Die geplante Reaktivierung der Kochertalbahn zwischen Waldenburg und Künzelsau kommt voran. Bei einer Informationsveranstaltung in der Carl-Julius-Weber-Halle in Kupferzell diskutierten rund 300 Bürger:innen, kommunale Vertreter:innen und Fachleute über mögliche Trassen, Kosten, Umweltaspekte und die künftige Anbindung der Region. Bis Ende 2026 soll eine bevorzugte Trasse feststehen.

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann betonte, dass das Projekt nur im konstruktiven Miteinander gelingen könne. „Das Projekt lässt sich nur im Miteinander realisieren und nicht gegen Widerstände“, sagte er bei der Infoveranstaltung. Die Stadt Künzelsau führt seit 2025 die Projektträgerschaft und will die Gemeinden Kupferzell und Waldenburg wieder stärker einbinden, nachdem diese 2024 ihre finanzielle Unterstützung vorerst eingestellt hatten.

Die Vorplanung stützt sich auf eine Machbarkeitsstudie, die die gesamtwirtschaftliche Sinnhaftigkeit bestätigt. Ingenieurbüros untersuchen aktuell zwei Varianten: eine Trasse durchs Künsbachtal und eine Tunnelvariante. Die Kosten liegen grob zwischen 194,5 und 274 Millionen Euro. Bund und Land könnten bis zu 90 Prozent der förderfähigen Baukosten sowie 75 Prozent der Betriebskosten übernehmen. Moritz Link vom Verkehrsministerium unterstrich die aktuell günstigen Förderbedingungen: „Die Voraussetzungen zur Realisierung des Projekts [waren] noch nie so günstig.“

Ein Schwerpunkt der Diskussion war die Umwelt- und Verkehrsverträglichkeit. Besonders der bisher viel genutzte Radweg auf der früheren Bahntrasse könnte bei einer Reaktivierung wegfallen. Planer:innen prüfen Alternativen, um Eingriffe in bestehende Wege möglichst gering zu halten. Auch Fragen zum Lärmschutz, zur ÖPNV‑Verzahnung und zum Erhalt regionaler Buslinien standen im Fokus. Wegen gesetzlicher Vorgaben können parallele Bus‑ und Bahnangebote nicht dauerhaft bestehen.

Für den Betrieb sind elektrisch angetriebene Stadtbahnzüge vom Typ VDV Tram‑Train vorgesehen. Sie können Steigungen bis 8,5 Prozent bewältigen, wie sie auf dem Abschnitt zwischen Gaisbach und Künzelsau auftreten. Die geplante Fahrtzeit beträgt 18 Minuten zwischen Künzelsau und Waldenburg.

Das Fahrgastpotenzial wird konservativ auf 3.200 Personen pro Werktag geschätzt, rund eine Million im Jahr. Andere Reaktivierungen in Baden‑Württemberg zeigen, dass solche Prognosen oft übertroffen werden. Als Beispiel gilt die Schönbuchbahn, die deutlich mehr Menschen nutzen als erwartet.

Hohe Zustimmung der Bürger

Eine Umfrage unter 2.765 Einwohner aus dem Hohenlohekreis zeigt: 77,1 Prozent der Befragten freuen sich auf die Kochertalbahn, nur 15,8 Prozent tun das nicht.

Als weitere Schritte der Bürgerbeteiligung sind im März drei Beteiligungswerkstätten vorgesehen. Am 20. März um 18 Uhr in Waldenburg, am 21. März um 10 Uhr in Kupferzell und um 14.30 Uhr in Künzelsau. Sie sollen helfen, offene Fragen zu klären und Akzeptanz in allen beteiligten Kommunen zu stärken. Eine Anmeldung ist über die Projektwebseite kochertalbahn.info möglich.

 

Fotos: Nicole Okel