SET4FUTURE Innovation Award 2026
Bereits zum siebten Mal zeichnete SET4FUTURE, das Innovationscluster für smarte Lösungen auf der Schiene, wegweisende Produkte, Technologien und Geschäftsmodelle aus, die die Bahntechnik von morgen prägen. Die diesjährigen Preisträger PURTEC Engineering, RAILBETON HAAS und CAEmate wurden auf dem Sommerfest des Bahnindustrievereins Rail.S e. V., Träger des Innovationsclusters SET4FUTURE, in Dresden geehrt.
„Ausgezeichnet wurden Lösungen, die den Ausbau und die Modernisierung der Schiene nicht nur technologisch voranbringen, sondern vor allem effizienter und wirtschaftlicher gestalten“, erklärt Rail.S-Geschäftsstellenleiter Dirk-Ulrich Krüger. „Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel sind Innovationen der Schlüssel, um mit jedem investierten Euro mehr Wirkung zu erzielen. Unsere Preisträger zeigen eindrucksvoll, wie sich Produktivität steigern, Lebenszykluskosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene nachhaltig verbessern lassen. Genau dafür steht der SET4FUTURE Innovation Award 2026.“

Foto: PURTEC Engineering
PURTEC Engineering : Neue Maßstäbe in der Schienenfahrzeugmontage
PURTEC Engineering GmbH aus Königswartha setzt mit PURTEC RailGlide, einem ergonomischen Handhabungssystem für die Montage von Fenstern und Türen in Schienenfahrzeugen, neue Maßstäbe in der Endmontage von Schienenfahrzeugen. Die Innovation ermöglicht erstmals den Einbau von Fenster- und Türelementen in Doppelstock-Wagenkästen mit Lasten von bis zu 160 Kilogramm und einem Gesamthub von 3,3 Metern – und das durch nur eine Bedienperson. Möglich wird dies durch die Kombination aus einem mehrachsigen Vakuumgreifer für Fahrzeugscheiben und einem Wechseladapter für Türen. Die Bedienung erfolgt zweistufig: Während die Vorpositionierung per Fernbedienung erfolgt, übernimmt die Bedienperson die anschließende Feinpositionierung manuell geführt und unterstützt durch eine pneumatische Gewichtskompensation. So lassen sich die Bauteile präzise, sicher und ergonomisch positionieren.
Für Schienenfahrzeughersteller bedeutet dies eine deutliche Effizienzsteigerung in der Endmontage: Der Personalbedarf sinkt erheblich, Montagezeiten werden verkürzt und Qualitätsrisiken beim Einbau, beispielsweise durch das vorzeitige Aushärten von Klebstoffen, reduziert. Gleichzeitig verbessert RailGlide die Ergonomie am Arbeitsplatz und entlastet die Mitarbeitenden von körperlich belastenden Hebevorgängen. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme bei Alstom Polska befindet sich das System bereits im produktiven Einsatz. Die modulare Bauweise eröffnet darüber hinaus Einsatzmöglichkeiten für weitere Komponenten sowie Perspektiven für andere Industrien mit vergleichbaren Handhabungsaufgaben.
„Mit PURTEC RailGlide ist es gelungen, eine technologische Herausforderung zu lösen, an der bisherige Systeme an ihre Grenzen gestoßen sind. Die Innovation vereint hohe technische Raffinesse mit einem unmittelbaren Nutzen für die industrielle Praxis: effizientere Montageprozesse, bessere Ergonomie und höhere Qualität“, erklärt Dr. André Günther, Juror und Branchenleiter Mobilität bei der Wirtschaftsförderung Sachsen. „PURTEC beweist damit eindrucksvoll, dass wegweisende Lösungen für die Bahnindustrie in Sachsen entstehen und von hieraus internationale Maßstäbe setzen.“

Grafik: RAILBETON BETOcross
RAILBETON HAAS : Zukunftsweisender Bahnbau
Mit BETOcross® hat RAILBETON HAAS GmbH aus Chemnitz ein modulares Bahnübergangssystem entwickelt, das speziell für schiefwinklige Bahnübergänge konzipiert wurde. Die Innovation zeichnet sich durch ihre modulare Systemarchitektur und ein montageoptimiertes Schnellmontagekonzept aus. Dank der schwellen- und schienenfußgelagerten Konstruktion sowie der vertikalen Einbringung der Belagsplatten lassen sich selbst komplexe Gleisgeometrien mit deutlich geringerem Montageaufwand realisieren. Gleichzeitig sorgt eine weiterentwickelte Betontechnologie für eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischem Verschleiß, Witterungseinflüssen sowie Frost- und Tausalzbeanspruchung. Eine optimierte Oberflächenstruktur verbessert zudem die Griffigkeit, erhöht insbesondere bei Nässe die Verkehrssicherheit und reduziert zugleich die Lärmemissionen.
Für Infrastrukturbetreiber bringt BETOcross® spürbare Vorteile im Bau- und Instandhaltungsprozess. Das modulare Baukastensystem verkürzt Montage- und Sperrzeiten und reduziert den Wartungs- und Instandhaltungsaufwand nachhaltig. Gleichzeitig verlängern die hohe Materialbeständigkeit sowie die Möglichkeit, einzelne Systemkomponenten auszutauschen, die Lebensdauer des Bahnübergangs und senken die Lebenszykluskosten. Das seit 2013 im Einsatz befindliche System wurde kontinuierlich weiterentwickelt, ist von der DB InfraGO freigegeben und verfügt über eine Zulassung des Eisenbahn-Bundesamtes.
„BETOcross® zeigt eindrucksvoll, wie sich durch intelligente Konstruktion und konsequente Praxisorientierung ein etablierter Infrastrukturbaustein entscheidend weiterentwickeln lässt“, erklärt Juror und Rail.S-Beirat Michael Fohrer. „Die Innovation vereint schnelle Montage, hohe Dauerhaftigkeit und maximale Systemstabilität – selbst unter anspruchsvollen Einsatzbedingungen. Damit leistet RAILBETON HAAS einen wichtigen Beitrag zu einer leistungsfähigeren, wirtschaftlicheren und zukunftssicheren Schieneninfrastruktur.“

Garfik: CAEmate
CAEmate: Paradigmenwechsel im Infrastrukturmonitoring
CAEmate S.r.l. aus Bozen überzeugt mit WeStatiX SHM, einer modelbasierten Digital-Twin-Plattform für Infrastrukturmonitoring. Die Innovation kombiniert physikbasierte Finite-Elemente-Simulationen mit Echtzeit-Sensordaten und erstellt kontinuierlich aktualisierte digitale Zwillinge von Brücken, Viadukten, Tunneln und weiteren Infrastrukturbauwerken sowie geologischen Anwendungen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Monitoring-Systemen, die lediglich Rohdaten (z. B. Grenzwerte und historische Daten) visualisieren, ermöglicht WeStatiX SHM erstmals eine physikbasierte Echtzeitbewertung des tatsächlichen strukturellen Zustands und der Betriebssicherheit. So erhalten Infrastrukturbetreiber eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb ihrer Anlagen. Gleichzeitig können Ingenieurbüros mithilfe des integrierten Twin Builders digitale Zwillinge effizient und skalierbar erstellen.
Für Betreiber kritischer Infrastruktur bedeutet dies einen entscheidenden Fortschritt: Wartungsmaßnahmen können vorausschauend geplant, Schäden frühzeitig erkannt und die Lebensdauer von Bauwerken um bis zu 30 Prozent deutlich verlängert werden. Gleichzeitig sinken Instandhaltungskosten und Ressourcen lassen sich gezielter einsetzen. Die Technologie wurde erfolgreich unter realen Betriebsbedingungen auf über 400 Infrastrukturobjekten validiert, darunter Brücken und Viadukte namhafter Betreiber. Dank ihres skalierbaren Software-as-a-Service (SaaS)-Ansatzes und der nahtlosen Integration bestehender Simulationsmodelle und Sensorsysteme bietet WeStatiX SHM großes Potenzial für den europaweiten Einsatz im Infrastrukturmanagement.
„Mit WeStatiX SHM gelingt CAEmate ein Paradigmenwechsel im Infrastrukturmonitoring“, erklärt Juror und Geschäftsführer der Fakultät Verkehrswissenschaften “Friedrich List” an der TU Dresden, Dr. Michael Krieg, und führt fort: „Als erste skalierbare Plattform für prädiktives, modelbasiertes Monitoring setzt die Innovation neue Maßstäbe für das digitale Infrastrukturmanagement und schafft die Grundlage für einen sichereren, effizienteren und nachhaltigeren Betrieb kritischer Verkehrsinfrastrukturen.“
Nächster Hakt: ERCI Innovation Award
Die Preisträger des SET4FUTURE Innovation Awards 2026 haben sich automatisch für den europäischen Wettbewerb ERCI Innovation Award qualifiziert. Bereits zum 12. Mal ist das Meta-Cluster für die europäische Bahnindustrie ERCI auf der Suche nach innovativen Produkten, Technologien, Lösungen und Geschäftsmodellen aus der Bahnindustrie. 29 Unternehmen aus ganz Europa sind für den Award in den Kategorien “Innovativstes Großunternehmen” und “Innovativstes Klein- und Mittelständisches Unternehmen” nominiert.
Die Preisverleihung zum ERCI Innovation Award wird im Rahmen der InnoTrans, der Weltleitmesse für Verkehrstechnik, am 23. September 2026 voraussichtlich ab 17:00 Uhr am Rail.S-Gemeinschaftsstand (Halle 7.2b) in Berlin ausgerichtet.
Quelle: Rail.S e.V.
