VDV drängt auf Sofortmaßnahmen: Kombinierter Verkehr als Energie- und Versorgungsschlüssel
„Der Kombinierte Verkehr ist der schnellste Hebel, um Energie zu sparen, Versorgung zu sichern und Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Deshalb brauchen wir jetzt konkrete Maßnahmen – allen voran die Lkw-Mautbefreiung für den Vor- und Nachlauf. Was fehlt, ist nicht die Option auf eine bessere Verkehrspolitik – sondern die politische Priorität“, so VDV-Vizepräsident Joachim Berends. Angesichts der aktuellen Energiekrise und wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten fordert der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen eine klare politische Priorisierung des Kombinierten Verkehrs (KV). Dieser verbindet energieeffiziente Schienenverkehre mit flexiblen Vor- und Nachläufen und bietet erhebliche Potenziale für Energieeinsparung, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität.
Der Kombinierte Verkehr benötigt bis zu 70 Prozent weniger Energie pro Tonnenkilometer als der Straßengüterverkehr. Gleichzeitig kann ein Ganzzug rund 50 Lkw ersetzen und so nicht nur Energie einsparen, sondern auch den Fahrermangel im Straßengüterverkehr abfedern. Bereits während der Corona-Pandemie hat sich der KV als stabilisierender Faktor erwiesen, etwa bei grenzüberschreitenden Lebensmitteltransporten aus Südeuropa. VDV-Vizepräsident Joachim Berends: „Der Kombinierte Verkehr ist kein Nischenprodukt, sondern ein strategischer Baustein für die Versorgungssicherheit Deutschlands. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, dass leistungsfähige, grenzüberschreitende Logistiksysteme entscheidend sind.“
Systemleistung: Tausend Verbindungen täglich
Europaweit verbinden rund 1.000 tägliche Shuttle-Züge etwa 1 300 Terminals. Dieses Netzwerk ist bereits vorhanden und kurzfristig skalierbar. Eine Verdopplung der Kapazität könnte bis zu 50.000 Lkw-Fahrten pro Tag ersetzen. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von rund 300 Litern Diesel pro Lkw entspricht das rechnerisch etwa drei Milliarden Litern Diesel jährlich. Der Importbedarf könnte so um rund zehn Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr sinken. Gleichzeitig leisten Busse und Bahnen bereits heute einen Beitrag von rund zehn Millionen Tonnen eingesparter Treibhausgase pro Jahr. VDV-Vizepräsident Joachim Berends: „Wer Energie sparen, Abhängigkeiten reduzieren und gleichzeitig Lieferketten stabil halten will, kommt am KV nicht vorbei. Die Potenziale liegen auf dem Tisch – sie müssen jetzt politisch gehoben werden.“
Deutschland: Markt unter Druck
In Deutschland ist der KV nach Jahren des Wachstums zuletzt zurückgegangen: Nach einem Anstieg von 80 auf nahezu 124 Millionen Tonnen zwischen 2009 und 2022 sank das Transportvolumen 2023 auf rund 113 Millionen Tonnen. Gründe sind steigende Trassenpreise, infrastrukturelle Engpässe und zusätzliche Kosten durch Baustellen und Umleiterverkehre. Gleichzeitig nehmen die strukturellen Herausforderungen im Schienengüterverkehr weiter zu: 2025 lag die Beförderungsleistung bei rund 133,9 Milliarden Tonnenkilometern und damit unter dem Niveau von 2016 (138,4 Milliarden Tonnenkilometer). Gleichzeitig gelten 26 Schienenwege als überlastet, während die Zahl der Baustellen von 21 000 im Jahr 2024 auf voraussichtlich 28 000 im Jahr 2026 steigt. VDV-Vizepräsident Joachim Berends: „Modernisierung und Betrieb müssen endlich zusammen gedacht werden. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen und wettbewerbsfähige Trassenpreise droht eine weitere Verlagerung auf die Straße – mit negativen Folgen für Wirtschaft, Klima und Energieversorgung.“
Politik: sofort handeln, langfristig Resilienz stärken
Der VDV fordert kurzfristig die Einführung einer Lkw-Mautbefreiung für den Vor- und Nachlauf des Kombinierten Verkehrs noch im laufenden Jahr. Zudem sind eine umfassende Modernisierung der Schieneninfrastruktur, ein reformiertes Trassenpreissystem sowie klare europäische Rahmenbedingungen notwendig. Der Kombinierte Verkehr könnte laut VDV seine Leistung bis 2030 und erneut bis 2040 verdoppeln – und damit entscheidend zur Energieeinsparung, zur Stärkung der Wirtschaft und zur Resilienz Europas beitragen.
Quelle/Foto: VDV
