse und Fertigkeiten – etwa bei digitalen Simulationen – künftig zielgerichteter auf die Lernenden und deren Arbeitsgebiete abgestimmt werden“, so der VDV-Vizepräsident. Als Eisenbahner im Betriebsdienst Lokführer und Transport (m, w, d) steuern sie künftig Triebfahrzeuge für den Personen-, Güter- und Rangierverkehr. Während ihrer Ausbildung sind sie bereits mitverantwortlich dafür, ob alle Geräte und Instrumente des Zuges reibungslos funktionieren. Zum Einsatz kommen hierbei die neuesten IT-gestützten Techniken in den Fahrzeugen. Die duale Ausbildung als Eisenbahner (m, w, d) in der Zugverkehrssteuerung sorgt für das Rüstzeug für die künftigen sicheren Weichensteller.

Berufsausbildung gegenüber Studium aufwerten
Vom ersten Tag an erlernen die Auszubildenden, wie Gleisanlagen aufgebaut und Bahnübergangssicherungsanlagen bedient werden, wie Züge gebildet werden und welche Voraussetzungen für die Betriebssicherheit vorliegen müssen. Aufgrund der hohen Komplexität im Schienennetz gelangt die modernste Informationstechnologie zum Einsatz. Der Personalbedarf bei den Eisenbahnen ist auch in der Pandemie unverändert hoch. In der aktuellen branchenweiten VDV-Personalumfrage gaben 62 Prozent der teilnehmenden Eisenbahnen an, dass ihr Personalbedarf im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr zugenommen hat, bei 38 Prozent blieb er unverändert; abnehmenden Personalbedarf verzeichnete keine Bahn. „Die Perspektiven der angehenden Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sind angesichts des Personalbedarfs glänzend. Auch wenn die Verdienstmöglichkeiten im Branchenvergleich überdurchschnittlich sind, müssen wir diese Ausbildungen stärker wertschätzen. Sie sind entscheidend für unseren Erfolg als Branche“, so Berends abschließend.

Quelle: VDV; Foto: Deutsche Bahn AG/Dominic Dupont

Thema der Woche: Keine Zeit zu verlieren

Letzte Woche stellte die sogenannt Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP ihren Koalitionsvertrag vor. Grundsätzlich ist der Koalitionsvertrag positiv zu bewerten, das sehen auch die großen Player der Schiene so. Es gibt aber auch noch einige Punkte zu klären.

Alles in allem ist die Botschaft des Schienensektors an die neue Bundesregierung klar: Man steht in den Startlöchen und ist bereit, die Verkehrswende anzupacken. Allerdings besteht die große Sorge, dass großen Ankündigungen erneut keine Taten folgen.

Lesen Sie mehr in unserem Thema der Woche.

Das neue ZuBa ist da! Nächster Halt: Karriere!

Seit über zehn Jahren spricht das Handbuch „Zukunftsbranche Bahn“ junge Menschen an, die sich in ihrer Berufswahl noch nicht sicher sind, und stellt die Berufsbilder, die die Bahnbranche bietet, transparent und attraktiv vor. Über 60.000 Exemplare mit mehr 2000 redaktionellen Seiten sind seit dieser Zeit an Schulen und Hochschulen sowie auf Messen verteilt worden. Das Handbuch „Zukunftsbranche Bahn 2021/2022“ ist erschienen.

Es gibt dem Leser einen umfangreichen Einblick in die Branche in den Bereichen:
– Berufsbilder Bahn
– Unternehmen
– Schulen

Ein umfassender Bewerbungshelfer von Hesse/Schrader rundet das Paket für Einsteiger, Umsteiger und Quereinsteiger ab.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Berufsorientierung!

Das gesamte Handbuch ist hier einzusehen.


An dieser Stelle auch vielen Dank an die vielen Unterstützer:
AzubiMobil

Bundesagentur für Arbeit
InnoTrans Campus
NA | DAAD
NEE
Swissrail
VDB
VDV
VPI

12. Fachtagung für Anschlussbahnleiter

Einmal im Jahr veranstalten die AnschlussBahnProfis und die Rechtsanwaltskanzlei Niekamp für alle Betreiber und Verantwortlichen von Anschlussbahnen eine Fachtagung zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch.

Die 12. Fachtagung für Anschlussbahnleiter wird am 24. November 2021 wieder als Präsenzveranstaltung im Hotel Maritim im Schlossgarten in Fulda stattfinden.

Die Vorträge der 12. Fachtagung für Anschlussbahnleiter:

  • Die Gleisanschlüsse und die Verkehrspolitik des Bundes – Rück- und Ausblick Stephan Bull, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
  • Neue gesetzliche Regelungen zum Gleisanschluss – Die Änderungen des § 13 AEG vom 01.07.2021 und Handlungsempfehlungen bezüglich bestehender Infrastrukturanschlussverträge der DB Netz AG: Andy Niekamp, Niekamp Rechtsanwälte
  • Aktuelles Eisenbahnrecht – Aktuelle, bevorstehende und geplante Änderungen sowie ausgewählte behördliche und gerichtliche Entscheidungen aus Sicht der Werks-/Anschlussbahnen: Michael Fabian, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV)
  • Aufgaben des Anschlussbahnleiters
    Bahnbetrieb: AEG, EIGV/TSI, EBO oder EBOA/BOA, Richtlinien, Anweisungen – Anwendung der gesetzlichen Anforderungen an den Betrieb von Werks-/Anschlussbahnen in der Praxis
    Co-Referat: August Gehm, AnschlussBahnProfis und Andy Niekamp, Niekamp Rechtsanwälte
    Infrastruktur: Weichenprüfung – Grenzwerte – Weichenkarteikarte

    Bernd Stieber, Sachverständiger für Bautechnik Gleisoberbau/Fahrweg
    Fahrzeuge: Innovationen, Automatisierung und Digitalisierung von Werks-/Anschlussbahnen
    Jürgen Schiemer, Vollert Anlagenbau GmbH
    Eisenbahnrecht: Arbeitssicherheit in Anschluss- bzw. Werksbahnen
    David Spandau, SES Aus- und Fortbildung e.K.
  • Aktuelle Praxisfälle aus der Anwendung des AVV (Allgemeiner Vertrag über
    die Verwendung von Güterwagen):
    Prof. Dr. Rainer Freise
  • Erste Erfahrungen mit der neuen Gleisanschlussförderung des Bundes: Friedrich Gitterle, AnschlussBahnProfis

Das Programm und Anmeldeformular zum Download finden Sie hier.

Quelle/Foto: AnschlussBahnProfis

Fit for 55: Ein guter erster Schritt

Die Europäische Kommission hat das so genannte „Fit for 55“-Paket vorgestellt. Darin macht sie 13 Vorschläge, um das verschärfte EU-Klimaschutzziel bis 2030 zu erreichen. Auch der Verkehrssektor spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Betreiber von Bus und Bahn, denen eine wichtige Funktion bei der Erreichung der Ziele im Verkehrssektor zukommt, könnten an mehreren Stellen von den Vorschlägen profitieren. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) unterstützt die Initiativen im Rahmen des Pakets. Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) ist derweil der Meinung, das Paket geht nicht weit genug.

VDV-Präsident Ingo Wortmann: „Das nun vorliegende Gesetzespaket der EU-Kommission begrüßen wir, da es aus Sicht unserer Branche an den richtigen Stellschrauben ansetzt, um gemeinsam in der EU bis 2030 die verschärften Klimaschutzziele zu erreichen. Nur wenn Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam und mit der nötigen Konsequenz an der Umsetzung des Klimaschutzes mitwirken, können wir die notwendige Reduktion von Treibhausgasen in diesem kurzen Zeitraum noch schaffen. Das „Fit for 55“-Paket der EU-Kommission leistet dazu einen wichtigen Beitrag und die darin enthaltenen Gesetzgebungsinitiativen werden auch im Verkehrssektor zur Emissionsreduzierung beitragen.“

Positive Entwicklungen bei Energiebesteuerung und Ladeinfrastruktur
Bei den Änderungsvorschlägen zu zwei zentralen Richtlinien im Gesetzespaket der EU-Kommission sehen der VDV und seine Mitgliedsunternehmen positive Ergebnisse für die Branche. Zum einen werden ÖPNV und Schiene im Rahmen der „Energiebesteuerungsrichtlinie (2003/96/EG)“ als wichtige Dienste anerkannt. Damit können die Mitgliedstaaten auch weiterhin reduzierte Steuersätze bei der Energiebesteuerung anwenden. „Das ist mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene und mit Blick auf die künftigen Betriebskosten im ÖPNV ein entscheidender Punkt. Denn unsere Angebote werden nicht nur auf der Schiene, sondern auch beim Bus immer häufiger elektrisch betrieben. Eine reduzierte Besteuerung, etwa auf den Fahrstrom, ist daher unbedingt notwendig, um bei zunehmender Elektrifizierung der Branche weiterhin wirtschaftlich fahren zu können“, so VDV-Präsident Wortmann.

Eine zweite wichtige Entscheidung der Kommission findet sich aus Branchensicht in der „Richtlinie über den Aufbau der Infrastuktur für alternative Kraftstoffe (2014/94/EU)“: Die Mitgliedstaaten sollen künftig den öffentlichen und nicht-öffentlichen Aufbau von ÖPNV-Infrastruktur für alternative Kraftstoffe – also zum Beispiel Ladeinfrastruktur für E-Busse auf den Betriebshöfen – mit in ihre nationalen Strategien aufnehmen. Zudem bleibt die Definition von „alternativen Kraftstoffen“ im bisherigen Sinne nahezu erhalten. Dadurch wird Rechtssicherheit bei der Umsetzung der Clean Vehicles Richtlinie gewährleistet, die sich für ihre Definition eines „sauberen Busses“ auf die Liste der Technologien stützt. Bei bereits geplanten und getätigten Investitionen, etwa in entsprechende Fahrzeuge seitens der Verkehrsunternehmen, sind damit keine weiteren Anpassungen nötig. Aus dieser bisherigen Richtlinie soll außerdem künftig eine Verordnung werden, die damit unmittelbar in den EU-Mitgliedsstaaten gilt und nicht erst in nationales Recht umgesetzt werden muss.

„Insgesamt zeigt die EU-Kommission, dass sie mit diesen Vorschlägen und Verbesserungen erkannt hat, dass der Aufbau und die Investitionen in alternative Antriebe und in den Öffentlichen Verkehr insgesamt ein Schlüssel sind, um die europäischen Klimaschutzziele bis 2030 im Verkehrssektor zu erreichen. Nun müssen die einzelnen Initiativen schnellstmöglich von EU-Parlament und Ministerrat beschlossen werden, damit sie zeitnah umgesetzt werden können“, so Wortmann abschließend.

Kritik vom NEE
Vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) kommen derweil Laute anderer Tonart. Für die Schienen-EVU geht die EU-Kommission keinesfalls weit genug in Sachen Klimaschutz. Geschäftsführer Peter Westenberger, hält fest: „Wir bedauern, dass die EU-Kommission die Chance nicht nutzt, die Abschaffung von Dieselsteuerprivilegien und Tanktourismus vorzuschlagen. Die vorgeschlagene neue Mindeststeuer läge deutlich zu niedrig. Damit würde sich kurzfristig an den Wettbewerbsverzerrungen zwischen Lkw und Schiene und zwischen Mitgliedsstaaten nichts ändern. Ein funktionierender Emissionshandel im Verkehr ist ebenso Zukunftsmusik wie die von Verkehrskommissarin Valean beschworenen CO2-neutralen schweren Lkw.
Im gesamten Paket spielt die existierende Alternative der Schiene eine viel zu geringe Rolle. Dabei ist gerade sie die Grundlage im Verkehrsbereich, denn sie bietet momentan die einzige Aussicht, schnell den Verkehrssektor klimafreundlich zu machen. Für Subventionen in Abermilliarden-Euro-Höhe, die klimafreundlichere Antriebe gegenüber fossilen Kraftstoffen konkurrenzfähig machen sollen, wird absehbar staatliches Geld fehlen. Hier würde Unterstützung an die falsche Stelle gelenkt. Sie sollte doch in erster Linie dorthin gehen, wo auch künftig am energieeffizientesten und klimafreundlichsten transportiert werden kann.“

Quellen: VDV, NEE; Foto: Jeyaratnam Caniceus auf Pixabay

mofair: Corona-Rettungsschirm 2021 fortsetzen

Die Corona-Krise lastet weiter schwer auf dem öffentlichen Verkehr. Damit der Nahverkehr mit Bussen und Bahnen weiter rollen kann, benötigt er nach Berechnungen der Branche im Jahr 2021 ca. 3,6 Milliarden Euro Ausgleich für die weggebrochenen Einnahmen. Da Restmittel aus 2020 vorhanden waren, heißt das, dass Bund und Länder noch je eine Milliarde Euro leisten müssen, um einen baldigen Stillstand zu vermeiden.

mofair-Präsident Tobias Heinemann: „Die Verkehrsunternehmen stehen jeden Tag bereit, ihre Fahrgäste zur Arbeit und zur Schule zu bringen. Auch die Politik würdigt die Leistung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allseits. Dafür sind wir dankbar. Nur: Die Anerkennung allein hilft nicht mehr. Die Liquiditätsreserven sind aufgebraucht. Wir brauchen jetzt schnell eine Verständigung zwischen Bund und Ländern. Dazu gehört eine einmalige Auf-stockung der Regionalisierungsmittel des Bundes und die klare Verpflichtung der Länder, ihren komplementären Anteil zu leisten. Zeit für Kompetenzgerangel zwischen den staatlichen Ebenen haben jetzt wir nicht.“

Seit Pandemiebeginn sind die Fahrgastzahlen im gemeinwirtschaftlichen Verkehr (Busse und Bahnen auf kommunaler und Landesebene) eingebrochen, und mit ihnen die Einnahmen. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätten die Fahrzeuge seit Mitte März 2020 im Depot bleiben müssen. Um die Daseinsvorsorge weiter sichern zu können, taten sich die Verbände VDV, mofair, bdo und BAG-SPNV sehr früh zusammen und konzipierten einen Rettungsschirm. Bund und Länder haben diesem entsprechend jeweils 2,5 Mrd. Euro für das Jahr 2020 zur Verfügung gestellt. Auf Antrag und auf Nachweis erhielten die betroffenen Unternehmen die Corona-bedingten Mindereinnahmen erstattet.

Unter anderem weil die Zahl der Abonnenten weniger stark als befürchtet zurückging, wurden von den insgesamt 5 Milliarden Euro für die Zeit bis Ende 2020 „nur“ 3,28 Milliarden Euro geltend gemacht. Die verbleibenden Mittel konnten in das Jahr 2021 übertragen und zur weiteren Liquiditätssicherung genutzt werden. Inzwischen aber sind bei vielen Unter-nehmen – und bei Bruttoverträgen im SPNV auch bei vielen Aufgabenträgern – die Reserven aufgebraucht. Bund und Länder müssen jetzt schnell je eine Milliarde für eine Fortsetzung des Rettungsschirms für 2021 leisten, um die für dieses Jahr prognostizierten Einnahmenausfälle von 3,6 Milliarden Euro zu kompensieren.

Quelle: mofair; Foto: Pixabay.com/Gerd Altmann