10 Jahre Gotthard-Basistunnel: Erfolgsbilanz mit offenen Baustellen
Anfang Juni 2016 ging der Gotthard-Basistunnel in Betrieb. BAV-Direktorin Christa Hostettler nimmt Stellung zu den ersten 10 Jahren des längsten Eisenbahntunnels der Welt.
Christa Hostettler, wie haben Sie vor zehn Jahren die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels erlebt?
Ich war damals als Generalsekretärin der kantonalen Verkehrs- und Baudirektorenkonferenz eingeladen. Es war ein unvergesslicher Moment. Wir alle erinnern uns an die Bilder des Zuges, der zum ersten Mal durch den Tunnel fuhr. Der Anlass mit den Staats- und Regierungschefs aller Nachbarländer und dem Gesamtbundesrat verschaffte der Schweiz weltweit ein positives Echo.
Was ist Ihre Bilanz nach den ersten zehn Jahren Betrieb?
Grundsätzlich positiv, der Gotthard-Basistunnel erfüllt die Erwartungen. Im Personenverkehr hat er den Marktanteil der Schiene deutlich erhöht. Dem Schienengüterverkehr und damit der Verlagerungspolitik hat er vor allem anfänglich einen Schub gegeben. Inzwischen stagniert allerdings der Schienengüterverkehr, vor allem, weil die deutschen Zulaufstrecken zu den Basistunnels am Gotthard und Lötschberg noch nicht fertig ausgebaut sind. Wir bleiben, dran: Der Bund engagiert sich auf allen Stufen stark dafür, dass diese Arbeiten zügig umgesetzt werden.
2023 kam es im Gotthard-Basistunnel zu einem schweren Unfall, als bei einem Güterzug ein Rad brach und dieser entgleiste. Was sind die Lehren daraus?
Der Unfall war gravierend. Der Gotthard-Basistunnel ist sehr wichtig für den Bahnverkehr. Die Reparaturarbeiten führten insbesondere für das Tessin zu langwierigen und grossen Einschränkungen. Aus technischer und Sicherheits-Sicht hat sich die Konzeption des Gotthard-Tunnels mit zwei richtungsgetrennten Einspurröhren bewährt: Beim Unfall kam es dadurch glücklicherweise nur zu Sachschaden. Wäre der Unfall auf offener Strecke passiert, hätte er viel schlimmere Folgen haben können. Das BAV hat daraufhin auf Basis der Erkenntnisse der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST Massnahmen verfügt, damit es möglichst nicht zu weiteren Unfällen wegen gebrochenen Rädern kommt. Allerdings sind diese Massnahmen derzeit blockiert, weil verschiedene Güterwagen-Halter dagegen vor Gericht vorstellig geworden sind.
Der Gotthard-Basistunnel war ein Generationenprojekt. Was sind die Lehren für den weiteren Ausbau des Bahnnetzes?
Beim Bahnausbau hat sich 2024 gezeigt, dass das angestrebte Angebotskonzept nur mit sehr hohen Mehrkosten umsetzbar wäre. Deshalb hat das UVEK den Ausbau grundsätzlich überprüft und im Rahmen des verkehrsträgerübergreifenden Projekts «Verkehr ‘45» neu priorisiert. Solche Phasen gab es auch bei der Planung und Projektierung der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT), also der Basistunnels am Gotthard, Ceneri und Lötschberg. Was zählt, ist das Resultat: Wir haben eine moderne Infrastruktur geschaffen, welche für die Bewältigung des Verkehrs auf der Nord-Süd-Achse auf lange Zeit hinaus zukunftsfähig ist und für welche wir benieden werden. Auch die West-Ost-Achse wollen wir angehen: Hier müssen wir in den nächsten Jahrzehnten einen grundlegenden Modernisierungsschub ermöglichen. Dafür brauchen wir wie damals bei der NEAT einen politischen Schulterschluss und ein gemeinsam abgestimmtes Vorgehen.
| 2015 (Panoramastrecke) | |
|---|---|
| Reisende pro Tag | 9000 |
| Personenzüge pro Tag | 82 |
| Güterzüge pro Tag | 87 |
| Beförderte Güter pro Jahr | 17,8 Mio. Nettotonnen |
| 2025 (Gotthard-Basistunnel) | |
|---|---|
| Reisende pro Tag | 16 400 (+1400 über die Panoramastrecke) |
| Personenzüge pro Tag | 66 (+36 über die Panoramastrecke) |
| Güterzüge pro Tag | 89 (+2 über die Panoramastrecke) |
| Beförderte Güter pro Jahr | 24,2 Mio. Nettotonnen |
| Fahrzeit Zürich–Lugano | 1 Stunde 53 Minuten (ca. 50 Minuten weniger als 2015) |
| Fahrzeit Zürich–Mailand | 3 Stunden 17 Minuten (ca. 45 Minuten weniger als 2015) |
Weitere Informationen zum Bau des Gotthard-Basistunnels auf dem Alpenportal.
Quelle: BAV und SBB; Fotos: UVEK

