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Thema der Woche

Für’s Klima: Zug statt Flugzeug

Über die Rückkehr der Nachtzüge ist an dieser Stelle schon berichtet wurden. Mit dem Alpen-Sylt-Express der RDC steht nun auch eine Verbindung von Salzburg über Hamburg nach Sylt, die die ein oder andere Flugreise ersetzen könnte. Neben Nachtzügen sind auch ICE oder TGV eine Alternative zum Flugzeug, wenn es um Reisen innerhalb Europas geht. Ein umdenken in Richtung Schiene schont die Umwelt – und den Geldbeutel der Fahrgäste.

In den Alpen einsteigen, bequem eine Nacht schlafen und auf Sylt aufwachen – das ist seit dem Wochenende mit dem neuen Alpen-Sylt-Express der RDC möglich. Die Zugfahrt ist eine bequeme und teils günstigere Alternative zum Fliegen, die zudem die Umwelt schont. Auch Hochgeschwindigkeitszüge verbinden Metropolen, sodass manche Bahnfahrt schneller ist, als die Flugreise mit Check-In.
Foto: Blauer AUTOZUG Sytl/RDC Deutschland

Denn spätestens seit der Klima-Debatte 2015 ist der breiten Öffentlichkeit bewusst, wie umweltschädlich Fliegen ist. Gerade mit Anwachsen des Billig-Sektors ist der Anteil des Flugverkehrs am Treibhauseffekt nicht zu vernachlässigen. Dabei ist der CO2-Austoß der Flugzeuge nicht der alleinige Faktor, der sich negativ auf das Klima auswirkt. Laut der „co2online gemeinnützige Beratungsgesellschaft mbH“ tragen auch Substanzen wie Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf, die bei der Verbrennung von Kerosin entstehen, zur Erderwärmung bei. Ein wichtiger Punkt ist zudem, dass sich die ausgestoßenen Stoffe in großer Höhe stärker auf den Treibhauseffekt auswirken, als wenn sie auf dem Boden freigesetzt werden.

Gute Öko-Bilanz, Tendenz noch besser

Nach komplexen Berechnungen kommt man zu dem Schluss, dass Flüge von München nach Berlin und zurück in etwa einen Ausstoß von 308 Kilogramm CO2 pro Fluggast bedeuten. Fahrgäste des ICE Berlin-München verursachen hingegen nur 34,4 Kilogramm pro Kopf. Die Bilanz sieht sogar noch besser aus, wenn man von einem höheren Ökostrom-Anteil im Strommix der Bahn ausgeht. Konzernweit beträgt der Anteil an Ökostrom aktuell rund 60 Prozent. Erklärtes Ziel der DB ist es, bis 2050 mit 100 Prozent Ökostrom zu fahren. Allerdings sind bisher nur etwa 60 Prozent des Streckennetzes elektrifiziert, auf dem Rest fahren auch noch Dieselloks mit etwas schlechterer Öko-Bilanz. Hier braucht es also weitere Investitionen in die Infrastruktur, obwohl die Elektrifizierung auch nicht überall möglich ist.

Weichen stellen, Anreize setzen

Hier ist die Politik als Weichenstellerin gefragt, die ohnehin die Verkehrswende anpeilt. Vermehrte Bereitstellung von Mitteln, auch angesichts der Corona-Krise, sind dafür aber immer noch nicht ausreichend. So steht die Bundesregierung zwar einer Ausweitung des deutschen Nachtzugnetzes offen gegenüber, Subventionen soll es dafür aber nicht geben. Doch es gibt auch radikale Ansätze, wie etwa den kürzlich von Linken-Chef Bernd Riexinger vorgeschlagenen, Deutsche Bahn und Lufthansa zu vereinen. Er meinte, eine Fusion würde es erlauben, die Verkehrswende zu organisieren: Kurzstrecken müssten auf die Schiene verlegt, der Bahnverkehr ausgebaut und Flüge eingeschränkt werden. Eine weniger umwälzende Maßnahme ist dafür aber bereits erfolgt. Denn mit der Mehrwertsteuersenkung und der damit einhergehenden Vergünstigung der Fahrpreise verlor die Bahn einen wichtigen Nachteil gegenüber Flugreisen.

Touristisch wertvoller

Doch auch das bestehende Netz bietet gute Alternativen zum Flugzeug. Auf relativ kurzen Strecken wie Berlin-München ist man mit dem ICE nicht langsamer, doch auch bei längeren Strecken kann die Schiene punkten. Der Vindobona etwa, der seit 1957 und mit einer sechsjährigen Pause nun wieder direkt Graz und Berlin verbindet, fährt in 12 Stunden über Wien, Prag und Dresden nach Charlottenburg. Damit ist er langsamer als das Flugzeug, aber: „Es ist ein wichtiger Schritt, wenn dieser Zug jetzt wieder von Graz über Wien nach Berlin fährt. Es ist natürlich touristisch wichtig, es ist wirtschaftlich wichtig, aber es ist auch sehr wichtig für den öffentlichen Verkehr“, betont sich Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ). Denn die Bedeutung Graz‘ als Kongress- und Wirtschaftsstandort werde durch den Vindobona gestärkt. Zudem freuten sich die Touristen über die Verbindung der europäischen Metropolen. Generell biete sich bei längeren Bahnreisen an, Zwischenstopps einzuplanen, um Verwandte, Freunde oder andere Städte zu besuchen, bevor man am Urlaubsziel ankommt.

Mit dem Zug kommt man zwar nicht nach Mallorca, aber man kann dafür Bahn, Bus und Fähre kombinieren. Wer auch im Urlaub mobil sein will, kann das ebenfalls wachsende Autoreisezugnetz nutzen. Die Reisezeiten muten dabei nur auf den ersten Blick lang an. Denn wer in ein Flugzeug steigen will, muss auch zunächst zum Flughafen kommen, einchecken und Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen. Für eine reine Reisezeit von einer Stunde, können so dennoch vier bis fünf Stunden zusammenkommen. Und noch einen Vorteil hat die Reise mit dem Zug in der aktuellen Situation, zumindest mit dem Alpen-Sylt-Express: Während man im Flugzeug dicht gedrängt sitzt, muss man sich im eigenen Abteil, das auch nach Ausstieg der Reisenden bis zur vollständigen Reinigung leer bleibt, um den Infektionsschutz nicht kümmern, kann sogar auf den Mundschutz verzichten.

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Mirko Strauss, Geschäftsführer der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH

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Aktuelle Ausgabe

HEFT-NR. 3 | AUSGABE Mai/Juni 2020

Titelstory

Frankreich

Lebensretter auf der Schiene

Krisen bringen oft das Beste in Mensch und Gesellschaft zum Vorschein,  soauch in der Technik. Die Schiene hat während der Corona-Pandemie ihrenWert bewiesen, besonders in Sachen Gütertransport: imVerhältnis zur Straße wenig Personal, das bestens geschütztwerden kann, dazu eine Umschlagmenge und Effizienz pro Fahrzeug,mit der kein Lkw je mithaltenkönnte. Doch auch in einem Bereich, in dem die Bahn bisher nicht zutage trat, hat sie sich bewährt: beim Krankentransport von Corona-Patienten. In Frankreich bringen TGV der Staatsbahn SNCF Intensivpatienten von den überlasteten Ballungsgebieten inKrankenhäuser imWesten und Südwesten, die ausreichend Kapazitäten haben. Aufgrund derGeschwindigkeitwerden Krankentransporte oft über den Luftweg abgefertigt. Doch auch hier zeigt sich derVorteil der Schiene –mit hohen Kapazitäten und einer extremruhigen Fahrlage. Die imkünstlichenKoma liegendenn Patienten ruhen auf Tragen über den Sitzen im TGV. Dasmedizinische Gerät kann bequem darunter platziert werden. Und auch derTGVist schnell:
Nach zwei bis drei Stunden sind die Patientensicher am Ziel angekommen und können weiter behandelt werden.

Das Begleitpersonal ist dabei ebenso sicher wie die Schwerkranken. Es ist ein einmaliges Projekt in der G eschichte der Eisenbahn, die sich hier als wahrer Lebensretter erweist. SNCF, Lokführer,Begleitpersonal: Alle helfen Hand in Hand und freiwillig, um die Krise gemeinsam zu überwinden.Mehr als 600 Personen wurden so schon überführt, viele von ihnen verdanken der Aktion ihr Leben. Und sollte eine weitere Infektionswelle losbrechen, ist der TGV bereit.

Den kompletten Artikel zum finden Sie im Privatbahn Magazin 03/2020 ab Seite 8.

Bild: SNCF

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Innovationspreis

Für Bahntechnik 2018/2019

Am 2. April 2019 wurde erstmals der Innovationspreis des Privatbahn Magazins im Rahmen der HANNOVER MESSE verliehen. Dabei standen die ausgezeichneten Produkte ganz im Zeichen von Recycling, Lärmschutz und effizienter Nutzung von Energie.

Den größten Beitrag leisten die Lokführer des Regionalverkehrs. Sie sparen durch energieeffiziente Fahrweise jährlich etwa 105 Millionen Kilowattstunden Energie ein. Dieser Wert ist in den vergangenen Jahren jeweils um bis zu vier Prozent angestiegen – auch dank der Trainings, die alle Lokführer regelmäßig durchlaufen. Auch im Fernverkehr konnte die Energieeffizienz durch kluge Bremsvorgänge und Ausrollen weiter gesteigert werden. Die Bremsenergie wird wieder zurück ins Netz eingespeist. Auf einzelnen Strecken sind so Einsparungen von bis zu zehn Prozent möglich.

Neu ist die „Zuglaufregelung Grüne Funktion“, auch „grüne Welle“ genannt. Die Fahrempfehlungen für die Lokführer berücksichtigen jetzt neben dem Streckenprofil auch die aktuelle Betriebslage.

Zunehmend unterstützt moderne Technik das kluge Fahren bei DB Cargo: 60 neue energieeffiziente Mehrsystemloks und 80 neue energieeffiziente Triebfahrzeuge sorgten für weitere Energieeinsparungen.