Hamburg–Berlin: Erneute Einschränkungen nach Korridorsanierung
Langsamfahrstelle sorgt nur wenige Monate nach der Wiederinbetriebnahme für neue Einschränkungen auf dem sanierten Korridor
Die Verbindung zwischen Hamburg und Berlin ist nach der umfassenden Korridorsanierung erst seit wenigen Monaten wieder durchgehend befahrbar. Nun kommt es erneut zu Einschränkungen: Vom 18. bis 23. September steht zwischen Glöwen und Breddin südöstlich von Wittenberge wegen Arbeiten an einer Langsamfahrstelle nur ein Streckengleis zur Verfügung. Das zweite Gleis darf zum Schutz der Arbeiten lediglich mit bis zu 160 km/h befahren werden.
Grund für die Maßnahme sind nach Angaben der DB InfraGO punktuelle Schäden an der Festen Fahrbahn. Diese seien auf temperaturbedingte Kräfte zurückzuführen. Ohne die Reparaturarbeiten drohe ab dem 1. Oktober eine weitergehende Einschränkung.
Für kurzfristig angefragte Güterverkehre stehen in dem betroffenen Abschnitt während der Arbeiten zwischen 5 und 21 Uhr nur eingeschränkte Trassenkapazitäten zur Verfügung. Damit rückt erneut die Frage nach der Belastbarkeit der erst kürzlich sanierten Strecke in den Mittelpunkt.
Fast elf Monate Vollsperrung
Der Korridor Hamburg–Berlin war vom 1. August 2025 bis zum 14. Juni 2026 umfassend gesperrt. Die Wiederaufnahme des durchgehenden Verkehrs hatte sich dabei um rund sechs Wochen verzögert. Während der Sanierung wurden unter anderem die Feste Fahrbahn erneuert, Stellwerke errichtet und Vorarbeiten für die Einführung des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS durchgeführt.
Im Zuge der Arbeiten wurde die Feste Fahrbahn zwischen Wittenberge und Dergenthin durch einen Schotteroberbau ersetzt. Im Abschnitt Glöwen–Breddin blieb sie dagegen erhalten. Grundlage dafür war nach Angaben der DB InfraGO eine gutachterliche Bewertung aus dem Dezember 2024. Demnach sollte die Feste Fahrbahn dort mit geeigneten Instandhaltungsmaßnahmen noch rund zehn Jahre genutzt werden können.
Bereits im August 2025 hatten Unternehmen aus dem Verband DIE GÜTERBAHNEN allerdings auf mögliche Qualitätsprobleme im Bereich Glöwen–Breddin hingewiesen. Genannt wurden unter anderem Höhenfehler und sichtbare Wellen in den Schienen. Die DB InfraGO verwies damals auf die gutachterliche Einschätzung und die vorgesehenen Instandhaltungsmaßnahmen.
Neue Arbeiten trotz Sanierung
Die aktuelle Langsamfahrstelle macht deutlich, dass die Diskussion über die langfristige Qualität dieses Streckenabschnitts noch nicht abgeschlossen ist. Denn nur wenige Monate nach der Wiederinbetriebnahme sind erneut Arbeiten an der Infrastruktur erforderlich.
Auch an anderer Stelle waren nach Abschluss der Korridorsanierung noch Arbeiten notwendig. Zur Wiederinbetriebnahme wurden zunächst Abnahmefahrten und Geschwindigkeitsbeschränkungen erforderlich. Im August kündigte die DB zudem weitere nächtliche Sperrungen zur Beseitigung von Restmängeln an. Davon waren unter anderem Fern- und Güterzüge betroffen. Nach Angaben der Bundesregierung hatte die Pünktlichkeit auf der Strecke Ende August zudem noch nicht das angestrebte Niveau erreicht.
Die Korridorsanierung soll gerade dazu beitragen, die Infrastruktur nach einer konzentrierten Bauphase über einen längeren Zeitraum möglichst störungsfrei nutzen zu können. Entsprechend kommt den aktuellen Arbeiten eine besondere Bedeutung zu.
Bedeutung für den Güterverkehr
Betroffen ist dabei nicht nur der Personenverkehr. Einschränkungen auf der Verbindung Hamburg–Berlin können insbesondere für den Schienengüterverkehr Folgen haben. Als mögliche Ausweichstrecken nennt die DB InfraGO unter anderem die Verbindungen Salzwedel–Stendal, Wittenberge–Stendal und Hagenow Land–Neustrelitz–Oranienburg. Umleitungen bedeuten jedoch längere Laufwege und zusätzliche Kosten für Energie, Trassen, Personal und Fahrzeugumläufe.
Die Bedeutung der Strecke könnte in den kommenden Monaten weiter steigen. Ab dem 2. Oktober 2026 beginnt die erste Bauphase der Korridorsanierung Lehrte–Berlin. Für Umleitungen werden dann zusätzliche Kapazitäten auf anderen Strecken benötigt. Mehrere potenzielle Ausweichstrecken gelten bereits als zumindest zeitweise überlastet.
Wie nachhaltig sind Korridorsanierungen?
Die aktuelle Entwicklung wirft damit eine grundsätzliche Frage zur Umsetzung des Korridorsanierungsprogramms auf: Wie dauerhaft lassen sich die mit einer monatelangen Vollsperrung erzielten Verbesserungen tatsächlich sichern?
Die DB InfraGO verfolgt mit den Korridorsanierungen das Ziel, umfangreiche Arbeiten gebündelt durchzuführen und anschließend längere Zeit ohne größere baubedingte Einschränkungen auszukommen. Die erneuten Arbeiten zwischen Glöwen und Breddin sind zwar technisch begründet und müssen nicht zwangsläufig auf einen grundlegenden Mangel der Sanierung hindeuten. Sie zeigen jedoch, wie wichtig eine belastbare Planung der Maßnahmen und eine langfristige Qualitätssicherung sind.
Für die weiteren Korridorsanierungen wird daher entscheidend sein, ob die angekündigten Verbesserungen bei Infrastrukturqualität, Verfügbarkeit und Betriebsstabilität tatsächlich über die eigentliche Bauphase hinaus Bestand haben.
Quelle: DB-Watch, Die Güterbahnen, Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
