Bund soll Eisenbahninfrastrukturfonds für Sanierung und Ausbau der Schiene umsetzen
Allianz pro Schiene fordert langfristige und planbare Investitionen des Bundes für mehr Verlässlichkeit im deutschen Schienennetz
Ob Gleise, Stellwerke oder Bahnsteige: Trotz Rekordinvestitionen des Bundes gibt es bei der Schieneninfrastruktur in Deutschland noch immer einen gewaltigen Investitionsstau von 124 Milliarden Euro. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten InfraGO-Zustandsbericht der Deutschen Bahn für das Jahr 2025 hervor. Die Allianz pro Schiene bewertet es als Hoffnungsschimmer, dass sich der Zustand von Netz und Verkehrsstationen im vergangenen Jahr nicht weiter verschlechtert hat. Um den lang ersehnten Aufwärtstrend zu schaffen und echte Verbesserungen zu bewirken, brauche es jedoch eine langfristige und planbare Finanzierung durch den Bund.
„Im Jahr 2024 betrug der Investitionsstau im deutschen Schienennetz mit seinen Gleisen, Weichen und Signalanlagen sowie an den Verkehrsstationen mit ihren Bahnsteigen, Aufzügen und Treppen noch 130 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 ist der Berg um ein kleines Stück auf rund 124 Milliarden Euro geschmolzen, was immer noch eine gewaltige Summe ist. Deshalb ist es so wichtig, diesen Berg ganz gezielt mit einem langfristigen Plan vom Bund zu schrumpfen“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege.
Dem InfraGO-Zustandsbericht zufolge sind allein für besonders dringende Arbeiten an Schienenwegen und Bahnsteigen 41 Milliarden Euro nötig. Hinzu kommt noch der Bedarf für Ausbau und Erweiterung des Schienennetzes, da der Verkehr weiterwächst. Flege: „Auch wenn der Bund im vergangenen Jahr Rekordsummen in die Schieneninfrastruktur investiert hat – die jährlichen Investitionen in das Schienennetz decken den Gesamtbedarf noch nicht ab. Hier braucht es einen anderen Ansatz, weil Verspätungen und Störungen programmiert sind, wenn besonders erneuerungsbedürftige Anlagen nicht schnell ausgetauscht werden können oder Ausbaumaßnahmen wegen fehlender Mittel auf die lange Bank geschoben werden müssen.“
Auch wenn klar sei, dass sich das viele Jahrzehnte vernachlässigte Schienennetz nicht von einem Jahr auf das andere vollständig erholen könne oder „gesund machen“ lasse – der Bund brauche jetzt einen langen Atem und einen guten Trainingsplan, so Flege: „Ein guter Trainingsplan bedeutet, dass Rekordinvestitionen keine einmalige Sache sein dürfen. Es führt kein Weg daran vorbei, dass der Bund seine Investitionen auf hohem Niveau verstetigt, sich also auf einen Marathon vorbereitet, wenn es konstant bergauf gehen soll mit der Schiene in Deutschland. Dazu sollte der Bund nun schnell den im Koalitionsvertrag angekündigten Eisenbahninfrastrukturfonds zusammen mit dem ebenfalls im Koalitionsvertrag angekündigten Infraplan umsetzen, weil so Planbarkeit und Verlässlichkeit in die Finanzen und dann auch zurück zu den Güterkunden und Fahrgästen auf die Schiene kommen.“

