Bild: SNCF

Über einen Monat nach seinem Amtsantritt als Generaldirektor und Präsident der SNCF hat Jean-Pierre Farandou mit den Folgen eines Streiks zu kämpfen, der ihn teuer zu stehen kommt: Die Verluste nähern sich einer Milliarde Euro. Um die Finanzen wieder auf die Beine zu stellen und einen Teil der Streikverluste auszugleichen, erwägt der Bahnchef einen Sparplan und Veräußerungen.

Der Streik, der am 5. Dezember 2019 begann, hat für das Jahr 2019 zu einem Verdienstausfall von 600 Millionen Euro geführt, erklärte Farandou. „Ohne den Streik hätten wir 2019 ein sehr gutes Jahr gehabt. Aber jetzt wird es wehtun, es wird uns schaden.“ Auch im Jahr 2020 hat der Streik bislang zu weiteren Verlusten von 250 Millionen Euro geführt. „In der Summe werden wir nicht sehr weit von den Milliardengrenze entfernt sein“, schätzte der Bahnchef nach Angaben von „Le Monde“.

Daher wird der seit November im Amt befindliche neue SNCF-Chef sein Mandat mit der Umsetzung eines Sparplans beginnen, der das bereits geplante Programm zur Produktivitätssteigerung – den so genannten „plan de performance“ – ergänzt. „Die 600 Millionen Euro des letzten Jahres sind verloren, aber wir werden versuchen, einen Teil der etwa 300-350 Millionen Verluste auszugleichen, die durch den Streik im Jahr 2020 voraussichtlich verursacht werden.“

Farandou sagte, er habe dem Verwaltungsrat der SNCF versprochen, Ende Februar eine genauere Bewertung und einen Plan, „der die Situation angeht“, vorzustellen. „Es wird einen Sparplan geben, der versuchen wird, das wieder gutzumachen, was wieder gutzumachen ist“, sagte er, ohne dessen Umfang zu spezifizieren. „Aber ich werde keine Jobs im Betrieb anfassen“, versprach er. Das Sparprogramm wird mit einem kommerziellen Sanierungsplan gekoppelt, um die Passagiere, die die Bahn während des Konflikts verlassen haben, durch niedrige Preise an die SNCF zurückzuholen. Um die Lösung des Problems zu erleichtern und sich eine Atempause für Investitionen zu verschaffen, plant Jean-Pierre Farandou auch den Verkauf von Aktiva, die nicht unter die Priorität einer Neuausrichtung der Eisenbahn fallen, ohne sich jedoch von profitablen Tochtergesellschaften im Wert von mehreren Milliarden wie Keolis (öffentlicher Nahverkehr) oder Geodis (Logistik) zu trennen.

Quelle: Le Monde