Brenner-Basistunnel: Italien und Österreich vereint unter den Alpen
Beim Bau des Brenner-Basistunnels ist ein weiterer Meilenstein erreicht: Rund 1.400 Meter unter dem Brennerpass wurden die letzten Gesteinsbarrieren zwischen Österreich und Italien durchbrochen. Damit sind sowohl der östliche als auch der westliche Haupttunnel grenzüberschreitend verbunden. Es entstand ein durchgehender unterirdischer Korridor zwischen beiden Ländern.
Mit einer Gesamtlänge von 64 Kilometern einschließlich der Innsbrucker Umfahrung wird der Brenner-Basistunnel nach seiner Fertigstellung die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt sein. Der italienische Projektabschnitt wird von einem Konsortium unter der Federführung von Webuild im Auftrag der BBT SE errichtet. Das Vorhaben ist Teil des skandinavisch-mediterranen TEN-T-Korridors, der Helsinki über München und Verona mit Valletta verbindet.
Der aktuelle Durchschlag verbindet den österreichischen Bauabschnitt H53 Pfons–Brenner mit dem italienischen Abschnitt H61 Mules 2–3. Nachdem bereits im September 2025 der Erkundungsstollen grenzüberschreitend geschlossen worden war, erfolgte nun auch die Verbindung der beiden Hauptröhren.
Zum Einsatz kamen unterschiedliche Vortriebstechnologien: Während auf italienischer Seite die Tunnelbohrmaschinen „Virginia“ und „Flavia“ die Hauptröhren auffuhren, wurden die Tunnel auf österreichischer Seite im konventionellen Sprengvortrieb hergestellt.
Nach Angaben von Webuild verantwortet das Unternehmen im Rahmen von vier Baulosen insgesamt mehr als 50 Kilometer Tunnelbau am Brenner-Basistunnel. Zwei Abschnitte – die Isarco-Unterführung in Italien sowie das österreichische Baulos H33 Tulfes–Pfons – sind bereits abgeschlossen. Darüber hinaus ist die Unternehmensgruppe entlang der Achse München–Verona an weiteren Infrastrukturmaßnahmen für die italienische Infrastrukturgesellschaft RFI beteiligt. Dazu zählen der Ausbau der Bahnstrecke Fortezza–Ponte Gardena sowie die Umfahrung von Trient, die die Leistungsfähigkeit des Zulaufnetzes zum Brenner-Basistunnel erhöhen sollen.
Nach der Inbetriebnahme sollen Personenzüge den Tunnel mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h befahren können. Die Fahrzeit zwischen Innsbruck und Fortezza verkürzt sich dadurch von derzeit rund 80 auf etwa 25 Minuten. Gleichzeitig soll der Brenner-Basistunnel zusätzliche Kapazitäten für den Schienengüterverkehr schaffen und damit die Verlagerung von Verkehren von der Straße auf die Schiene unterstützen. Ziel ist eine Entlastung des Alpenraums durch weniger Emissionen und geringere Lärmbelastung.
Webuild sieht den erreichten Baufortschritt zugleich als Beleg für sein Engagement bei Infrastrukturprojekten in Norditalien. Nach Unternehmensangaben ist die Gruppe dort an zehn strategischen Vorhaben beteiligt, die seit Baubeginn mehr als 8.800 Arbeitsplätze geschaffen und rund 4.900 Unternehmen in die Lieferkette eingebunden haben.
Zu den weiteren Großprojekten des Unternehmens zählen unter anderem die Bahnprojekte „Terzo Valico dei Giovi“ und „Genova Junction“, der neue Wellenbrecher im Hafen von Genua, die Hochgeschwindigkeitsstrecke Verona–Padua sowie mehrere Straßenbauvorhaben in der Lombardei und im Piemont. Diese Projekte sollen die Anbindung Norditaliens an das europäische Verkehrsnetz weiter verbessern.
Quelle: Webuild, BBT SE
Foto: BBT SE
