Der Sachverständigenrat Wirtschaft hat heute sein Frühjahrsgutachten 2024 vorgestellt. Darin kommt das Fachgremium zu dem Schluss, dass sich lediglich sechs Prozent der straßengebundenen Transporte aufgrund der Transportstrecke und der Art der Verladung für eine Verlagerung auf die Schiene eignen würden. Die Lösung sieht man im flächendeckenden Einsatz von Batterie-LKW.

Ein günstiger und zuverlässiger Güterverkehr ist für Deutschland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – gerade wegen der zentralen geografischen Lage und des hohen Industrieanteils. „Die Verkehrsinfrastruktur ist in einem desolaten Zustand. Ohne größere Investitionen wird sie sich weiter verschlechtern, da der Güterverkehr weiter zunehmen und die Belastung der Infrastruktur steigen wird“, erklärt Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft. Für die Modernisierung und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sollte stärker auf eine Nutzerfinanzierung, beispielsweise über eine fahrleistungsabhängige PKW-Maut, gesetzt werden. Eine feste Zuweisung von Mitteln an Investitionsfördergesellschaften kann die Infrastrukturausgaben verstetigen und für Planungssicherheit sorgen.

 

Kapazität und Qualität der Schiene reichen nicht

Selbst eine Verlagerung der erwähnten sechs Prozent werde durch Kapazitätsengpässe im Schienenverkehr verhindert. Deshalb sollten die Kapazität und Qualität des Schienengüterverkehrs erhöht werden – vor allem dort, wo er bereits heute Effizienzvorteile gegenüber der Straße bietet, also auf langen, internationalen Strecken. Zur Effizienz- und Kapazitätssteigerung des Schienengüterverkehrs könnten die europaweite Einführung der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) und der Bau ausreichender Überholgleise beitragen.

Eine eigentumsrechtliche Entflechtung der Infrastrukturgesellschaft vom übrigen DB-Konzern könnte dazu beitragen, den Wettbewerb im Schienengüterverkehr zu stärken. Um die Qualität der Schieneninfrastruktur zu erhöhen, sollte die Infrastrukturgesellschaft sowohl für die Instandhaltung als auch für Ersatzinvestitionen zuständig sein. Derzeit trägt die DB AG lediglich die Kosten für die Instandhaltung, während Ersatzinvestitionen vom Bund finanziert werden. Das führt bisher dazu, dass ökonomisch effiziente Instandhaltungen verzögert oder ganz unterlassen werden.

 

Rat setzt auf Batterie-LKW

Auch aufgrund dieser Defizite der Schiene sieht der Sachverständigenrat die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs mit einem Wechsel auf emissionsarme Antriebstechnologien als zentralen Hebel zur Dekarbonisierung des Güterverkehrs insgesamt. Der Güterverkehr ist für acht Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich, davon entfallen 98 Prozent auf den Straßengüterverkehr. Zwar verlieren durch das novellierte Klimaschutzgesetz die Sektorziele für den Verkehr an Bedeutung, dennoch muss Deutschland im Verkehrs- und Gebäudesektor aufgrund der europäischen Lastenteilungs-verordnung bis zum Jahr 2030 verpflichtende Emissionsreduktionsziele erfüllen.

Um den Güterverkehr schneller zu dekarbonisieren, plädiert der Sachverständigenrat dafür, den Aufbau einer Ladeinfrastruktur in den Fokus staatlichen Handelns stehen. Die Einsatzmöglichkeiten von batterieelektrischen LKW hätten sich in den vergangenen Jahren aufgrund der technologischen Entwicklungssprünge bei der Batterie- und Ladetechnologie deutlich erweitert. „Batterieelektrische LKW können bereits heute dazu beitragen, die Emissionen im Straßengüterverkehr zu reduzieren. Andere emissionsarme Antriebe haben nicht dieselbe Marktreife“, erläutert Schnitzer. „Angesichts knapper öffentlicher Mittel und Planungskapazitäten sollte der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für batterieelektrische LKW priorisiert werden. Dies wird die Marktdurchdringung von batterieelektrischen LKW beschleunigen.“

Um die Rahmenbedingungen für private Investitionen in die Ladeinfrastruktur zu verbessern, sollten öffentliche Flächen für Schnellladepunkte entlang der Autobahnen zügig und unbürokratisch bereitgestellt werden. Parallel müssen die Netzkapazitäten ausgebaut wer-den. Zudem ist es wichtig, dass Informationen zu weiteren geeigneten Standorten für Ladestationen sowie die dort aktuell und zukünftig verfügbaren Netzkapazitäten transparent kommuniziert werden.

Quelle: Sachverständigenrat Wirtschaft
Foto: Sachverständigenrat Wirtschaft