Mit der neuen Ausgabe des Privatbahn Magazins beginnt das Jahr 2026 für die Bahnbranche so, wie die Lage ist: anspruchsvoll, widersprüchlich – und voller offener Fragen. Die Schiene steht unter Druck – wirtschaftlich, politisch, operativ. Und sie scheitert nicht an Technik, sondern an Rahmenbedingungen.

Titelthema: Auf Talfahrt!

Denn im Mittelpunkt dieser Ausgabe steht eine unbequeme, aber notwendige Analyse: Wie Deutschlands Standortschwäche die Schiene ausbremst. Eine Mischung aus hoher Staatsquote, regulatorischer Übersteuerung und chronischer Investitionsunsicherheit bremst den Schienenverkehr aus – und trifft ihn doppel. Einerseits als Wirtschaftssektor, andererseits als Rückgrat von Industrie und Logistik.

Im Interview ordnet der Ökonom Prof. Dr. Michael Berlemann ein, warum Schieneninfrastruktur kein Randthema, sondern ein harter Standortfaktor ist – und weshalb eine Verkehrswende ohne verlässliche Rahmenbedingungen zwangsläufig ins Leere läuft. Die Botschaft ist klar: Technik allein reicht nicht. Ohne Verlässlichkeit und Geschwindigkeit in den Verfahren verliert die Schiene weiter an Boden.

Wartung & Service: Pflicht war gestern, Strategie ist heute

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe zeigt die andere Seite der Medaille. Wartung und Service sind längst mehr als notwendiger Aufwand – sie sind strategischer Erfolgsfaktor. Von ECM-Zertifizierung über datengetriebene Instandhaltung, 3D-Druck in der Ersatzteilversorgung bis hin zu modularen Komponenten-Revisionen und KI-gestütztem Netzmanagement: Die Branche verfügt über Know-how, Innovationen und Lösungen.

Was oft fehlt, sind passende Rahmenbedingungen, um diese Stärken in die Fläche zu bringen. Genau hier setzt PriMa an: nicht als Technik-Schaufenster, sondern um zu zeigen, dass Verfügbarkeit, Lebenszykluskosten und Sicherheit heute über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

Verkehrspolitik, Infrastruktur, Güterverkehr

Die Umfrage zum Aufsichtsrat der DB InfraGO zeigt eine ungewöhnlich geschlossene Kritik der EVU – und wirft die Frage auf, wie ernst es der Politik mit Entflechtung und echter Reform wirklich ist. Beiträge aus Verkehrspolitik, Infrastruktur und Logistik machen deutlich: Der Schienengüterverkehr steht unter massivem Druck. Steigende Kosten, sinkende Mengen, komplexe Fördermechanismen und fehlende Planungssicherheit drohen, Verkehre dauerhaft auf die Straße zu verlagern.

PriMa als Stimme der Branche

Diese Ausgabe macht deutlich, was das Privatbahn Magazin seit über zwei Jahrzehnten auszeichnet: kritische Distanz, fachliche Tiefe und der Anspruch, Debatten nicht nur abzubilden, sondern einzuordnen. Für Staatsbahnen ebenso wie für private Eisenbahnverkehrsunternehmen. Für Politik, Wirtschaft und Praxis.

Die Themen gehen uns nicht aus – leider, wie man zum Teil sagen muss. Aber genau darin liegt die Aufgabe von Fachjournalismus: Orientierung zu geben, Widersprüche sichtbar zu machen – und den Finger dort in die Wunde zu legen, wo Sonntagsreden nicht weiterhelfen.