Stiegl: Von der Schiene auf die Straße
Die Stieglbrauerei zu Salzburg hat den Betreibervertrag mit der Salzburger Eisenbahn Transportlogistik (SETG) gekündigt. Wie ORF Salzburg berichtet, läuft der Vertrag Ende Dezember aus – künftig soll die Belieferung ausschließlich per Lkw erfolgen. Braumeister Christian Pöpperl begründet den Schritt mit Flexibilität und Kosten: Lastwagen seien in beiderlei Hinsicht im Vorteil gegenüber der Schiene. Für die SETG selbst ist der Verlust nach Angaben von Geschäftsführer Günther Pitterka verkraftbar, da Stiegl nur eines von mehreren Geschäftsfeldern des Unternehmens sei.
Betroffen ist die rund 3,4 Kilometer lange Stieglbahn zwischen den Salzburger Stadtteilen Lehen und Maxglan, die seit 1920 die Brauerei mit der ÖBB-Stammstrecke bei der Haltestelle Aiglhof verbindet. Bislang wird sie ausschließlich im Güterverkehr genutzt, ist aber seit 1988 auch für den Personenverkehr zugelassen. Zweiter Nutzer der Strecke ist das Entsorgungsunternehmen Papyrus, das laut Berichten zuletzt 80 bis 100 Waggons pro Jahr über die Stieglbahn transportierte.
In der Salzburger Stadt- und Landespolitik löst die Ankündigung deutliche Reaktionen aus. Verkehrsstadträtin Anna Schiester (Bürgerliste) und der grüne Verkehrssprecher im Landtag, Simon Heilig-Hofbauer, warnen in einer gemeinsamen Aussendung: „Wird der Betrieb auf der Stieglbahn eingestellt, dann geht auch die Konzession verloren, was wohl generell das Aus für diese Strecke bedeuten würde.“ Beide fordern eine langfristige Zukunftsperspektive für Güter- und Personenverkehr auf der Strecke.
Heilig-Hofbauer drängt auf rasches Handeln: Stiegl, SETG, Stadt und Land müssten kurzfristig an einen Tisch, um Optionen für den Fortbestand auszuloten. Er verweist darauf, dass Gleis- und Signalanlagen einer Tochtergesellschaft von Stiegl-Geschäftsführer Heinrich Dieter Kiener gehören – eine langfristige Lösung sei damit nur gemeinsam mit Stiegl denkbar. Schiester ergänzt, es habe bereits konkrete Gespräche mit dem Verkehrsministerium und den ÖBB zu einer möglichen Personenverkehrsnutzung gegeben. Ein Komplettabbau der Infrastruktur würde dieses Zeitfenster endgültig schließen.
Der für Verkehr zuständige Landeshauptmann-Stellvertreter Stefan Schnöll (ÖVP) kündigte gegenüber der APA ein Gespräch mit Stiegl für die kommende Woche an, ließ die weitere Zukunft der Strecke aber offen. Auch die KPÖ Plus meldete sich kritisch zu Wort: Gemeinderatsklubvorsitzende Cornelia Plank bemängelte einen Widerspruch zwischen politischen Bekenntnissen zur Schiene und der Realität vor Ort.
Ob die Stieglbahn eine Zukunft im Personenverkehr hat, war bereits mehrfach Thema – zuletzt im Zusammenhang mit der 2024 per Volksbefragung gestoppten Stadtregionalbahn S-Link. Nach dem Rückzug von Stiegl aus dem Schienengüterverkehr steht nun offen im Raum, ob die über 100 Jahre alte Anschlussbahn überhaupt erhalten bleibt.
red

“Stiegl geht bei Logistik neue Wege”, schreibt eine der größten Privatbrauereien Österreichs. Und weiter: “Stiegl-Geschäftsführer Herbert Bauer intensiviert in Tirol und Oberösterreich in die Zusammenarbeit mit starken, regionalen Logistikpartnern.” Die Schiene spielt in dieser Strategie keine Rolle mehr.