Aktuelle Ausgabe

Privatbahn Magazin Januar/Februar 2023

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Titelstory

 

IT-Impulse in Wartung & Service

Die Eisenbahnbranche ist konservativ. Sehr konservativ sogar. Verwunderlich ist das nicht, denn die Grundzüge der heutigen Technik stammen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Hinzu kommt, dass die Fahrzeuge nicht selten ohne großes Murren ein Alter von 60 Jahren erreichen. Zum Vergleich: Der deutsche Pkw ist im Durchschnitt knapp zehn Jahre alt – älter als 20 Jahre werden nur wenige Autos. Und auch die Infrastruktur ist langlebig: Mechanische Signale aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen stehen bis heute vielerorts an Nebenstrecken, im Bahnhof Vienenburg (Harzvorland) lagen bis vor wenigen Jahren noch Schienen aus dem Jahr 1939 im Hauptgleis.

Innovationsschub dank Liberalisierung
Diese Langlebigkeit bringt spezielle Herausforderungen mit sich: Werkstätten müssen sowohl mit sehr alter vollanaloger als auch mit moderner durchdigitalisierter Technik umgehen können. Die Bahnliberalisierung, der intramodale Wettbewerbsdruck und auch neue Sicherheitsvorschriften (Lehren aus dem Viareggio-Unglück) haben aber in den vergangenen rund zehn Jahren in Wartung und Service bemerkenswerte Innovationsimpulse ausgelöst. Selbst Güterwagen sind nicht mehr ein dummes Stück Stahl, sondern sammeln dank moderner Sensor- und Telematiktechnik ständig Zustandsdaten und senden sie „nach Hause“, wo dann auf dieser Datengrundlage entschieden wird, wann der wirtschaftlich günstigste Eingriffszeitpunkt für Wartung und Service ist. Alternativ – oder auch flankierend – werden Zustandsdaten durch Monitoring am Gleis ermittelt: Die Bilder von Hochgeschwindigkeitskameras und Sensoren werden automatisiert ausgewertet und geben Hinweise auf Bremssohlen an der Verschleißgrenze oder den Zustand von Radsatzlagern, bevor es zu echten Heißläufern kommt.
Im Personenverkehr ist konsequentes Zustandsmonitoring vielleicht sogar noch wichtiger als im Güterverkehr: Im Zeitalter von Triebzügen ist es viel schwieriger als beim Reisezug – oder gar unmöglich –, mal einen defekten Wagen auszusetzen. Umso zuverlässiger muss die Technik sein. An Predictive Maintenance (vorausschauender Wartung) führt dann kaum ein Weg vorbei: Sich anbahnende Störungen zu erkennen, bevor sie wirksam werden, ist der entscheidende Hebel für hohe Fahrzeugverfügbarkeit. Wie beim Güterwagen bedeutet das, alle potenziell störungs- oder ausfallanfälligen Elemente mit geeigneten Sensoren auszustatten und die erzeugten Daten gezielt daraufhin auszuwerten, wann der wirtschaftlich günstigste Eingriffszeitpunkt ist.
Der Innovationsschub der letzten Jahre hat daneben auch die Verwaltungs- und Dokumentationsprozesse erfasst. Von einer rein digitalen Welt ohne Medienbrüche – Stichworte: Fax, Excel-Listen und IT-Insellösungen – ist die Bahnbranche zwar noch ein Stück weit entfernt, aber mit dem weithin akzeptierten VERS-Tool ist zumindest in der Güterwagen-Wartung ein Anfang gemacht.

 

Den kompletten Artikel finden Sie im Privatbahn Magazin 01/2023 ab Seite 28.