Gleich zu Beginn ihrer Korridorsanierung am sogenannten Rechten Rhein bricht die DB InfraGO ein zentrales Versprechen: volle Verfügbarkeit der Umleiterstrecken. Wie die Infrastrukturbetreiberin heute in einer turnusmäßigen Videokonferenz mit Eisenbahnverkehrsunternehmen überraschend bekanntgab, muss auf den beiden einzigen Umleiterstrecken der Schienenverkehr ohne Angabe triftiger Gründe mehrfach eingestellt werden.
Demnach können die Siegstrecke in den drei Nächten von heute bis Montag früh sowie die linke Rheinstrecke (zwischen Köln und Bonn) in der Nacht von Sonntag auf Montag nicht befahren werden.
Peter Westenberger, Geschäftsführer der GÜTERBAHNEN: „Zum wiederholten Mal müssen wir der DB InfraGO einen vollständigen Kontrollverlust bei Bau und Betrieb attestieren, selbst auf den bedeutendsten Strecken des Landes. Ohne Vorwarnung stürzt sie die Eisenbahnunternehmen eiskalt ins Planungschaos. Wir gehen davon aus, dass nun etwa 100 Güterzüge nicht nur ihre geplanten Fahrten, sondern auch Folgefahrten nicht wie geplant absolvieren können. Die Unternehmen müssen nun kurzfristig Lösungen organisieren, damit Industrie und Handel nicht noch mehr ins Stottern kommen. Der Fehlstart in die Generalsanierung ist eine erneute Bankrotterklärung der DB InfraGO. Wie schon so oft in den vergangenen Wochen hat sie mit großer Sicherheit planbare Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen sowie Verlängerungen geplanter Baumaßnahmen bis zum letzten Moment verschwiegen. Wir fragen uns, wie lange der Bundesverkehrsminister dieser bizarren Planung und Kommunikation noch zusehen will.“

Hintergründe

Die Korridorsanierung zwischen Troisdorf und Wiesbaden (Rechter Rhein) ist Teil des europäischen Rhein-Alpen-Korridors, einer der wichtigsten Güterverkehrsachsen Deutschlands und die zentrale Verbindung von den westlichen Nordseehäfen über Süddeutschland bis in den Alpenraum und nach Norditalien. Ab heute wird dieser Abschnitt im Rahmen des Korridorsanierungsprogramms der DB InfraGO modernisiert. Allerdings ist bereits klar, dass entscheidende Bedingungen für eine gelungene Korridorsanierung nicht erfüllt werden. So folgt der mehrmonatigen Sperrzeit keine mehrjährige baufreie Zeit. Auf die vollständige Ausstattung des Korridors mit dem europäischen Zugleitsystem ETCS wird, wie auch auf dem Korridor zwischen Hamburg und Berlin, erneut verzichtet.
Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben