BEMU verdrängt Diesel, After-Sales gewinnt
Trotz angespannter Budgets und steigender Preise wächst das OEM-Neugeschäft mit Triebzügen weiter deutlich. Die Beschaffung wird selektiver, finanzierungsabhängiger und stärker durch Lebenszykluslogik geprägt. Auch Lieferfähigkeit und geeignete Antriebskonzepte bestimmen den anspruchsvollen Neufahrzeugmarkt. Zugleich wird der Nachmarkt wichtiger, also Angebote für Instandhaltung, Modernisierung und digitale Services – der Zugang zu Werkstattkapazitäten hat zunehmend strategische Bedeutung. Das zeigt die neue MultiClient-Studie „Multiple Units – Global Market Trends 2026“. Dazu erklärt Maria Leenen, SCI Verkehr: „In Europa zeigt sich eine Zurückhaltung bei der Neubeschaffung aus Kostengründen, die Betreiber verlängern stattdessen die Lebensdauer der Fahrzeuge. Damit verschiebt sich ein Teil des Marktvolumens in Richtung Instandhaltung und Modernisierung.“
Wachstumstreiber im Nachmarkt sind nicht nur Flottenerweiterungen, sondern auch längere Lebenszyklen, ETCS-Ausrüstung, umfassendere Überholungen, komplexere Technik, etwa alternative Antriebe, sowie Budgetdruck. Wo Neubeschaffungen verschoben werden, wird After-Sales zum Stabilisator des Marktes.
Europa bleibt der wichtigste OEM-Markt mit der größten Bestandsflotte und erheblichem strukturellen Ersatzbedarf. Zugleich sticht die Region als Innovationsraum der Dekarbonisierung hervor. Batterieelektrische Triebzüge (BEMU) sind zunehmend die bevorzugte Lösung als Dieselersatz, während Wasserstoffzüge eine stark nachrangige Rolle spielen. Je nach Einsatzprofil können auch hybride Antriebskonzepte wie Bi-Mode eine Brückentechnologie hin zur vollständigen Elektrifizierung bieten.
Im europäischen OEM-Markt legen Elektrotriebzüge von derzeit etwa 6 Mrd. Euro bis 2030 auf über 9 Mrd. Euro zu. Auch alternativ angetriebene Züge, insbesondere BEMU, steigen rasant von derzeit rund 500 Mio. Euro auf über 1,5 Mrd. Euro. Neben der Ablösung von Dieselzügen treiben vor allem Kapazitätsengpässe im Regionalverkehr, Elektrifizierung und der Ausbau hochfrequenter Netze die Nachfrage.
Asien bleibt Maßstab für Verkehrsleistung und Serienproduktion: Die Region hat mit Abstand die größte Transportleistung und wächst weiter. Vor allem China und Indien skalieren elektrische Regional-, Vorort- und urbane Schienenverkehre in großen Serien.
Der globale Markt für Dieseltriebzüge (DMU) wird mehr und mehr zum echten Nischensegment. In Europa ist der Rückgang klar sichtbar, in Indien endet die DMU-Beschaffung durch Elektrifizierung weitgehend, in Japan wird Diesel zunehmend durch Hybrid- und Batterie-Konzepte ersetzt. DMU bleiben in Märkten mit sehr geringer Elektrifizierung, z.B. Nordamerika, Teilen Lateinamerikas sowie Afrika/Nahost lediglich punktuell relevant und fallen volumenmäßig kaum ins Gewicht.
Die MultiClient-Studie „Multiple Units – Global Market Trends 2026“ analysiert Flottenentwicklung, Beschaffungsprojekte, Herstelleranteile sowie Forecasts für Neufahrzeuge und After-Sales-Volumen im weltweiten Markt für Triebzüge im Regional- und Vorortverkehr, einschließlich einer eingehenden Analyse der wichtigsten nationalen Märkte. Ab sofort ist die Studie in englischer Sprache bei der SCI Verkehr GmbH (www.sci.de) erhältlich.
Quelle/Grafik: SCI Verkehr GmbH
