GDL will mit zwei Eisenbahnen verhandeln

Die seit Wochen öffentliche Tarifauseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auf der einen und bundesdeutschen Eisenbahnunternehmen auf der anderen Seite, mit der die GDL einheitliche Bezahlung für alle Lokführer erreichen will, ist einen kleinen Schritt weiter gekommen.

Die Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt (VVA) und die GDL bestätigten übereinstimmend, der Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik sei vor dem Arbeitsgericht Frankfurt (Main) zurückgenommen worden. Veolia-Sprecher Jörg Puchmüller: „Wir sind verhandlungsbereit“, dies habe sich auch auf GDL-Seite gezeigt. Laut GDL hat es einen weiteren, gescheiterten Versuch eines Veolia-Unternehmens gegeben, beim Arbeitsgericht Kiel ebenfalls eine einstweilige Verfügung zu erreichen.

GDL-Sprecherin Gerda Seibert trat gegenüber dem Privatbahn-Magazin dem Eindruck entgegen, bei der Tarifauseinandersetzung um gleichwertige Bezahlung der Lokführer gehe es eigentlich um Konkurrenz mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). „Wir haben 75 Prozent aller Lokführer organisiert“, betonte sie; insgesamt habe die GDL 34.000 Mitglieder mit – nach ihren Angaben – steigender Tendenz.

Mit den vermiedenen Prozessen ist die Auseinandersetzung freilich nicht ausgestanden. Die GDL-Sprecherin räumte ein, dass durch die Beendung des Verhandlungsmandats der so genannten G6-Gruppe (das Privatbahn-Magazin berichtet darüber in seiner aktuellen Ausgabe), der eine Reihe wichtiger Privatbahnen auf Arbeitgeberseite angehören, die Situation schwieriger geworden sei. Man könne sich nicht zurücklehnen, notfalls werde es Erzwingungsstreiks geben: „Wir verlangen nichts unmögliches“.

(fbt)

GDL-Streik: Weiter keine Bewegung?

Zum ersten Mal hat die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) von Mittwochabend auf Donnerstag (9.3./10.3.) regulär gestreikt. Nach wie vor geht es darum, dass die Gewerkschaft die einheitliche Bezahlung aller Lokführer durchsetzen will. Wie üblich, „befeuerten“ sich die Kombattanten vor und während der Auseinandersetzung mit Presseinformationen und öffentlichen Statements. Wann es zu einer Einigung oder wenigstens Fortschritten in der Sache kommt, scheint auch zum aktuellen Zeitpunkt weiter offen zu sein. Bestreikt wurden

–          laut DB seit Donnerstag, 4 Uhr, der komplette Personenverkehr der DB. Stark betroffen seien S-Bahnen in Berlin, Hannover, München, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart und die S-Bahn Rhein-Neckar. Im Regionalverkehr sei es bundesweit zu Behinderungen gekommen, der Fernverkehr sei ebenfalls stark eingeschränkt.

–          Im Güterverkehr wurde seit Mittwoch, 20 Uhr, ebenfalls gestreikt, rund 300 Güterzüge seien nicht gefahren, so die DB. Die GDL teilte mit, die Ausfall- oder Verspätungsrate habe bei 600 Zügen gelegen.

–          Laut GDL ist eine „hohe Streikwirkung“ unter anderem bei der Metronom, der Ostseeland Verkehr, der Eurobahn, der Hessischen Landesbahn, Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt, der Albtal Verkehrsgesellschaft und der AKN erzielt worden.

Die DB-Konzernpressestelle verwies auf Privatbahn-Magazin-Anfrage auf eine Äußerung von Personalvorstand Ulrich Weber im ZDF-Morgenmagazin: Die Bahn habe die seit den frühen Morgenstunden andauernden Streiks der Lokführer im Nah- und Fernverkehr scharf kritisiert, hieß es dort. Das Unternehmen sei „enttäuscht darüber, dass entgegen der Ankündigungen der Gewerkschaft GDL Pendler wieder stark betroffen seien“, so Weber im ZDF. Er habe zugleich die Forderung an die Gewerkschaft bekräftigt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Ich verlange von der GDL, dass sie auf unsere vielfältigen schriftlichen und mündlichen Angebote eingeht.“ Personenverkehrschef Ulrich Homburg bezeichnete den Streik am Donnerstagvormittag als „gänzlich widersinnig“, da die DB die GDL-Kernforderungen unterstütze.

Die Metronom-Eisenbahngesellschaft äußerte die Vermutung, weitere Streiks seien möglicherweise rechtswidrig, da für das Unternehmen bisher keine Forderungen vorlägen. Nähere Erläuterungen waren hierzu nicht zu erhalten.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG) beklagte, unter den fortwährenden Streiks der GDL-Lokführer hätten auch viele Mitarbeiter verschiedener Eisenbahnunternehmen zu leiden. „Die streikenden Lokführer schließen sich in ihren Führerständen ein oder schicken ein paar Fahnenschwinger auf die Bahnsteige und unsere Kolleginnen und Kollegen müssen das Chaos ausbaden, das angerichtet wird“, wurde EVG-Chef Alexander Kirchner zitiert.

Lokführer stimmen für unbefristeten Streik

Die Zeichen stehen auf Streik: Mehr als 92 Prozent der Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn und 96 Prozent der GDL-Mitglieder bei den Konkurrenten stimmten für Streiks, teilte die GDL mit. Noch in dieser Woche wollen die Lokführer den Schienenverkehr erneut flächendeckend bestreiken.

Reisende sollen wie bei den vorangegangenen Warnstreiks zwölf Stunden vor Beginn der Arbeitskämpfe über die Schritte informiert werden. Am Dienstag solle es noch keine Streiks geben, von Aschermittwoch an könnten die Züge jedoch stehenbleiben.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer warnte die GDL vor einer Eskalation des Konflikts. „Die Tarifautonomie ist ein hohes Gut. Der Kampf um sie darf aber nicht grenzenlos auf dem Rücken der Fahrgäste und unter Geiselhaft der Deutschen Bahn AG ausgetragen werden.“

Auf Kritik stößt die GDL auch bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Es gehe den Lokführern nicht um den Tarifkonflikt, sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner. Ihr Ziel sei es stattdessen, mehr Mitglieder als die Schwestergewerkschaft zu bekommen. Kirchner spricht von der Gefahr einer Entsolidarisierung der Gesellschaft, wenn jede Berufsgruppe für sich „vom Kuchen immer ein größeres Stück abschneidet als die anderen“.

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ hat die GDL angesichts des bevorstehenden Ausstands dazu aufgefordert, künftig „andere Formen des Streiks“ zu nutzen. Der Streik sollte vor allem die Bahnunternehmen treffen und nicht in erster Linie die Fahrgäste, sagt Verbandschef Karl-Peter Naumann. „Es kann nicht sein, dass die Kunden von den Gewerkschaften als Geiseln genommen werden, obwohl sie eigentlich dieselben Interessen haben wie die Gewerkschaften.“

Sollte der Streik auf den Güterverkehr ausgeweitet werden, könnte das laut dem Fahrgastverband negativ auf die Lokomotivführer zurückschlagen. Wenn der Schienenverkehr nicht zuverlässig laufe, würden nicht nur Fahrgäste, sondern auch die Unternehmen wieder verstärkt auf die Straße wechseln. Wenn es weniger Fahrgäste und weniger Fracht für die Bahn gebe, werde auch der Bahnverkehr abnehmen, und dann würden auch weniger Lokführer benötigt. Naumann: „Der Bahn droht eine Abwanderung von Kunden. Das könnte auch weitere Arbeitsplätze im Bereich des Schienenverkehrs kosten. Die Streiks wären dann kontraproduktiv gewesen.“

Warnstreik angedroht

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beginnt mit ihren Warnstreiks. Zwischen 6 und 8 Uhr legen die Lokführer die Arbeit nieder. Welche Auswirkungen der Zwei-Stunden-Streik auf den späteren Bahnverkehr haben wird, ist noch völlig unklar.

Hintergrund: Die Lokführer werden bei der privaten Konkurrenz meist schlechter bezahlt als bei der DB. Das will die GDL, die etwa 80 Prozent der Lokführer bei der Bahn und mehr als 70 Prozent bei den großen Bahn-Konkurrenten vertritt, ändern. Sie fordert einen einheitlichen Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr, unabhängig davon, für welches Unternehmen sie tätig sind.

Die Bahn soll also mehr zahlen als bisher, und die privaten Anbieter müssten ihr Tarifniveau dem der Bahn angleichen, was diese strikt ablehnen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte bereits einen Branchen-Tarifvertrag mit der Bahn und den sechs größten privaten Anbietern abgeschlossen, jedoch nur für den Nahverkehr. Es geht um Prozente: Die GDL sagt, die Bahn wolle nur 1,9 Prozent mehr Gehalt zahlen, zugleich aber die Wochenarbeitszeit von 38 auf 39 Stunden erhöhen, ohne Lohnausgleich. Die Bahn kontert. Sie will Löhne stufenweise erhöhen, dieses Jahr um 1,8 und im kommenden Jahr um 2,0 Prozent. Außerdem bietet der Konzern an, die Altersvorsorge zu verbessern.

In den Streit mischte sich auch bereits Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ein. Berufspendler dürften nicht „als Geiseln“ für konkurrierende Gewerkschaften herhalten. Die Bevölkerung werde für einen solchen Streik kaum Verständnis haben. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn forderte die Gewerkschaft auf, nach anderen Streikformen zu suchen, die den Reisenden weniger schaden. Der Verband hat aber Verständnis für die Wünsche der Gewerkschaft. Der Wettbewerb auf der Schiene müsse über die Qualität der Angebote gehen und nicht über niedrige Löhne für die Mitarbeiter, heißt es bei Pro Bahn.

Um eine drohendes Informationschaos bei den Reisenden zu vermeiden setzt die Bahn ab heute mehrere Hundert zusätzliche Mitarbeiter bundesweit ein, sagte eine Bahn-Sprecherin. Eine kostenlose Hotline sei unter der Rufnummer 08000/99 66 33 geschaltet. Die Bahn kündigte an, dass Kunden den Fahrpreis erstattet bekommen, wenn sie aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussproblemen ihre Reise nicht antreten können.

EVG-Chef Alexander Kirchner folgt Klaus-Dieter Hommel

Die Allianz pro Schiene hat einen neuen Vorsitzenden: dr frisch gekürte Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Alexander Kirchner wurde  zum neuen Vorsitzenden des Schienenbündnisses gewählt. Kirchner tritt damit die Nachfolge von Klaus-Dieter Hommel an. Der Bundesvorsitzende der ehemaligen GDBA stand dem Verkehrsbündnis seit dem Sommer 2008 vor.

Neben Kirchner wählten die Mitgliedsverbände zwei weitere neue Vorstände: Mit dem Vizepräsidenten der Technischen Hochschule Wildau, Herbert Sonntag, verstärkt erstmals ein Wissenschaftler den Vorstand des Verkehrsbündnisses. Für den aus Altersgründen zurückgetretenen Präsidenten des Verbands Deutscher Eisenbahningenieure (VDEI), Lothar Fendrich, wurde sein Nachfolger, Klaus Junker, in den Allianz pro Schiene-Vorstand gewählt. Bereits im Oktober war Klaus Baur, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bombardier Transportation, als Förderkreissprecher der Allianz pro Schiene zum stellvertretenden Vorsitzenden wiedergewählt worden. Im Vorstand der Allianz pro Schiene vertritt Baur die Unternehmen der Schienenbranche. (PM Allianz pro Schiene)