Die InnoTrans 2026 ist eröffnet. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas gaben am Dienstag den offiziellen Startschuss für die internationale Leitmesse der Bahn- und Verkehrstechnik. Unter dem Motto „Mobility on a global scale – Shaping projects and growth opportunities“ treffen sich in Berlin Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Rekordzahlen zum 30. Messejubiläum

Zum 30-jährigen Bestehen erreicht die InnoTrans neue Dimensionen: Mehr als 3.170 Aussteller präsentieren ihre Produkte und Lösungen in 42 ausgebuchten Hallen. Hinzu kommt das rund 20.000 Quadratmeter große Outdoor Display mit 113 Fahrzeugen aus 17 Ländern. Insgesamt stehen auf dem Berliner Messegelände rund 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Damit setzt sich die Entwicklung der InnoTrans seit ihrer Premiere 1996 fort. Damals waren 172 Aussteller und rund 6.400 Fachbesucher vertreten. Für die diesjährige Ausgabe rechnen die Veranstalter mit einer weiteren Steigerung gegenüber dem Besucherrekord von rund 170.000 Fachbesuchern im Jahr 2024.

Globale Perspektive auf den Schienenverkehr

Bei der Eröffnung steht der internationale Schienenverkehr im Mittelpunkt. Auf dem Panel diskutieren Martin Sion, CEO von Alstom, Michael Peter, CEO von Siemens Mobility, Petr Novotny, CEO und Executive Chairman der Škoda Group, sowie Ian Choudri, CEO der California High Speed Rail Authority.

Ein Schwerpunkt der Messe liegt auf technologischen Entwicklungen, mit denen Kapazität, Effizienz und Verfügbarkeit des Bahnsystems verbessert werden sollen. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotik und automatisiertes Fahren gehören entsprechend zu den zentralen Themen. Die InnoTrans bietet erstmals eigene Robotics Tours an; bei den AI Tours werden Anwendungen künstlicher Intelligenz im Bahnsektor vorgestellt.

Auch die Hersteller setzen auf digitale Lösungen. Siemens Mobility stellt seinen Messeauftritt unter das Zeichen „X“. Dazu gehören unter anderem Signaling X, die Mobility Software Suite X, Railigent X mit Railigent X Copilot sowie die Lokomotive Vectron X. Der KI-gestützte Railigent X Copilot soll unter anderem bei Betrieb und Instandhaltung von Schienenfahrzeugen unterstützen.

Planungssicherheit für die Bahnindustrie

Bereits am Vorabend der Messe standen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Branche im Mittelpunkt des traditionellen Empfangs des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB). VDB-Präsident Andre Rodenbeck forderte mehr strategische und finanzielle Planungssicherheit für die Unternehmen der Bahnindustrie. Auch Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke verwies auf den österreichischen Infrastrukturplan und einen mehrjährigen Finanzierungsrahmen.

Rodenbeck sprach sich zudem für Veränderungen bei öffentlicher Beschaffung und Wettbewerb aus. Vergabeverfahren sollten nach seiner Auffassung Innovation stärker berücksichtigen und nicht ausschließlich über den Preis gesteuert werden. Hanke plädierte zugleich dafür, Mobilität in Europa als kritische Infrastruktur zu betrachten.

Eine weitere Perspektive auf den europäischen Schienenpersonenfernverkehr brachte André Schwämmlein, Gründer und Vorstand von Flix, ein. Flixtrain wolle mit einem ergänzenden Angebot zum bestehenden Fernverkehr zusätzliche Fahrgäste für die Schiene gewinnen.

Batteriezüge für den Regionalverkehr

Auch bei den Fahrzeugen zeigt die Messe aktuelle Entwicklungen bei alternativen Antrieben. Ein Schwerpunkt liegt auf batterieelektrischen Triebzügen (BEMU) für den Regionalverkehr.

Der spanische Hersteller CAF präsentiert eine Weltpremiere. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat insgesamt 76 dieser Züge bestellt. Die Fahrzeuge werden abhängig vom jeweiligen Einsatzprofil mit unterschiedlich vielen Batteriepaketen ausgestattet. Nach Angaben von CAF absolvierte der kürzere Zugtyp im Test bereits eine Fahrt von mehr als 270 Kilometern ohne Nachladung.

Auch Škoda zeigt einen zweiteiligen BEMU auf Basis der Regionalzugplattform Panter. Die tschechische Staatsbahn ČD hat 19 dieser Fahrzeuge bestellt. Stadler präsentiert mit einem dreiteiligen Akku-Flirt eine weitere Variante. Die ÖBB haben 23 dieser Züge bestellt, die ab 2028 eingesetzt werden sollen.

Batteriezüge werden darüber hinaus für den S-Bahn-Verkehr relevant. Siemens Mobility zeigt den zweiteiligen Mireo Plus B, der künftig im S-Bahn-Netz Mitteldeutschland eingesetzt werden soll. Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) hat 16 Einheiten bestellt.

Digitalisierung reicht bis in die Instandhaltung

Neben alternativen Antrieben steht die Digitalisierung der Fahrzeuge und Infrastruktur im Fokus. Die InnoTrans zeigt dabei zunehmend Lösungen, die Daten aus Fahrzeugen und Anlagen für Betrieb und Instandhaltung nutzbar machen.

Ein Beispiel ist der Vectron X von Siemens Mobility. Die Lokomotive ist nahezu in Echtzeit vernetzt und verfügt über einen zentralen Smart Screen im Führerstand. Über einen App-Store können vom Betreiber freigegebene Anwendungen auf die Lokomotive geladen werden.

Auch die internationale Marktbetrachtung wird digitaler: Die UNIFE World Rail Market Study 2026 wird erstmals als modulare Online-Plattform angeboten. Die mit Unterstützung von Bain & Company erstellte Studie untersucht 66 Schwerpunktländer und betrachtet die gesamte Wertschöpfungskette – von Infrastruktur, Zugsteuerung und Signaltechnik über Schienenfahrzeuge bis hin zu Dienstleistungen und Turn-Key-Projekten.

Nachtzüge und Schienengüterverkehr im Blick

Neben Regionalverkehr und Digitalisierung rücken auch neue Angebote im Personen- und Güterverkehr in den Mittelpunkt. Die InnoTrans zeigt unter anderem Entwicklungen für die nächste Generation europäischer Nachtzüge. Das Berliner Start-up Nox Mobility will ab 2027 Nachtzüge mit ausschließlich privaten Abteilen auf die Schiene bringen. Das DLR präsentiert gemeinsam mit Tricon, Gata, satek und k+v das Forschungsprojekt ALISA, ein leichtes und innovatives Schlafwagenkonzept.

Der internationale Blick auf den Schienenverkehr wird zudem durch den „European Train“ sichtbar. Rund 300 Vertreter der europäischen Schienenpolitik reisten von Brüssel nach Berlin. An Bord des ICE 3neo „Europa“ der Deutschen Bahn ging es unter anderem um die Harmonisierung des Eisenbahnverkehrs, Hochgeschwindigkeitsverkehr und die Weiterentwicklung des Schienengüterverkehrs. Organisiert wurde die Reise unter anderem von der EU-Kommission, Europe’s Rail und der Europäischen Eisenbahnagentur.

Die InnoTrans 2026 verbindet damit in diesem Jahr technologische Neuheiten mit den großen strukturellen Fragen des Bahnsektors: Wie lassen sich bestehende Netze digital leistungsfähiger machen? Welche Antriebe eignen sich für unterschiedliche Einsatzprofile? Und welche Rahmenbedingungen benötigt die Bahnindustrie, um langfristig in Fahrzeuge, Infrastruktur und neue Technologien investieren zu können? Die Antworten darauf werden in Berlin bis zum 25. September diskutiert.

 

Quelle: Messe Berlin, Foto: Messe Berlin
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