Stadler verdoppelt Reingewinn
Stadler setzt den Kurs zur Ergebnisverbesserung im Geschäftsjahr 2025 fort: Der Umsatz konnte auf 3.7 Milliarden Franken gesteigert und eine EBIT-Marge von 4.4 Prozent erzielt werden. Das Ergebnis 2025 wird nach wie vor durch die Folgen der Flutkatastrophe in Va-lencia belastet. Zusätzlich haben die wirtschaftliche Situation in Deutschland und der starke Franken Spuren hinterlassen. Doch ein guter Auftragseingang und Auftragsbestand sowie qualitativ hochwertige Aufträge sorgen für positive Indikatoren für die kommenden Jahre. Bereits im laufenden Geschäftsjahr 2026 wird ein Umsatz von deutlich über 5 Milliarden Franken erwartet. Infolge der konservativen Rechnungslegung war die Produktionsleistung im 2025 über eine Milliarde Franken höher als der ausgewiesene Umsatz. Stadler erwartet eine EBIT-Marge von über 5 Prozent im laufenden Geschäftsjahr.
Stadler hat das Geschäftsjahr 2025 im Rahmen der gemachten Prognosen abgeschlossen und konnte das Ergebnis trotz weiterhin anspruchsvoller Rahmenbedingungen verbessern.
- Der Auftragseingang beträgt im vergangenen Jahr CHF 6.1 Milliarden (Vorjahr: 6.4 Milliarden), der Auftragsbestand stieg auf über CHF 32 Milliarden an (31.12.2024: CHF 29.2 Milliarden).
- Der Umsatz steigt um 13 Prozent (15 Prozent währungsbereinigt) auf CHF 3.7 Milliarden (Vorjahr: CHF 3.3 Milliarden).
- Der EBIT liegt bei CHF 160.6 Millionen (Vorjahr: CHF 100.5 Millionen). Dies entspricht einer EBIT-Marge von 4.4 Prozent (Vorjahr: 3.1 Prozent). Der Reingewinn hat sich auf CHF 100.7 Millionen beinahe verdoppelt (Vorjahr: 55.0 Millionen).
Damit setzt Stadler den im Laufe des Geschäftsjahres 2025 eingeschlagenen Kurs zur Ergebnisverbesserung fort. Die im letzten Jahr kommunizierte Erwartung eines Umsatzwachstums von deutlich über 10 Prozent gegenüber 2024 wurde somit bestätigt. Die prognostizierte EBIT-Marge zwischen 4 und 5 Prozent wurde ebenfalls erreicht.
Weiter spürbare Folgen der Unwetterkatastrophe von Valencia
Die nach der Flutkatastrophe von Valencia umgesetzten Aufholmassnahmen zeigten erste Wirkung und führten zu einer weiteren Verbesserung im zweiten Halbjahr. Dennoch wirkt sich die Unwetterkatastrophe in Valencia von Ende Oktober 2024 und die damit verbundenen Schäden an Zulieferern und Infrastruktur weiterhin negativ auf Lieferketten, Produktion und das Ergebnis aus. Stadler musste die betroffenen Lieferketten zum Teil neu aufbauen, alternative Be-zugsquellen erschliessen sowie Produktionsprozesse anpassen. Die Stabilität der Lieferketten hat sich per Ende 2025 verbessert. Die Folgen der massiven Überschwemmung werden jedoch voraussichtlich bis ins Jahr 2027 spürbar bleiben. Trotz des von Stadler 2025 gestarteten Aufholprogramms hat die Flutkatastrophe Einfluss auf Kosten und Auslieferung von Schienenfahrzeugen. CHF 350 Millionen Umsatz konnten 2024 nicht geleistet werden.
Wirtschaftliche Situation in Deutschland
Zusätzlich zu den Unwetterfolgen in Valencia belastet die wirtschaftliche Situation in Deutschland das Ergebnis weiterhin. Stadler setzt am Standort Berlin seit Anfang 2025 konsequent sein Effizienzsteigerungsprogramm um. Ein im April 2025 unterzeichneter Zukunftstarifvertrag mit der Gewerkschaft IG Metall hilft, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Stadler-Beschäftigten im Werk Berlin Pankow haben sich letztes Jahr im Gegenzug zur Standortsicherung bereit erklärt, 40 statt 38 Stunden pro Woche zu arbeiten. Das interne Effizienzsteigerungsprogramm zeigt im Werk Berlin Pankow erste Wirkung: Die Produktivität konnte über die gesamte Wertschöpfungskette erhöht werden.
Wiedererstarkter Schweizer Franken belastet Exportindustrie zusätzlich
Die Schweiz hat die höchsten Lohn- und Lohnnebenkosten in Europa. Ein immer stärker werdender Schweizer Franken belastet die Exportindustrie zusätzlich. Diese Wechselkurssituation reduziert auch den konsolidierten Umsatz von Stadler um über 50 Millionen Franken.
Erwartete Fahrzeugbestellungen in Berlin
Stadler erwartet, dass bis Ende Dezember 2026 der Abruf von bis zu 1500 Metro-Wagen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erfolgen wird. Dasselbe gilt für den gewonnen Auftrag der S-Bahn Berlin über 350 Züge. Die Einwohner Berlins warten seit dem Jahr 2020 auf neue
S-Bahn-Züge. Der Abgabetermin für das Angebot wurde jahrelang immer wieder verschoben.
Die von US-Präsident Trump auferlegten Zölle haben Stadler getroffen – aber nicht in vollem Ausmass. Aufgrund des Buy America Acts muss Stadler bereits seit 2016 einen Wertschöpfungsanteil von mindestens 70 Prozent nachweislich in den USA erbringen. Ende September 2025 hat Stadler in seinem Werk in Salt Lake City eine lange vor Trump geplante eigene Aluminiumschweisserei für Wagenkasten in Betrieb genommen. Damit konnte der lokale Wertschöpfungsanteil in den USA zusätzlich erhöht werden.
Wichtige Markterfolge im Jahr 2025
Im Geschäftsjahr 2025 konnte Stadler eine Reihe bedeutender Aufträge gewinnen und bestehende Kundenbeziehungen weiter ausbauen. Dies bestätigt die starke Marktposition in Europa und darüber hinaus.
- Die niederländische Eisenbahnbetreiberin Nederlandse Spoorwegen (NS) und Stadler haben einen Vertrag über die Lieferung von 36 FLIRT-Zügen für den Pendlerverkehr unterzeichnet. Mit den Zügen steigert die NS die Kapazität und den Komfort auf dem Netz in den Niederlanden. Sie gehen 2030 in Betrieb. Stadler hat damit bereits mehr als 3000 FLIRT in weltweit 24 Ländern verkauft.
- In Andermatt wurde der erste mit einem weltweit neuen Zahnradbremssystem «v+» ausgerüstete ORION-Triebzug von MGBahn und Stadler vorgestellt. Er wird auf der 181 Promille steilen Strecke Andermatt–Göschenen eingesetzt und kann dank der neuen Technik mit bis zu 30 km/h statt bisher 21 km/h sicher bergab fahren.
- Rund um die Vulkanlandschaft des Ätna fahren künftig Stadler-Wasserstoffzüge. Die Bahngesellschaft Ferrovia Circumetnea (FCE) hat zwei massgeschneiderte Schmalspur-züge mit Wasserstoffantrieb bestellt. Stadler ist Marktführer bei Alternativantrieben. Kein Hersteller verkauft in Europa mehr Schienenfahrzeuge mit nachhaltigen, CO2-freien Batterie- und Wasserstoffantrieben.
- Stadler Signalling konnte sich in Bergen, Norwegen, gegen namenhafte Wettbewerber durchsetzen und gewinnt eine öffentliche Ausschreibung mit einem Projektvolumen von ca. EUR 50 Millionen. Die massgeschneiderte Signalling-Lösung erfüllt Sicherheitsanforderungen bis zur höchsten Sicherheitsstufe der Bahntechnik. Fast alle Komponenten werden bei Stadler Signalling selbst produziert.
- Mit dem Auftrag der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) zur Lieferung von 132 Hochflur-Stadtbahnen konnte ein bedeutendes Projekt für den urbanen Schienenverkehr gewonnen werden. Das Auftragsvolumen beträgt rund EUR 700 Millionen. Die speziell auf das Kölner Stadtbahnnetz abgestimmten Fahrzeuge ermöglichen dank modularer Bauweise eine flexible Kapazitätserweiterung.
Produktionsleistung und Umsatz werden stark ansteigen
Der hohe Auftragseingang der vergangenen Jahre führt dazu, dass die Produktionsleistung und damit auch der Umsatz in den kommenden Jahren massiv ansteigen werden. Um den Umsatzsprung zu ermöglichen, hat Stadler erneut stark in die Produktionskapazitäten investiert. Zudem werden die hohen Anzahlungen aus den vergangenen Jahren nun verwendet, um die laufenden Aufträge abzuwickeln und die Fahrzeuge zu bauen. Dies hat sich im vergangenen Geschäftsjahr negativ auf den Free Cashflow, das Net Working Capital und die Net Cash Position ausgewirkt.
Nach einem Free Cashflow von CHF -744.2 Millionen im ersten Halbjahr 2025 konnte in der zweiten Jahreshälfte, trotz anhaltend hoher Investitionen, ein positiver Free Cashflow von CHF 155.9 Millionen erzielt werden. Für das Gesamtjahr 2025 resultiert damit ein Free Cashflow von CHF -588.4 Millionen. Das Net Working Capital bleibt mit CHF -421.8 Millionen weiterhin negativ (31.12.2024: CHF -1’010.9 Mio.). Damit ist die Höhe der von den Kunden erhaltenen Anzahlungen nach wie vor höher als die Kosten für die Produktion der laufenden Aufträge. Die Net Cash Position beträgt per 31. Dezember 2025 CHF -275.5 Millionen (31.12.2024: CHF 368.0 Mio.).
Stadler bestätigt mittelfristige Guidance
Für das Geschäftsjahr 2026 und die folgenden Jahre bestätigt Stadler die Erwartung eines Umsatzes von deutlich über CHF 5 Milliarden. Dank starkem Auftragsbestand, erhöhtem Produktionsoutput und dem in Deutschland eingeleiteten Effizienzprogramm wird für 2026 eine EBIT-Marge von über 5 Prozent erwartet. Der Auftragseingang soll im Bereich des 1- bis 1.5-fachen Jahresumsatzes liegen. Dies bildet die Basis für eine nachhaltige Auslastung und weiteres Wachstum. Zudem rechnet Stadler 2026 mit gesamthaften Investitionen von rund CHF 250 Millionen.
CEO-Bernsteiner: “Rechnen 2026 mit deutlich höherem EBIT”
Markus Bernsteiner, Group CEO, betont: “Unsere Anstrengungen nach den Umweltkatastrophen zeigen erste Früchte. Die Kombination aus einem sehr soliden Auftragsbestand, stabileren Lieferketten und dem konsequenten Effizienzsteigerungsprogramm zeigt Wirkung. Wir rechnen 2026 mit einem deutlich höheren Umsatz und EBIT.”
Stadler erwartet, bei stabilen Lieferketten die EBIT-Marge mittelfristig auf 6 bis 8 Prozent steigern zu können, bei einem stabilen Umsatzniveau von über CHF 5 Milliarden. Die mittelfristige Guidance wird deshalb unverändert bestätigt.
Der Verwaltungsrat beabsichtigt zuhanden der Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von CHF 50 Millionen (CHF 0.50 pro Aktie) zu beantragen – gegenüber CHF 20 Millionen (CHF 0.20 pro Aktie) im Vorjahr.
Quelle: Stadler; Foto: Dietrich Michael Weidmann via CC BY-SA 3.0
