Der niedrige Wasserstand des Rheins rückt erneut die Frage nach Ausweichmöglichkeiten im deutschen Güterverkehr in den Mittelpunkt. Am Pegel Kaub wurde am 17. August ein Wasserstand von nur noch sechs Zentimetern gemessen. Der Verband der Nichtbundeseigenen Eisenbahnen (VNEI) fordert vor diesem Hintergrund, nichtbundeseigene Gleisanschlüsse und Strecken stärker in die nationale Redundanzplanung einzubeziehen.

Nach Auffassung des Verbandes zeigt das Niedrigwasser, wie begrenzt die Möglichkeiten sind, größere Gütermengen kurzfristig von einem Verkehrsträger auf einen anderen zu verlagern. Zusätzliche Kapazitäten im Straßengüterverkehr seien unter anderem wegen fehlenden Fahrpersonals begrenzt, zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene ließen sich ebenfalls nicht kurzfristig bereitstellen.

Der VNEI verweist deshalb auf nichtbundeseigene Eisenbahninfrastruktur, über die zahlreiche Industrie- und Hafenstandorte an das Schienennetz angebunden sind.

„Niedrigwasser, Streiks, Baustellen: Jedes Mal zeigt sich aufs Neue, wie wenig Ausweichmöglichkeiten unser Güterverkehr hat“, erklärt VNEI-Präsident Jörn C. Schneider. Entscheidend sei, die dafür erforderliche Infrastruktur dauerhaft in einem leistungsfähigen Zustand zu halten. „Redundanz baut man nicht in der Krise, sondern davor.“

Der Verband fordert, nichtbundeseigene Gleisanschlüsse als Bestandteil der nationalen Redundanzplanung anzuerkennen und sie auch in Krisenplänen für Niedrigwasser, Streiks und größere Baumaßnahmen zu berücksichtigen. Zudem sollten Instandhaltung und Investitionen in diese Infrastruktur verlässlich und mehrjährig gefördert werden.

Bereits in der Diskussion um das Infrastruktur-Zukunftsgesetz hatte der VNEI kritisiert, dass sich Prioritäten und Fördermittel weitgehend auf das bundeseigene Schienennetz konzentrierten. Nach Ansicht des Verbandes müsse für einen resilienteren Schienengüterverkehr auch die nichtbundeseigene Infrastruktur stärker berücksichtigt werden.

Quellen: VNEI e.V., Pressemitteilung vom 17. August 2026 (https://vnei.de/presse), Foto: Dirk Jansen, BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen