Italo kommt nach Deutschland
Zwei Meldungen innerhalb weniger Tage zeichnen ein klares Bild: Der italienische Hochgeschwindigkeitsbetreiber Italo bereitet seinen Eintritt in den deutschen Fernverkehrsmarkt ernsthaft vor. Die Bundesnetzagentur hat den regulatorischen Weg freigemacht – und Siemens Mobility liefert die Züge.
Siemens Mobility hat einen Vertrag mit Italo Holding über die Lieferung von 26 achtteiligen Velaro-Mehrsystem-Hochgeschwindigkeitszügen unterzeichnet. Dazu kommt eine Option auf 14 weitere Fahrzeuge sowie ein 30-jähriger Full-Service-Vertrag. Der Gesamtauftragswert liegt bei rund 3 Milliarden Euro. Die Fertigung erfolgt am Siemens-Standort Krefeld.
Die Züge bieten jeweils rund 440 Sitzplätze, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h und können dank Mehrsystemtechnik unter vier unterschiedlichen Stromsystemen verkehren: 1,5 und 3 Kilovolt Gleichstrom sowie 15 und 25 kV Wechselstrom. Gerade diese technische Eigenschaft ist für den grenzüberschreitenden Betrieb zwischen Italien und Deutschland entscheidend – beide Länder nutzen unterschiedliche Bahnstromsysteme.
Ausgestattet werden die Züge mit integrierten Starlink-Antennen für satellitengestützte Internetverbindungen. Die Instandhaltung übernimmt Siemens Mobility im eigenen Depot in Dortmund, unterstützt durch die digitale Railigent X-Plattform und vorausschauende Instandhaltungslösungen.
Michael Peter, CEO von Siemens Mobility, kommentiert: „Diese langfristige Partnerschaft, die sowohl die Züge als auch einen 30-jährigen Full-Service-Vertrag umfasst, ist ein wegweisendes Projekt und ein starkes Bekenntnis zu industrieller Wertschöpfung und Innovation made in Germany.”
Michael Peter, CEO von Siemens Mobility, kommentiert: „Diese langfristige Partnerschaft, die sowohl die Züge als auch einen 30-jährigen Full-Service-Vertrag umfasst, ist ein wegweisendes Projekt und ein starkes Bekenntnis zu industrieller Wertschöpfung und Innovation made in Germany.”
Bundesnetzagentur verpflichtet DB InfraGO zur Öffnung
Parallel dazu hat die Bundesnetzagentur am letzten Freitag ihre endgültige Entscheidung zu den Markteintrittsbedingungen für Wettbewerber der DB Fernverkehr AG getroffen. Der Beschluss ist weitreichend: Auf stark ausgelasteten Streckenabschnitten darf DB InfraGO künftig nur noch 60 bis 75 Prozent der für den Fernverkehr verfügbaren Kapazitäten an ein einziges Unternehmen vergeben. Den genauen Prozentwert legt DB InfraGO selbst fest – das Mindestmaß an freier Kapazität für Wettbewerber ist damit regulatorisch gesichert.
Wirksam wird die sogenannte Wettbewerberklausel beim Netzfahrplan 2028. DB InfraGO muss die Regelung in ihre Infrastrukturnutzungsbedingungen einarbeiten und der Bundesnetzagentur im Herbst einen Entwurf zur Prüfung vorlegen.
Italo ist dabei nicht nur stiller Profiteur der Entscheidung – das Unternehmen war ausdrücklich als Verfahrensbeteiligter in das Regulierungsverfahren einbezogen. Ab 2028 plant Italo Fernzugverbindungen auf den Strecken München–Köln–Dortmund sowie weiteren stark frequentierten Korridoren.
Fahrzeuge, Trassen, Timing
Was bei isolierter Betrachtung wie zwei separate Meldungen wirkt, ergibt zusammen eine klare strategische Logik: Die Velaro-Mehrsystemloks sind technisch für den grenzüberschreitenden Betrieb zwischen Italien und Deutschland konzipiert. Die Fertigung in Krefeld und die Instandhaltung in Dortmund verankern den Betrieb organisatorisch in Deutschland. Zwischen Bestellung, Zulassung und Inbetriebnahme liegen erfahrungsgemäß mehrere Jahre. Die Bestellung jetzt ist die notwendige Voraussetzung für einen Betriebsstart ab 2028/2029.
Italo kennt dieses Spielfeld: In Italien betreibt das Unternehmen seit 2012 Hochgeschwindigkeitszüge in direkter Konkurrenz zur staatlichen Trenitalia – und hat damit bewiesen, dass ein privater Anbieter im liberalisierten Fernverkehrsmarkt wirtschaftlich bestehen kann. Die Eigentümerstruktur unterstreicht den Anspruch: Seit Oktober 2023 hält die Mediterranean Shipping Company (MSC) 50 Prozent an Italo, gemeinsam mit dem Infrastruktur-Investmentfonds Global Infrastructure Partners.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Für die DB ist die Bundesnetzagentur-Entscheidung ein Dämpfer: Erstmals wird die Kapazitätsvergabe auf Fernverkehrskorridoren regulatorisch begrenzt. Bislang konnte DB InfraGO – formal getrennt von DB Fernverkehr, aber Teil desselben Konzerns – Trassenkonflikte de facto zugunsten der konzerneigenen Fernverkehrstochter lösen.
Für die Bahnbranche insgesamt ist der Markteintritt von Italo ein Signal: Der liberalisierte Schienenfernverkehr in Deutschland nimmt Fahrt auf. Mit Flixtrain gibt es bereits einen privaten Anbieter, der jedoch eher im Niedrigpreissegment operiert. Italo steht für ein anderes Modell – hohe Servicequalität, modernes Rollmaterial, direkte Konkurrenz zum ICE.
Für Eisenbahnverkehrsunternehmen, die selbst auf das Netz der DB InfraGO angewiesen sind, ist die Regulierungsentscheidung relevant: Sie etabliert das Prinzip, dass keine einzelne Gesellschaft die Kapazitäten wichtiger Fernverkehrsachsen monopolartig belegen darf. Das könnte perspektivisch auch anderen Wettbewerbern zugutekommen.
dt
